Covid-19 als weitere Herausforderung für den Jemen

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Der Jemen braucht dringend humanitäre Hilfe, Medikamente, neue Infrastrukturen und auch sonst alles, was zu einem Leben in Frieden gehört. Doch zu Krieg, Zerstörung und Armut kommt nun noch die Ausbreitung des COVID-19 Virus‘ dazu, und reißt das Land weiter in den Abgrund von Elend, Tod und Kindersterben.

Laut einem neuen Report der Kinderhilfsorganisation UNICEF könnte die Zahl der mangelernährten Kinder im Jemen auf 2,4 Millionen ansteigen. Der Organisation fehlen Hilfsgelder für grundlegende humanitäre Hilfen. Außerdem stellen das fehlende Gesundheitssystem und die zerstörte Infrastruktur den Jemen seit Ausbruch der Corona-Pandemie vor große Herausforderungen.

Seit 2015 herrscht im Jemen Krieg, der oft abseits der westlichen Öffentlichkeit stattfindet. Auf der einen Seite kämpfen die schiitischen Huthi-Rebellen, die größtenteils vom Iran unterstützt werden, und 2015 dafür sorgten, dass der Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi aus dem Jemen fliehen musste. Hadi wurde zuvor in einer Abstimmung „gewählt“ in welcher er den einzigen Kandidaten stellte. Auf der anderen Seite kämpft eine Koalition aus mehrheitlich sunnitischen Ländern, angeführt von Saudi-Arabien, für die Stärkung des Präsidenten Hadi und für die Zerschlagung der Huthi-Milizen. Diese Bewegung wird von den USA, Großbritannien und Frankreich unterstützt. Das Land ist seit 2015 inoffiziell in seinen Norden und den Süden geteilt, da der Norden von den Huthi-Rebellen kontrolliert wird und der Süden von der saudi-arabischen Allianz. Die ständigen Machtkämpfe in dem Land bieten Nährboden für islamistische Terrorgruppierungen wie den Islamischen Staat oder Ablegergruppen von al-Qaida. Doch vor allem die Zivilbevölkerung leidet: Bis 2019 gab es laut der UN mehr als 200.000 Menschen, die aufgrund des Krieges ums Leben gekommen sind. 24 Millionen Jeminiten brauchen Unterstützung dabei hat das Land nur 28 Millionen Einwohner*innen.

Aber nicht nur die Bombardements sind verantwortlich für die vielen Todesfälle, sondern auch der Ausbruch von verschiedenen Krankheiten und eine schwerwiegende Hungersnot. Seit 2016 kam es im Jemen zum Ausbruch der weltweit schlimmsten Cholera-Epidemie, die rund 4.000 Tote forderte. Auch der Corona-Virus ist verheerend für das Land. Krankenhäuser liegen in Trümmern, es gibt kaum Ärzte und auch sonst ist die medizinische Versorgung mehr als mangelhaft. Bis Mitte Juni gab es im von Saudi-Arabien kontrollierten Süden offiziell 129 Todesfälle aufgrund des Covid-19 Virus. Ausreichend Testkapazitäten sind allerdings nicht vorhanden, weswegen die Zahl der Corona-Toten und Infizierten weitaus höher liegen dürfte als in den offiziellen Angaben mitgeteilt. Laut Angaben der Huthis im Norden soll es dort nur vier Corona-Infektionen gegeben haben. Die Rebellen vertuschen offenbar etliche Todesfälle, wie es in einem Bericht von „Ärzte ohne Grenzen“ heißt.

Anfang Juni fand eine Geberkonferenz statt, auf welcher die Situation im Jemen diskutiert wurde: „Alles weist daraufhin, dass sich das COVID-19 Virus schnell und breit über das Land erstreckt und das Gesundheitssystem überfordert“, heißt es in dem UN Bericht zu der Konferenz. Insgesamt kamen 1.35 Milliarden Dollar zusammen, nur etwas mehr als die Hälfte des benötigten Betrags. Der Landesdirektor der Organisation Save the Children im Jemen, Xavier Joubert äußerte sich kritisch zur Konferenz: „Es ist äußerst enttäuschend zu sehen, dass die beteiligten Geber – mit Ausnahme einiger weniger Regierungen, die trotz der gegenwärtigen Umstände die Zusagen vom letzten Jahr einhielten – ihre Anstrengungen nicht verstärken konnten. Es geht hier um die Aufrechterhaltung wichtiger Programme, die das Überleben von Millionen jemenitischer Familien sichern könnten. Es fühlt sich an, als hätte die Welt den Jemen bis heute im Stich gelassen.“

Besonders Kinder leiden unter der derzeitigen Situation im Land. Im Report von UNICEF heißt es, dass 9,58 Millionen Kinder derzeit „keinen ausreichenden Zugang zu sauberem Wasser, sanitären Anlagen oder Hygiene“ haben. Außerdem haben fast 8 Millionen keinen Zugang zu Bildungsmöglichkeiten, was eine lange Kette an Folgen nach sich zieht. Die Gefahr der Kinderarbeit, der Kinderehen und die Rekrutierung in „bewaffneten Gruppierungen“ wächst. Sara Beysolow Nyanti, die Leiterin der UNICEF Abteilung für den Jemen äußerte sich zu der Situation wie folgt: „Man kann das ganze Ausmaß dieser weltweit schlimmsten humanitären Krise kaum übertreiben. Kinder kämpfen um ihr Überleben, während Covid-19 im Land Einzug hält“.

Das zugesicherte Geld der teilnehmenden Staaten der Geberkonferenz wird für die humanitäre Krise im Jemen nicht ausreichen. Den Helfer*innen muss mehr Unterstützung zugesichert werden und in Zukunft ist es wichtig sich nicht auf die Bekämpfung der Symptome zu konzentrieren, sondern für langanhaltenden Frieden zu sorgen, damit auch ein Land wie der Jemen eine Krise wie sie gerade weltweit herrscht, überstehen kann.

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