Fahrverbotsopfer sollen so möglichst wenig Geld aufbringen und Nachteile in Kauf nehmen müssen, um schnell wieder mobil zu sein.

Jetzt ist Schluss mit lustig: Aus dringendem gesundheitlichen Anlass werden in den Brennpunkt-Städten in Deutschland Fahrverbote für ältere Diesel wirksam. Und zwar in diesem Jahr. Und das ist auch gut so, denn die Gesundheit der Menschen sollte klar Vorrang vor kommerziellen oder autoaffinen Interessen haben. Natürlich stellt das den ein oder anderen PKW-Besitzer vor ein Problem, aber diese Ankündigungen kommen ja nicht von jetzt auf gleich, sondern sind seit Jahren ein Thema. Ein wichtiges Thema, das die Atemluft verbessern soll und den Menschen schützen soll. Wenn das kein Grund ist, welcher dann?

So, wie in unserem nachfolgenden Beispiel geht es mittlerweile vielen Dieselfahrern im Lande. Bis Silvester begegneten Lene und Bernd Entenmann Fahrverbote nur in den Nachrichten. Dabei gehören zu ihrem Haushalt im schwäbischen Weinstadt gleich drei ältere Diesel. Einen silbergrauen VW-Bus fahren die Inhaber eines Betriebs für Orthopädie-Schuhtechnik privat und geschäftlich. Mit ihrem Wohnmobil von Ford gehen sie gern auf Spritztour und reisen nach Dänemark. Ihren Peugeot, Baujahr 2007, nutzt inzwischen vor allem ihre Tochter. Seit Neujahr gehören Fahrverbote zu ihrem Alltag. Sie dürfen mit ihren Autos nicht mehr ins nahe Stuttgart, Geschäftspartner und Freunde besuchen. Auch um zu ihren Kindern zu kommen, müssen sie die Stadt künftig umfahren. Seit dem  1. Januar herrscht dort für Dieselmodelle der Schadstoffklassen Euro 1  bis 4 (ab 2020 auch Euro 5) ein flächendeckendes Fahrverbot. Es einfach zu ignorieren kann teuer werden. 80 Euro Bußgeld kostet es. Die Entenmanns stehen unter Druck: Vor allem der Bus muss schnell weg, damit ihr Alltag wieder funktioniert. „Dabei wären wir ihn noch gern mindestens 150.000 Kilometer gefahren“, sagt Entenmann, 58. „Er läuft super.“

Was tun mit dem alten Diesel? Die meisten der 10,6 Millionen deutschen Dieselfahrer, in deren Fahrzeugschein Euro 1 bis 5 eingetragen   ist, dürfte diese Frage umtreiben. Sie werden nach und nach in vielen Städten der Republik nicht mehr fahren dürfen — im Ruhrgebiet betrifft das sogar die wichtige Autobahn 40. Selbst Landbewohner, die in belasteten Städten arbeiten oder dort Verwandte und Freunde haben, müssen neu über ihre Mobilität nachdenken. Aller Voraussicht nach werden in den kommenden Monaten auch Berlin, Köln, Bonn, Essen, Gelsenkirchen, Mainz, Darmstadt und Frankfurt aufgrund von Gerichtsurteilen Fahrverbote verhängen. Hier ist, wie in Stuttgart, viel zu viel giftiges Stickoxid (NOx) in der Atemluft, das vor allem alte Dieselmotoren ausblasen. Weitere Entscheidungen, etwa für München, stehen an. Selbst Verbote für Euro-6-Modelle sind nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs nicht mehr ausgeschlossen, falls sich die schlechte  Luft nicht nachhaltig verbessert. Laut Umfragen möchte die Mehrzahl ihren Diesel am liebsten behalten — und ihn umweltfreundlich nachrüsten. Auch Familie Entenmann. Sie will mit ihrem Euro-5Wohnmobil demnächst beim Ford-Händler vorfahren und fragen, was das Aufbereiten kosten würde. Es wird vergebens sein: Kein Automobilhersteller bietet seinen Kunden Nachrüstsätze an. Sie finden das Aufpäppeln von Schmuddeldieseln rückwärtsgewandt, investieren lieber in die Entwicklung von Elektroantrieben — und raten, wenig überraschend, zur Erneuerung des Bestandes. Nachrüstsätze wird es daher nur von Drittanbietern geben. Und auch wohl nur für Euro-5-Diesel. Autos niedrigerer Schadstoffklassen ökologisch zu pimpen ist technisch nahezu unmöglich und rechnet sich nicht.

