Deutsche Mastbetriebe kastrieren Ferkel ohne Narkose

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Die Lobbyisten der Fleischindustrie haben so viel Einfluss, dass bereits 5 Landwirtschaftsminister vergeblich die Praxis der Kastration ohne Narkose zu stoppen versuchten. Ohne Erfolg. Das ist ein Skandal sondersgleichen und zeigt, dass Deutschlands Politiker Marionetten sind und oft wenig bewirken. Von der Leyen fliegt nicht raus, die Lobbyisten werden nicht überstimmt, die Asylfrage bleibt unbeantwortet und auch sonst versinken wir in politischer Mittelmäßigkeit.

Klein wie Kirschkerne sind ihre Hoden noch. Gleich werden sie mit einem scharfen Messer abgeschnitten. Ohne Betäubung. Kein Tierarzt ist dabei. Der Bauer greift sich ein Ferkel. Er kann das Schweinchen mit einer Hand gut festhalten, es wiegt noch keine drei Kilo. Er drückt ihm die Hinterbeinchen auseinander und schneidet. Das Tier zittert und schreit. Die blutigen Hoden wirft er in einen Abfalleimer. So wird es in deutschen Ställen gemacht: über 20 Millionen Mal im Jahr.

Johannes Baumgartner von der Veterinärmedizinischen Universität Wien erforscht seit 30 Jahren das Schwein. Er kann bei den Tieren mehr als 20 Laute unterscheiden: den Klagelaut, den Warnlaut, den Unmutslaut, das Singen von Sauen und die durchdringenden Angst-und Schmerzlaute. Durch Beobachtung und Messungen, zum Beispiel des Stresshormons Kortisol im Blut der Tiere, hat Baumgartner eine Vorstellung von den Qualen der Ferkel.  Der Professor spricht mit wienerischem Tonfall, das macht das Zuhören erträglicher: „Die zwei Hautschnitte in den Hodensack lösen wahrscheinlich einen vergleichbaren Schmerz wie bei uns aus, scharf und erheblich. Dann wird der Samenstrang durchtrennt. Dieser Schmerz ist ein dumpfer Eingeweideschmerz, den wir nachvollziehen können, wenn wir selbst Operationen im Bauchraum erlebt haben. Dass die Tiere leiden, kann man an ihrem Verhalten in den nächsten vier bis sieben Tagen erkennen, am gekrümmten Rücken und am aufgezogenen Bauch. Die Tiere sind wie Säuglinge. Es gibt keinen Zweifel, sie empfinden großen Schmerz.“ Das Kastrieren von Ferkeln ohne Betäubung verstößt gegen das  Tierschutzgesetz — eigentlich. Weil aber in Paragraf 6, Absatz 1 „unter acht Tage alte männliche Schweine“ vom Amputationsverbot ausgenommen sind, darf gemetzelt werden. Die Ausnahmeregelung sollte Ende 2018 auslaufen, aber kurz vor Jahresschluss verlängerte die Bundesregierung die Erlaubnis zum Hodenabschneiden um zwei Jahre.

Bis zum 1.Januar 2021 werden also noch rund 40 Millionen Schweine leiden müssen, das ist die Schlagzeile in den Medien.

Die Ferkelqual ist ein Skandal aus deutschen Landen. Ein Lehrstück über die Macht der Fleisch- und  Landwirtschaftslobby. Noch mehr:  Schon heute haben Fachleute Zweifel, ob das Hodenabschneiden ohne Schmerzausschaltung 2021 tatsächlich aufhört. Wie die wenigsten Verbraucher wissen, werden männliche Ferkel kastriert, weil ihr Fleisch manchmal müffelt und deshalb schwer zu verarbeiten und zu vermarkten ist.  Außerdem machen Eber mehr Stress und mehr Arbeit im Stall als die braven Kastraten oder weibliche Mastschweine.

