Doch was zählt das noch, wenn der Abschied schon so nah ist. Wenige Wochen nach der Bilanzpressekonferenz wird Andersen Beiersdorf verlassen, nach nur dreijähriger Amtszeit. Der Aufsichtsrat um den Vorsitzenden Reinhard Pöllath gibt dem ehemaligen Colgate-Manager keinen Anschlussvertrag. Weil es bis Anfang Februar noch keinen Nachfolger gab, behielt der Konzern den anstehenden Wechsel auf dem Posten lieber erst mal für sich.

Richtig Freude wird bei Jesper Andersen, Finanzvorstand beim Kosmetik und Klebstoffkonzern Beiersdorf, nicht aufkommen, wenn er gemeinsam mit CEO Stefan Heidenreich Anfang März die Bilanz für 2017 präsentiert. Dabei sind die Zahlen ausgezeichnet. Rekord beim Umsatz, Fortschritt beim Ergebnis.

Doch was zählt das noch, wenn der Abschied schon so nah ist. Wenige Wochen nach der Bilanzpressekonferenz wird Andersen Beiersdorf verlassen, nach nur dreijähriger Amtszeit. Der Aufsichtsrat um den Vorsitzenden Reinhard Pöllath gibt dem ehemaligen Colgate-Manager keinen Anschlussvertrag. Weil es bis Anfang Februar noch keinen Nachfolger gab, behielt der Konzern den anstehenden Wechsel auf dem Posten lieber erst mal für sich.

Heidenreich hätte weiter mit dem Dänen gearbeitet, die beiden sollen sich gut verstehen, berichten Insider. Aber Hauptaktionär Michael Herz (51 Prozent), der auch im Aufsichtsrat wacht, war mit Andersen offensichtlich nicht zufrieden. Bei der Nachfolgesuche assistiert nun die Personalberatung von Heiner Thorborg.

Intern werten Mitarbeiter die anstehende Personalie als Götterdämmerung für Heidenreich. Tatsächlich sind deutliche Abnutzungserscheinungen erkennbar. Ende kommenden Jahres wird der Markenmanager Beiersdorfvoraussichtlich verlassen, eine weitere Verlängerung seines Vertrags ist nicht geplant.

Die absehbare Trennung kommt beiden Seiten inzwischen gelegen. Der in hohem Tempo agierende und fordernde Heidenreich hat sich in der Organisation aufgerieben. Auch seine Blue Agenda („Wir sind Beiersdorf … wir sind einzigartig!“) hat er weitgehend ausgereizt.

Beiersdorf brauche jetzt wieder einen frischen Anstoß. Strategie und Führungsstil müssten dringend erneuert werden, verlautet aus dem Inneren der Hamburger Zentrale. Der Beiersdorf-Chef hatte in den letzten Jahren das Augenmerk vor allem aufs Umsatzwachstum gelegt. In einzelnen Schwellenländern gelang dem Markenartikler das auch gut. Die Gewinne indes wuchsen nicht in gleichem Maße mit. Erst seit dem vergangenen Jahr steuert Heidenreich nach, etwa indem er mehr Augenmerk auf die Apothekenmarken Eucerin und Hansaplast legt sowie die Luxusmarke La Prairie, deren Salben schon mal 450 Euro kosten.

Entscheidend für Heidenreichs Vergütung ist jedoch das Umsatzwachstum, die Gewinnkomponente ist klein. Mithilfe sogenannter Phantom-Shares, die er teilweise auch aus eigener Tasche bezahlt hat, kam der CEO zuletzt auf einen stolzen Verdienst von mehr als neun Millionen Euro pro Jahr. Ein ungewöhnlich hohes Multiple auf das durchschnittliche Vorstandsgehalt, das unter zwei Millionen liegt. Den größeren Teil davon überweist ihm der sonst eher dem Geiz zuneigende Herz allerdings erst nach Ablauf seiner Amtszeit.

Als Nachfolger von Heidenreich kommen zwei interne Kandidaten infrage. Der Franzose Vincent Warnery, seit einem Jahr im Haus und zuständig für den neuen Markenbereich La Prairie, Eucerin, Hansaplast, ist der eine. Er spricht gut Deutsch, hat einen erstklassigen Auftritt, kennt sich aber bislang vorrangig mit teuren Produkten aus. Er kam vom Pharmakonzern Sanofi.

Der andere heißt Stefan De Loecker und betreut wichtige Auslandsmärkte wie den Nahen Osten, Indien, Russland oder Südamerika. Der Mann ist ein Macher. Ihm verdankt Heidenreich den Erfolg in den Schwellenländern. Gut möglich aber, dass De Loecker nicht aus Dubai wegwill, er ist dort stationiert und genießt das steuerfreie Leben.

Nicht ausgeschlossen also, dass am Ende ein Externer (oder eine Externe) für neuen Schwung sorgen muss. Heidenreich, so der Plan, soll in den Aufsichtsrat der Herz-Holding Maxingvest wechseln. Dort erwartet ihn bereits Vorgänger Thomas-Bernd Quaas.

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