Die deutsche Autoindustrie steht vor einem Dilemma: Der Umstieg von Verbrennungsmotor zu Elektromobilität zeitigt im schlimmsten Fall zweierlei unerwünschte Folgen: Zum ersten droht der Verlust von Arbeitsplätzen hierzulande in der weltweit führenden Verbrenner-Technologie. Nichts ändern ist jedoch ob des drohenden Klimawandels auch keine Option. Zum zweiten könnte der Umstieg auch noch eine Verlagerung eines großen Teils der Wertschöpfung nach Asien bedeuten. Ein langfristig bedeutsamerer Verlust: Ein Know-How-Monopol hoch spezialisierten Wissens anderswo, und damit verbundene Importabhängigkeit. Nicht eine einzige Batteriezelle für die E‑Autos wird derzeit in Deutschland produziert. Aus Kostengründen hat sich die Herstellung von Batterien größtenteils aus Europa verabschiedet. Tesla überlegt gerade den Aufbau einer Fertigungslinie in Nordeuropa, bei hohen Lohnkosten aber geringen Stromkosten. Die Politik hat die Problemstellung erkannt, kann allerdings nichts ändern an den Kennzahlen der Wirtschaftlichkeit in Europa und Asien.

Ende 2018 hatte daher das Bundesforschungsministerium (BMBF) beschlossen, die Förderung der Batterieforschung neu auszurichten. Das neue Dachkonzept „Forschungsfabrik Batteriezelle“ (FFB) hat zum Ziel, auf den bestehenden Kompetenzen aufzubauen. Dabei soll es alle bisherigen Fördermaßnahmen und -programme zur Batterieforschung unter einem Dach vereinen.

Die mit der Konzeption beauftragte  Fraunhofer-Gesellschaft hat sich nun in einem ersten Schritt für den Aufbau am Standort Münster entschieden. Mitte 2022 soll die FFB den Betrieb aufnehmen. Beabsichtigt ist, den Transfer von neuen Batteriekonzepten und Produktionsverfahren in die Praxis zu beschleunigen. Zudem soll sie Unternehmen die Chance eröffnen, ihre Batteriekonzepte auf Massenfertigungstauglichkeit zu prüfen. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek sieht in der Forschungsfertigung Batteriezelle die Chance, dass Deutschland auf dem Zukunftsfeld Batterie mitspielen kann. „Ohne leistungsstarke Batterien werden wir nicht die Mobilität weiterentwickeln können“, bemerkte die 48-Jährige. Weiterhin benötige man leistungsstarke Batterien sowohl im Kampf gegen den Klimawandel als auch als Energiespeicher für den Strom aus erneuerbaren Energien.

Anfang Februar 2019 waren für die Aufstellung einer Forschungsfertigung Batteriezelle deutschlandweit verschiedene Forschungseinrichtungen kontaktiert worden. Nach einem detaillierten Auswahlverfahren verkündete das BMBF Ende Juni die Entscheidung für den Aufbau der FFB am „Münster Electrochemical Energy Technology“ (MEET) der Universität Münster.

Die Fördermaßnahmen verfolgen den Anspruch, sowohl Werkstoff- und Prozessentwicklungen im Bereich der Lithium-Ionen-Technologie fortzuführen als auch neue Ansätze zu verfolgen. Genannt sind da Produktionsmethoden, die mittelfristig sowohl in Hybrid- und Elektrofahrzeugen als auch bei weiteren industriell bedeutenden Anwendungen zum Einsatz kommen. Zum anderen werden auch grundlegend neue Ansätze verfolgt, wie beispielsweise die Metall-Luft-Batterie, die erst langfristig eine Chance auf industrielle Umsetzung haben. Ein wichtiger Aspekt der Batterieaktivitäten besteht auch in der Absicht, durch gezielte Ausbildung und Förderung im Bereich der Elektrochemie Nachwuchskräfte für Forschung und Industrie zu entwickeln.

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