Gereon Schulze Althoff, Tierarzt   und Qualitätsmanager bei der Großschlachterei Tönnies im ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück, vergleicht die jungen Eber mit einer Truppe pubertierender Kerls: „Im Stall und während des Transports brauchen sie mehr Platz als die kastrierten Artgenossen, sonst kommt  es zu blutigen Revierkämpfen.“ Auch müssen sie früher geschlachtet werden — bevor sie geschlechtsreif sind. Eber kommen nach etwa 24 Wochen auf die Schlachtbank, Kastraten und weibliche Schweine leben zwei Wochen länger.

Wird der richtige Zeitpunkt zum Schlachten verpasst, kann es passieren, dass Eberfleisch streng riecht. Das merkt der Verbraucher erst, wenn das Kotelett schon brutzelt.  Dann steigt Ebergeruch aus der Pfanne. Althoff beschreibt ihn so: „Es riecht nach Urin und Schweiß, wie in einer Jungsumkleide, die wochenlang nicht gelüftet wurde.“ In der Schlachtbranche sind diese sogenannten Stinker gefürchtet. Sie ruinieren den Ruf von Schweinefleisch.

Seit über zehn Jahren verspricht die Politik, die Tierquälerei zu beenden. Bereits fünf Landwirtschaftsminister waren mit dem Problem befasst: Horst Seehofer, Ilse Aigner, HansPeter Friedrich, Christian Schmidt (alle CSU). Seit März 2018 ist die CDU-Frau Julia Klöckner zuständig.

Zunächst verließen sich die Politiker auf den guten Willen der Branche. So versprachen Bauernverband und Fleischindustrie bereits 2008, „baldmöglichst“ diese Praxis zu beenden. Jedoch müsse man noch an Alternativen forschen. Die Zeit verging, und in den Ställen änderte sich: nichts. 2013 beschloss das Parlament, das Tierschutzgesetz zu ändern — nach einer großzügigen Übergangsfrist von fünf Jahren sollte ab Januar2019 endgültig Schluss sein mit der Kastration „ohne wirksame Schmerzausschaltung“. Doch Bauernverband und Fleischindustrie sabotierten das Vorhaben. In Stufe 1 machten sie Stimmung gegen das Gesetz und verbreiteten Gutachten, in denen der Untergang der Schweinewirtschaft heraufbeschworen wurde. Es hieß, die notwendigen Narkoseverfahren für die Tiere seien zu teuer, der Preis für Schweinefleischwerde steigen, Billigschweine aus dem Ausland würden den Markt überschwemmen, und einheimische Höfe müssten sterben. Es folgte Stufe 2 — der Angriff auf politischer Ebene. Der Deutsche Bauernverband ist mit CDU und CSU in Bund und Land eng verquickt. Im Sommer 2018, wenige Monate bevor die fünf Jahre Aufschub vorbei waren, startete die CSU-Landesregierung aus Bayern im Bundesrat eine Initiative zur Verlängerung der Frist. Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, zwei Bundesländer mit großen Ferkelzucht- und Mastbetrieben, schlossen sich an. Der Druck auf Landwirtschaftsministerin Klöckner wuchs. Schließlich — Stufe 3 — machten Verbandsvertreter Klöckner klar, dass die Bauern gar nicht in der Lage seien, das Verbot zu befolgen. Es fehle an Geräten und Ausbildung. Im Klartext: Eine ganze Branche hatte schlichtweg ein Gesetz ignoriert. Nach dem Motto: Uns doch egal. Schweinebauern fahren auch bei Rot. Sie kamen damit durch.

Die Ministerin und das Parlament knickten ein. Am späten Abend des 29. November stimmten die Abgeordneten von SPD, Union und der AfD einer Regelung zu, die das Leiden der Tiere um zwei weitere Jahre verlängert. Julia Klöckner ist das Thema unangenehm, es schadet ihrem Image als Tierwohl-Politikerin. Bei öffentlichen Auftritten wird sie dauernd gefragt: „Frau Klöckner, warum lassen Sie zu, dass Ferkel leiden müssen?“ Klöckner sagt dann, es sei das letzte Mal, dass sie nachgegeben habe.