Wenig Nachrüst-Angebote

Ob Entenmann mit seinem Wohnmobil bei einem Drittanbieter fündig wird, ist fraglich. Die werden ihr Angebot wohl zunächst auf Massenmodelle ausrichten. Wie Hubert Mangold, Geschäftsführer der Oberland Mangold GmbH. Er sitzt in seinem Büro in Eschenlohe mitten in einer ländlichen Idylle, nicht weit  von der Zugspitze entfernt. In den Fabrikräumen tüfteln seine Mitarbeiter an sogenannten SCR-Kats, die unter die Fahrzeugböden geschweißt werden und die Abgase mithilfe von eingespritztem Harnstoff(Ad Blue) reinigen. Nicht jedes Auto bietet Platz für den Kat und den Ad-Blue-Tank. Noch kann Mangold nicht sagen, welche Modelle in diesem Jahr versorgt werden können: „Am Ende wird immer entscheidend sein: Wer zahlt dafür? Wir brauchen unbedingt Unterstützung von den Automobilherstellern.“ Aber die helfen Mangold und den andere Nachrüstern nicht. Sie meiden sie geradezu. Warum, zeigt ein Rechtsgutachten der Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer für VW: Der Autokonzern würde automatisch in die Produkthaftung für die Nachrüst-Sätze rutschen, wenn er einem Drittanbieter Teile oder Daten liefert. Dieses Milliardenrisiko will kein Anbieter eingehen, schon Iange nicht der vom Dieselskandal finanziell gebeutelte VW-Konzern. Auch sieht sich kein Autobauer in der Pflicht, die 3.000 bis 4.000 Euro Nachrüstkosten ihrer Kunden mit Diesel — von VWs illegal manipulierten Modellen abgesehen — sind ordentlich zugelassen. Sie genügen den viel zu laschen, gesetzlichen Vorschriften, selbst wenn sie laut Umweltbundesamt im Alltagsbetrieb bis zu sechsmal mehr Stickoxide ausblasen als im Prospekt angegeben. Beim „Dieselgipfel“ im Herbst hat die Bundesregierung die Autobosse deshalb gedrängt, aus moralischen Gründen die Zeche zu zahlen. Bislang wollen ausschließlich VW und Mercedes 80 Prozent respektive bis zu 3.000 Euro zuschießen — und das auch nur für Bewohner der15 besonders belasteten deutschen Regionen: Das sind neben Stuttgart-Backnang, Bochum, Darmstadt, Düren, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Heilbronn, Kiel, Köln, Limburg, Ludwigsburg, München und Reutlingen sowie die angrenzenden Landkreise. BMW lehnt eine Beteiligung ganz ab. Der Rest — Opel, Ford, die Importeure — schweigt.

Was Kunden des Marktführers VVV besonders verwirrt: Einerseits beteiligt sich die Firma an den Nachrüstkosten. Andererseits rät Entwicklungschef Frank Welsch von einer Nachrüstung dringend ab. Folgeschäden am Fahrzeug seien nicht auszuschließen. Mit dem Eingriff entfalle die Werksgarantie. Für das Klima leiste die Nachrüstung einen Bärendienst: Der Motor verbrauche bis zu sechs Prozent mehr, was den CO-Ausstoß erhöht. Der ADAC, der SCR-Nachrüst-Kats seit Monaten in drei Autos in Landsberg testet, bestätigt das. Die Garantiefrage ist dagegen Nebensache. Wenn, wie geplant, im Sommer erste Nachrüstsätze auf den Markt kommen, sind Euro-5-Diesel mindestens knapp vier Jahre alt und fast ausnahmslos nicht mehr in der Garantie- und Kulanzphase. Auch die Gefahr von Folgeschäden ist wohl eher gering. Der ADAC hat bei seinen Versuchen bislang keine gravierenden Probleme festgestellt. „Es funktioniert“, heißt es beim Club. Dennoch kann sich die Haftungsfrage stellen, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen: „Hundertprozentig kann niemand Folgeschäden ausschließen.“ Wer muss also geradestehen, wenn die Karosse wegrostet oder der Wagen röhrt, Einspritzung und Bordnetz kapitulieren oder gar gefährliches Ammoniak austritt? Kann ein Mittelständler wie Mangold solch ein Risiko tragen? „Das ist bislang ungeklärt“, warnt Dudenhöffer.

Am liebsten wollen die Automobilkonzerne den Kunden neue Autos verkaufen. Ihre alten Diesel sollen möglichst rasch von der Straße verschwinden, damit die NOx-Werte in den Städten sinken und weitere  Fahrverbote ausbleiben. Verbraucherschützer halten einen Neukauf— auch ökologisch betrachtet — nicht für die schlechteste Idee, wenn man ihn sich leisten kann. Marion Jungbluth, Verkehrsexpertin beim Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), rät, auch Leasing-Offerten zu prüfen, die teils Fahrverbotsrisiken absicherten. Beim Neuwagen sollte man auf jeden Fall die neueste Schadstoffklasse Euro 6d-Temp oder Euro 6d wählen. „Nur damit ist man auf der sicheren Seite“, sagt Marion Jungbluth. Wer einen Diesel mit der alten Euro-6-Norm erwirbt, sollte eine Umtauschoption im Falle eines  Fahrverbots aushandeln.

