Traditionsgasthaus Palmscher Bau ärgert sich über irreführende Bewertungen im Internet

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Esslingen am Neckar. Traumhafte Lage, ein schicker Biergarten unter Kastanienbäumen, regionale Bier- und Sektsorten und besondere Schnäpse: Das Traditionsrestaurant „Palmscher Bau“ in Esslingen bietet in historischen Mauern weit mehr als deftige schwäbische Hausmannskost. Seit Jahren ist Frank Jehle das Gesicht des Familienunternehmens und bemüht sich um Vielfalt und kulinarische Abwechslung. Das Restaurant verfügt über vier Themenräume – jeder versprüht ein anderes Ambiente, bei der die „Schwaben Bräu Stube“ mit ihren 110 Plätzen das Herz bildet. Bis zu 30 Raucher fühlen sich in der abgetrennten „Freiherr von Palm Stube“ wohler als vor der Tür.

Für Gourmets und Gourmands ist Esslingens ältestes Gasthaus von 1701 eine feste Adresse. Wo einst die Postverwaltung aus dem Hause von Thurn & Taxis ihre Residenz hatte, bietet heute der Schankraum die „kleine Speisekarte“ mit 15 Gerichten zur Auswahl für jene mit dem Mittagshunger. Geografisch sortiert von Wien über Bayern und Schwaben bis Basel. Später eintreffende Gäste, die nach der offiziellen Mittagszeit Hunger verspüren, haben die Qual der Wahl zwischen sehr viel mehr Gerichten, Menüs und Getränken. Mit großem Erfolg tragen die „Palmschen“ Köche ihre Kreationen als Catering-Service auch ins schwäbische Umfeld aus.

Regelmäßig wird die mittlerweile bei Feinschmeckern feste Institution „Palmscher Bau“ Teil der altehrwürdigen Neckarstadt durch Teilnahme an Veranstaltungen wie den Oldie Nights am Hafenmarkt oder dem Esslinger Hafenmarktfest. Gutbürgerlich in XXL könnte man sagen, eine echte Traditionsgaststätte gepflegter Gastlichkeit.

Trotz anerkanntem Erfolg und Top-Lage inmitten der Altstadt kämpfen Frank Jehle und sein Personal jedoch mit einer anderen Geißel der Neuzeit: Der Macht des Internets und dessen Auswirkung. Eine Plattform, um damit auch Neid und Missgunst Ausdruck zu verleihen. Bei Facebook heißt es „Daumen nach unten“, bei politisch aktiven Menschen „Hate Speech“, bei Unternehmen „Shitstorm“, in Gastronomie und Hotellerie einfach nur „schlechte Bewertung“. Die Kartoffeln nicht salzig genug, das Medium-Steak zu blutig, der Riesling zu trocken, die Wartezeit zu lang. Bei hohem Gästeaufkommen missfällt immer mal einem Gast etwas; die Glücklichen genießen, die Unzufriedenen schreiben Kommentare. Dabei überrascht Jehle vor allem Härte und Häufigkeit der Kritik, die in weitem Missverhältnis zu den Rückmeldungen der Gäste aus dem „real-life“ steht, und deren Ursprung nur Spekulationen zulassen. Schwaben gehen zwar, wie man oft sagt, zum Lachen in den Keller, sind aber im spontanen Kritisieren eher weniger für Zurückhaltung bekannt. Die Besonderheit der neuen Zeiten ist eben auch: Die Kritiker müssen noch nicht einmal dort gegessen haben – das Netz macht‘s möglich. In verschiedenen Zeitungen machten bekanntermaßen schon Geschichten über internetaffine Gäste die Runde, die sich in verschiedenen Restaurants nach einem Rabatt für den Fall erkundigten, dass sie keine schlechte Bewertung schreiben. Ob die Schreiber Neider aus der eigenen Branche, Trolle oder echte Unzufriedene sind, ist niemals rückverfolgbar. Besucher sollten daraus den Schluss ziehen, dass die „so authentischen Bewertungen“ im Internet mit größter Vorsicht zu genießen sind, vor allem wenn der Erfolg wie im Fall des „Palmscher Bau“ eine andere Sprache spricht.

Vor gerade mal drei Wochen erregte das Herzogliche Bräustüberl am 300 Kilometer entfernten Tegernsee Aufsehen mit dem „neutralen“ Internet in einem anders gelagerten Fall: Der Wirt verklagte Google, weil der Internetkonzern potenziellen Gästen tagsüber wie abends unendliche Wartezeiten prophezeit, und so den Gästen einen Restaurantbesuch vermiest hatte  – auch wenn 70 Plätze frei waren. „Gravierend falsche Angaben zu Stoß- und Wartezeiten“, wie Wirt Peter Hubert beklagt. Vielfache Aufforderungen zur Richtigstellung waren der Suchmaschine egal, auch auf eine Anfrage des Bayerischen Rundfunks reagierte man nicht. Die Erfahrung: Was im Internet steht, das bleibt und gilt, unabhängig vom Wahrheitsgehalt oder darüber, wer Urheber des Geschriebenen ist. Zumindest solange, bis per Gerichtsbeschluss eine Richtigstellung oder Beitragslöschung angeordnet wird. Frank Jehle jedenfalls will geschäftsschädigender und nicht der Wahrheit entsprechender Kritik entschlossen entgegentreten. Schließlich hat er mehr als seinen guten Ruf zu verlieren. Dem Leser jedenfalls bleibt der Selbsttest empfohlen und ein guter Appetit zu wünschen, egal ob bei bayerischen Schmankerln am Tegernsee oder bei Allgäuer Knuschperle in Esslingen.

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