Berlin, Abgeordnetenbüro von Renate Künast. Von 2001 bis 2005 war die Grünen-Politikerin Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Berlin. Aus eigener Erfahrung weiß sie, wie überaus selbstbewusst die Branche auftritt. „Es ist, als ob sich der Deutsche Bauernverband eine Ministerin hält. Als ich Ministerin wurde, Gerd Sonnleitner war damals Bauernpräsident, wurde mir ausgerichtet: Wir haben bisher noch jeden Landwirtschaftsminister kleingekriegt. Die wollten mich zu ihrer Marionette machen. Das war eine schöne Motivation für mich. Ich dachte, wir werden ja sehen, mein Lieber.“

Künast berichtet, wie Lobbyismus im Berliner Alltag läuft. So offen spricht sonst niemand im Regierungsviertel. „Ich erinnere mich an die Zeit der Rinderseuche BSE. Da war ich gerade Ministerin geworden. Es gibt neben dem Ministerzimmer einen Sitzungsraum mit einem ellipsenförmigen Tisch. Da habe ich immer alle eingeladen: vom Tierschutzbund bis zum Bauernverband. Vom Bauernverband gab es deshalb Riesenproteste. Die nahmen an, sie kriegen das Einzelgespräch mit der Ministerin. Mit mir. Bekamen sie aber nicht. Heute gibt es das wieder. Es ist üblich, dass der Bauernverband ins Ministerium geht und sagt, was er will. Und es wird erwartet, dass das so läuft und erfüllt wird.“ Künast nimmt einen Schluck grünen Tee. Sie denkt nach, sagt: „Mit Julia Klöckner habe ich kein

Mitleid. Sie hat sich seit vielen Jahren als die politische Stimme der Agroindustrie aufgebaut. Jetzt wird von ihr erwartet, dass sie liefert.“ Dabei gibt es längst Alternativen zu der Tierquälerei. Narkosemittel beispielsweise, impfen oder aber die Ebereinfachschlachten und die wenigen „Stinker“ aussortieren. Keine Methode ist perfekt. Doch alle lassen sich umsetzen, wenn man denn will.

Der Tönnies-Schlachthof in Rheda-Wiedenbrück ist einer der wenigen in Deutschland, die auch Eberfleisch verarbeiten. Rund 26.000 Schweine werden hier jeden Tag geschlachtet. Die Eber sind leicht zu erkennen. Ihre Hoden sind stark ausgebildet. Sie sind stämmiger, muskulöser und einige Kilo leichter als die Kastraten und weiblichen Schweine. Von den Transportern geht es zunächst in den riesigen, grün beleuchteten Wartesaal, eine Halle, so groß wie ein Fußballfeld. Wasser rieselt von der Decke herab, aus Lautsprechern tönt leise Musik ,gerade läuft „The Sound of Silence“. Tierarzt Gereon Schulze Althoff erklärt: „Schweine sind neugierig, das Licht, der Nieselregen, die Musik sind neue Reize für sie, mit denen wir den Aufenthalt im Wartestall möglichst stressarm machen.“ Ihr Fleisch schmeckt dann besser.

Die Tiere trotten ruhig durch Iange Korridore. Am Ende erreichen sie den Betäubungsfahrstuhl. Fünf bis sieben passen hinein, er senkt sie nur wenige Meter hinab in ein Gasgemisch. Sie schnappen nach Luft, sind dann aber schnell bewusstlos und kullern wie große schwere Reisetaschen auf ein Transportband. Dort werden sie mit Ketten an den Hinterbeinen befestigt, hochgezogen und weiter transportiert, vorbei an einem Schlachter, der ihnen mit einem langen Messer ins Herz sticht. Blut pulsiert im dicken Strahl heraus. Das Sterben geschieht lautlos. Nicht mit Quieken und Schreien wie bei vielen Landmetzgern. Eine Stunde nach der Tötung ziehen die Tiere, zerlegt in zwei Hälften und runtergekühlt auf sieben Grad, in einer endlosen Prozession vorbei an Vasilka und Sahra. Die beiden Frauen stehen an diesem Nachmittag an der sogenannten Riechstation und „beschnuppern“ die Schlachtkörper. Sie tragen blaue Plastikschürzen; ihre Schuhe, Hosen, Jacken und Hauben sind  strahlend weiß.

