Die Befragten sind sensibilisiert für die Umweltauswirkungen der Landwirtschaft: Etwa zwei Drittel betrachten den Rückgang der Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren sowie den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln als sehr große Probleme; ein weiteres Viertel empfindet diese als große Probleme.

Das Umweltbundesamt hat Ende Mai 2019 die Ergebnisse eine repräsentativen Umfrage zum Thema „Umweltbewusstsein in Deutschland“ vorgestellt. Die wird alle zwei Jahre erhoben. Die Zahlen dieser 12. Erhebung seit 1996 stammen aus dem Jahr 2018, spiegeln also die Meinungen noch vor der Fridays-for-Future-Bewegung wider.

Befragte sehen hohen Bedarf an Veränderungen

Auch vor Greta Thunbergs Initiative stuften fast zwei Drittel (64 Prozent) der Befragten Umwelt- und Klimaschutz als sehr wichtige Herausforderung ein, nur knapp platziert hinter den Hauptthemen Bildung (69 Prozent) und sozialer Gerechtigkeit (65 Prozent). Über zwei Drittel erkannten in den Schlüsselbereichen Energie, Landwirtschaft und Verkehr den Bedarf grundlegender Veränderungen. Für die Verkehrs- und Städtebaupolitik teilte nur gut die Hälfte diese Ansicht. Ein Fünftel der Befragten räumte dabei noch 2018 Fortschritten bei der sozialen Gerechtigkeit Vorrang ein, vor dem Umwelt- und Klimaschutz. 27 Prozent hielten Kompromisse zu Gunsten sozialer Gerechtigkeit für erforderlich. 39 Prozent meinten dabei, Umwelt- und Klimaschutz stelle eine grundlegende Bedingung dar, um die soziale Gerechtigkeit zu verbessern. Weit negativer zeigte sich das Meinungsbild zum globalen Maßstab. Über 90 Prozent schätzten den Umweltzustand als sehr oder eher schlecht ein.

Engagement und Fähigkeit der Akteure

Niedriges Ansehen zeigten die Befragten zur Ansicht, andere Akteure täten genug in puncto Umwelt- und Klimaschutz. Bei Städten und Gemeinden stimmten dem 24 Prozent zu, zur Bundesregierung 14 Prozent, bei der Industrie 8 Prozent. Auch die Einschätzung, dass die Bürgerinnen und Bürger genug tun, erreichte nur 19 Prozent. Alle Werte fielen damit auf die Hälfte der 2016 erhobenen Zahlen zurück. Allein Umweltverbänden attestierten die Befragten zu 71 Prozent ausreichendes Engagement.

Energiewende

Den Zielen der Energiewende stimmten die Befragten mehrheitlich zu. 81 Prozent ging sie jedoch zu langsam voran. Die Hälfte der Befragten fand zügige Reduzierung von Treibhausgasemissionen besonders wichtig. Ein hoher Anteil von Zweiflern zeigt sich in der Überzeugung zum Erfolg der Energiewende. Nur 16 Prozent stimmten voll und ganz der Aussage zu, die Energiewende trüge dazu bei, dass weniger Treibhausgase ausgestoßen werden. 44 weitere Prozent teilten diese Aussage tendenziell, zusammen immerhin 60 Prozent. Misstrauischer sehen es die Befragten bei der Kostenverteilung der Energiewende: Für 35 Prozent der Befragten hat eine sozial gerechte Verteilung der Kosten den höchsten Stellenwert, aber nur 18 Prozent sehen die Kosten der Energiewende derzeit als sozial gerecht an. Auch ansonsten legen die Befragten großen Wert auf sozial gerechte Ausgestaltung durch Maßnahmen der Energiewende und Politikinstrumente: 94 Prozent stuften als sehr wichtig ein, dass eine bezahlbare Energieversorgung für alle gewährleistet bleibt. Trotz den seit Jahrzehnten währenden Debatten zum Kohleausstieg sehen es 92 Prozent als wichtig an, neue Arbeitsplätze in den von einem Kohleausstieg betroffenen Regionen zu schaffen Ökonomische Maßnahmen, wie der Abbau klimaschädlicher Subventionen, die höhere Besteuerung klimaschädlicher Produkte oder die Förderung der Energieeinsparung in Wohngebäuden, erachten 80 Prozent als wichtig. Als hauptverantwortliche Akteure für eine gelingende Energiewende sehen 70 Prozent der Befragten die Regierungen von Bund und Ländern. Eine bedeutsame Verantwortung schreiben sie auch der Industrie (44 Prozent) und der Energiewirtschaft (41 Prozent) zu. Etwa die Hälfte erachtet auch den Beitrag jedes Einzelnen für die Energiewende als wichtig.

Landwirtschaft

Die Befragten sind sensibilisiert für die Umweltauswirkungen der Landwirtschaft: Etwa zwei Drittel betrachten den Rückgang der Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren sowie den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln als sehr große Probleme; ein weiteres Viertel empfindet diese als große Probleme. Die Befragten betrachten es als besonders bedeutend, dass die Landwirtschaft sie mit hochwertigen und gesunden Lebensmitteln versorgt. Aus Sicht von 71 Prozent der Befragten kommt dem die Landwirtschaft sehr gut oder gut nach. 45 Prozent der Befragten halten Umwelt- und Klimaschutz für die künftige Landwirtschaft für besonders erstrebenswert. Diese Priorität können aber nur wenige in der gegenwärtigen Landwirtschaftspolitik erkennen. Eine 76-Prozent-Mehrheit befindet, die Landwirtschaftspolitik in Deutschland orientiere sich an den Interessen der Industrie.

Verkehr

Priorität misst eine Mehrheit von 89 Prozent der Verringerung von mobilitätsbedingten Umweltproblemen zu, wie Lärm, Abgase und Feinstaub im Straßenverkehr. Dennoch beherrscht zumeist der motorisierte Individualverkehr den Alltag. 70 Prozent der Befragten nutzen das Auto für Wege im Alltag täglich oder mehrmals in der Woche. Mit dem Fahrrad fährt ein Drittel regelmäßig. Öffentliche Verkehrsmittel nutzen 22 Prozent täglich oder mehrmals pro Woche.

40 Prozent äußerten als oberste Priorität, Wege im Alltag bequem und kostengünstig zurückzulegen. Nur ein Zehntel nannte die wirtschaftliche Entwicklung und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen an erster Stelle. Ihre Prioritäten finden die Befragten nicht in der aktuellen Verkehrspolitik wieder: 89 Prozent der Befragten glaubten, in der Verkehrspolitik vor allem eine Orientierung an den Interessen der Wirtschaft vorzufinden. Nur 27 Prozent sahen eine Ausrichtung an Umwelt- und Klimaschutz. Für eine Verkehrswende sehen 69 Prozent zuerst die Regierungen von Bund und Ländern gefordert, 63 Prozent die Autoindustrie sowie 51 Prozent jeden Einzelnen.

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