Der Tariflohnanstieg ist eher homöopathischer Natur, das Plus in diesem Jahr beläuft sich auf magere 2,2 Prozent. Manche Firmen legen noch ein bisschen drauf, sodass die Verdienste effektiv um 2,5 Prozent steigen dürften, wie die Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrer Gemeinschaftsdiagnose prognostizieren.

Es gibt wohl kaum einen Manager, der an der Marktwirtschaft zweifelt. Schließlich wohnen unserem System ein paar wunderbare Eigenschaften inne: In freier Entscheidung handeln Anbieter und Nachfrager Verträge aus, sodass es zu einem Ausgleich der Interessen kommt. Verschwendung wird minimiert, Mangel beseitigt. Der Preismechanismus regelt, dass teuer sein muss, was knapp ist. Nur dann wird mehr davon angeboten.

Das mag banal klingen. Aber es lohnt sich, gelegentlich darauf hinzuweisen – zumal wenn die marktwirtschaftliche Realität sich immer weiter von ihren fundamentalen Prinzipien entfernt.

Deutschland im Jahr 2017, das ist eine Volkswirtschaft in Bestform. Unser größtes Problem ist der Mangel an Arbeitskräften. Nie waren so viele Menschen im Land beschäftigt, nie so viele offene Stellen gemeldet. Viele Unternehmen könnten mehr produzieren, wenn sie nur die passenden Leute fänden. Eigentlich müsste der Preis der Arbeit kräftig steigen. Aber das passiert nicht.

Der Tariflohnanstieg ist eher homöopathischer Natur, das Plus in diesem Jahr beläuft sich auf magere 2,2 Prozent. Manche Firmen legen noch ein bisschen drauf, sodass die Verdienste effektiv um 2,5 Prozent steigen dürften, wie die Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrer Gemeinschaftsdiagnose prognostizieren. Bei einer Inflationsrate von knapp unter 2 Prozent kommt bei den Beschäftigten da kaum etwas vom Aufschwung an. Die Realeinkommen stagnieren, jedenfalls im Durchschnitt. Eine absurde Situation – nicht nur in Deutschland. Quer durch die westlichen Volkswirtschaften ist das Bild ähnlich: Seit 1990 bleiben die Lohnerhöhungen hinter dem Produktivitätsfortschritt zurück. Auch in Ländern wie den USA und Japan suchen die Firmen händeringend nach Leuten, ohne die Bereitschaft, mehr Geld rauszurücken.

Nirgends ist die Entwicklung allerdings so verquer wie in Deutschland. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit wäre durch kräftigere Lohnerhöhungen keineswegs gefährdet. Die Bundesrepublik erwirtschaftet inzwischen die höchsten außenwirtschaftlichen Überschüsse weltweit:

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