Kommen Teile von Jungebern vorbei, zückt Vasilka eine Heißluft- Pistole und erhitzt damit eine Stelle  am Nackenspeck. Sie wartet zwei Sekunden und zieht die aufsteigende Duftwolke tief mit der Nase ein. Riecht sie den hormonellen Lockstoff Androstenon oder den Duftstoff Skatol, markiert sie den „Stinker“ mit einem blauen Wachsstift.  Das kommt seltenvor. Lediglich drei  Prozent der Eberriechen. Ihr Fleisch wird auch nicht weggeworfen, es kommt geräuchert oder gepökelt in die Wursttheken. In anderen Schlachthöfen kann das Eberfleisch nicht entsprechend verarbeitet werden, die Bauern erhalten weniger  oder sogar kein Geld für die „Stinker“.

Wesentlich einfacher als das „Beschnuppern“ ist es, die Tiere gegen Ebergeruch zu impfen. Dazu müssen sie lediglich zweimal in ihrem  kurzen Leben hinterm Ohr mit einer Nadel gepikst werden. Der Impfstoff heißt Improvac und verhindert, dass die Eber die Lockstoffe Androstenon und Skatol bilden, die  den Geruch hauptsächlich verursachen. Auch das typische Eberverhalten mit Rangkämpfen und gegenseitigem Bespringen werden durch die Immunkastration stark gedämpft. Die Impfung verursacht keine Rückstände im Fleisch. Die Deutsche Lebensmittelgesellschaft erklärt: „Das Fleisch ist für den Konsum absolut unbedenklich.“ Die Lebensmittelkette Kaufland etwa verkauft Produkte von geimpften Tieren.

Und doch hält sich hartnäckig das Gerücht, Fleisch von ImprovacEbern mache Männer, die gern Schnitzel essen, impotent. Auf der Grünen Woche in Berlin wurde in diesem Jahr Fleisch von Improvac Ebern gebraten und ans Publikum verteilt. Es schmeckte auch allen, bis ein Besucherlaut rief: „Das ist doch Hormonfleisch!“ Und schon war der Appetit ruiniert.

In Brasilien, den USA und Kanada -ist der Impfstoff seit Langem, in Australien fast20 Jahre im Einsatz. Hersteller Zoetis, eine Ausgründung des US-Pharmakonzerns Pfizer, will nun auch in Deutschland einen Impfservice aufbauen und den Landwirten sogar die Verluste für „Stinker“ ersetzen. Keine Qual, kein Risiko. Ihre größte Hoffnung gegen die Tierquälerei setzt Ministerin Klöckner jedoch auf eine dritte Ausstiegsmethode: die Vollnarkose für Ferkel. Auf Biohöfen wie dem von Christoph Dietzel bei Korbach in Hessen wird das schon längst gemacht. Er produziert im Jahr etwa 750 Bioland-Schweine für Edeka. An einem kalten Wintermorgen ist die Tierärztin Gabriele Decker-Fischer zum Hof gekommen, sie zieht einen grünen Overall an und mixt den Narkose- und Schmerzmittelcocktail aus Ketamin und Stresnil für 26 Ferkel. Gemeinsam mit Dietzel geht sie in den Stall, der Bauer greift aus den einzelnen Buchten die Tiere und spritzt ein Schmerzmittel, die Tierärztin verabreicht die Narkose. Ein Ferkel nach dem anderen fällt in einen tiefen Schlaf. Nun kommt Dietzel mit dem Skalpell. Nach einer halben Stunde sind alle Ferkel kastriert. Es gab kein Quieken und keine Schmerzensschreie. Die Schweinchen schlafen tief unter Wärmelampen. Fünf Euro verlangt die Tierärztin pro Narkose. Dietzel kann sich die gute Behandlung für seine Schweine leisten. Er bekommt den dreifachen Preis für ihr Biofleisch. Rund vier Euro statt 1,40 Euro pro Kilo.