Blättert das Ehepaar Entenmann in diesen Tagen durch die Werbung, scheint die Marktlage für einen Kauf ideal zu sein. VW, Mercedes, BMW und Co. überbieten sich mit Diesel-, Abwrack-, Hybrid- oder Umweltprämien. Autoprofessor Dudenhöffer verzeichnet bei den Rabatten „den höchsten Jahreswert seit Beginn unserer Aufzeichnungen“. Beispiele: Wer bei VW seinen Diesel-Golf(Euro 4/5) für eine Euro 6-Variante in Zahlung gibt, erhält 5000 Euro Nachlass. Opel zahlt 6000 Euro, wenn man seinen greisen Astra an die Schrottpresse liefert und einen Neuwagen ordert. Einen Überblick über die Rabatte liefert der ADAC aufwww.adac.de, wenn man den Begriff „Umtauschprämie/UmweIt-prämie“ ins Suchfeld einträgt. Wer, wie die Entenmanns, in einer der 15 besonders belasteten Regionen lebt oder arbeitet, kann die sogenannte Umtauschprämie in Anspruch nehmen, die Bundesregierung und Hersteller im Herbst  im „Diesel-Paket“ definiert haben. Die Idee: Man tauscht seinen Euro 4- oder Euro-5-Diesel gegen einen 6er-Diesel ein. Die Prämie wird auf   den offiziellen Restwert des Altfahrzeugs aufgeschlagen, der in der  Regel per DAT- oder Schwacke-Liste ermittelt wird. Fahrverbotsopfer sollen so möglichst wenig Geld aufbringen und Nachteile in Kauf nehmen müssen, um schnell wieder mobil zu sein. BMW schießt bis zu 6.000 Euro zu, VW bis zu 10.000 Euro, Audi bis zu 9.000 Euro, Mercedes bis zu 10.000 Euro. Das klingt nach paradiesischen Zuständen, zumal sich alte Diesel  kaum mehrprivatverkaufen lassen. Dennoch warnt VZBV-Expertin Marion Jungbluth vor allzu schnellen Kaufabschlüssen. Nicht selten seien die Schnäppchen Blendwerk: „Man sollte Angebote und Preise im Internet vorher genau vergleichen. Bloß nicht drängen lassen — sonst wird  man in seiner Not über den Tisch gezogen.“ Familie Entenmann wird auf jeden Fall weiter Diesel fahren: „Wir  halten ihn nach wie vor für eine gute, verlässliche Technologie.“ Dennoch stellt sich die Frage: Aber ist denn nicht die dringende Rücksicht auf die Gesundheit der Menschen wichtiger, als die Probleme der Dieselfahrer, die offensichtlich eine klare Sorgfaltspflicht haben –  Nämlich Rücksicht auf Mensch und Natur zu nehmen?

2 KOMMENTARE

  1. Vor allem Schluss mit Lustig. Was ist denn hier wieder Lustig? Seid Ihr auch hier auf dieser Seite alle bescheuert? Meint ihr, einen Diesel zu fahren ist immer lustig ud alle aben diesen nur, weil sie den kompletten Spaß haben? Was soll so ein Satz? Ein Eingangssatz ist in dieser Art ist ein kümmerliches Beispiel der Textkunst. Überlegt mal, das ihr so schreibt. Ihr seid Schreiberlinge von übelster Art und ihr solltet reichlich dazulernen. Zum Text. Macht euch doch bitte mal ernsthafte Gedanken über euer Geschwätz. Dieselgift – Krankheiten! Plappert doch nicht pausenlos sochen Unfug. Bildet euch weiter und werdet nicht zu Umweltnazis. Ich bitte nur darum, denn sonst werdet ihr ebenfalls in nicht zu langer Zeit zur Lachnummer, wie es derzeit die DHU und letzten Endes auch die Grünen werden.
    Was soll dieses lappidare Drohen und diese Arroganz ihrerseids. Hirn einschalten lohnt sich immer – glauben und nachplappern nicht wirklich. Ich denke, ihr lasst euch selbst das Weihwasser reichen, wenn nur irgend einer „Klimawandel“ schreit. Gute Nacht an dieser Stelle.

  2. Hallo Bruns! Was regen Sie sich so auf? Das Thema ist ernst genug als dass Sie hier so ein Fass aufmachen. es ist gut, dass die Diesel endlich eingegrenzt werden. Überall sieht man qualmenden „rollenden Schrott“ im Stadtgebiet, wo so alte Diesel-Karren die Luft verpesten. Die müssen weg. Aber nicht jeder kapiert das. Und Ihr Deutsch ist echt eine Katastrophe. Darüber mal nachgedacht?

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