Dietzel muss noch die Mastschweine mit Kleegras füttern. Er erzählt einem großen deutschen Medium, wie es früher war, als er noch kein Biobauer war: „Mit 18 auf einem Lehrgang habe ich mein erstes Ferkel kastriert. Da musste ich mich echt überwinden. Ich kenne keinen Bauern, der das gerne macht. Auch ich habe ohne Narkose kastriert. Das war normal. Das machte man so. Die Ferkel liefen danach zur Sau. Man sagte:  ,Schau, die verhalten sich normal.‘ Heute denke ich, die Kleinen suchten Trost.“ Die Hoden von Ebern produzieren männliche Geschlechtshormone und geschlechtsspezifische Ebergeruchsstoffe. Diese werden über das Blut in den ganzen Körper, auch in das Muskelfleisch, verteilt. Wird das Fleisch erhitzt, kann dies zu unangenehmen Geruchs- und Geschmacksveränderungen führen. Die ersten Praxisversuche zeigen, dass der Anteil der betroffenen Tiere bei ungefähr fünf Prozent der Jungeber liegt.

Das Verfahren auf dem Hof von Dietzel ist anspruchsvoll. Deshalb ist seit wenigen Wochen auch das Betäuben mit dem Narkosegas Isofluran erlaubt. Der Landwirt kann es ohne Tierarzt anwenden. Die Geräte, die er dafür braucht, kosten zwischen 3000 und 10 000 Euro je nach Typ und Anzahl der Narkoseplätze. Es sind Metallgestelle mit vier Rädern und einem Behälter für Isofluran. Das Ferkel wird in Rückenlage daraufgespannt, über den Rüssel stülpt der Bauer eine elastische Gummimaske. Das Gas strömt aus einem Verdampfer, das Tier zuckt noch kurz und ist nach wenigen Sekunden bewusstlos. Ministerin Klöckner setzt große Hoffnung in diese Methode, sie hat bereits großzügig Zuschüsse aus der Staatskasse dafür versprochen.

Damit das klappt, müssten sich bis 2021 über 8000 Sauenhalter im  Schnellverfahren zu Ferkel-Anästhesisten fortbilden lassen. Die zusätzlichen Kosten pro Schwein wären gering. Je nach Betriebsgröße  entstehen Mehrausgaben pro Tier  zwischen zwei und drei Euro. Das wären bei einem 100-Kilo-Schwein etwa zwei bis drei Cent pro Kilo.

Dennoch regt sich bei Bauernverband und Fleischindustrie gegen alle drei Verfahren heftiger Widerstand. „Zu kompliziert, zu aufwendig“, heißt es. Und wie in den Jahren zuvor wird schon der nächste Angriff auf das Tierschutzgesetz geplant.

Die Rede ist von einem „vierten Weg“. Nach dem Vorbild von Dänemark. Dort wird den Ferkeln zur Schmerzlinderung das Mittel Procain vor dem Kastrieren in den Samenstrang gespritzt. Der Stoff ist billig und mit einer Spritze einfach zu handhaben. Laut aktueller Forschung hat die Methode allerdings einen entscheidenden Nachteil: Die Procain-Spritze schaltet den Schmerz bei den Tieren nicht vollständig aus, so wie es ab Januar 2021 das Gesetz fordert.

Die Schweinefleisch-Lobby setzt nun auf ein Gutachten der Tierärztlichen Fakultät an der Ludwig-Maximilian-Universität in München, das den „vierten Weg“ frei machen soll. Die Studie soll im ersten Halbjahr 2021 fertig sein. Eigentlich zu spät, um das Verbot der schmerzvollen Kastration auszuhebeln.

Aber die Bauern- und Fleischlobby gibt keine Ruhe. In der Branche   kursiert ein „Positionspapier“ des Netzwerks Sauenhaltung Schleswig-Holstein, in dem eine erneute Fristverlängerung gefordert wird.

Der „vierte Weg“ wäre für Züchter, Mäster und Schlachtindustrie verlockend einfach und bequem. Dann müsste sich im deutschen Schweinesystem gar nichts ändern — außer einer kleinen billigen Spritze.

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