Der Kauf von Eigenheimen boomt – liegt es am Baukindergeld?

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Es mangelt an bezahlbarem Wohnraum in Deutschland. In Ballungsgebieten und beliebten Städten, wie Berlin, München oder Hamburg, ist Wohnen zu einem Luxusgut geworden. Insbesondere Familien haben unter den stetig steigenden Bau- und Immobilienpreisen zu leiden. Also hat die Regierung das sogenannte Baukindergeld eingeführt, um Familien den Kauf oder Bau von Wohnraum zu erleichtern.

Seit September 2018 können Familien oder auch Alleinerziehende das Baukindergeld bei der KfW-Bankengruppe beantragen und so einen jährlichen Zuschuss von 1200 Euro pro Kind erhalten, wenn sie ein Eigenheim kaufen oder bauen.

Maximal erfolgt die Förderung über zehn Jahre – Bedingung ist dabei nur, dass das Kind in der Zeit nicht volljährig wird. Für jedes Kind wird dieselbe Summe gezahlt. Eine Familie mit drei Kindern hätte also im Jahr 3600 Euro und würde eine Maximalförderung von 36.000 Euro erhalten.

Wer profitiert tatsächlich vom Baukindergeld?

Laut einer Auswertung des Innenministeriums vom August dieses Jahres seien inzwischen bereits mehr als 112.000 Anträge eingegangen und 43.000 Familien hätten ihr erstes Geld erhalten. Entgegen aller vorherigen Befürchtungen erreichte das Baukindergeld überwiegend junge Familien mit kleinen Kindern und geringem Einkommen. So hätten 60 Prozent der Empfänger ein Bruttoeinkommen von maximal 40.000 und 40 Prozent nicht mehr als 30.000 gehabt. Verbände und die Opposition hatten zuvor befürchtet, dass das Geld hauptsächlich Familien mit höherem Einkommen helfen würde.

Hausbau oder Wohnungskauf

2018 wurden so viele Häuser gekauft wie noch nie zuvor. Insbesondere im Umland von Großstädten kauften die Bundesbürger Eigenheime.

Das zeigte eine Analyse des Hamburger Instituts für Stadt-, Regional- und Wohnforschung (Gewos).
Die Forscher fokussierten sich auf Kaufabschlüsse und konnten hier einen Anstieg von 2,1 Prozent feststellen. Damit erzielte die Zahl der Kaufabschlüsse einen Rekord von 248.500. Der Umsatz mit Ein- oder Zweifamilienhäusern stieg um zehn Prozent auf 66,3 Milliarden Euro und erreichte so zum siebten Mal in Folge Höchststand.
Hauptsächlich wechselten jedoch Bestandsgebäude ihren Eigentümer. Die Nachfrage nach Wohnungen ging zurück. „Der Markt scheint nun vollends leergefegt zu sein“, kommentiert Sebastian Wunsch vom Gewos. Insbesondere in Großstädten hätten Interessenten Probleme Wohnungen zu finden, da auch der Neubau nicht vorankomme. In Berlin gingen die Käufe um 11,7 Prozent zurück. Damit sticht die Hauptstadt hervor. Laut Wunsch gehe die Zahl der Wohnungsinserate auf Immobilienplattformen zurück, während die Nachfrage steige.

Baukindergeld – ein Boom für alle?

Sebastian Wunsch macht unter anderem das Baukindergeld für die angestiegenen Immobilienkäufe verantwortlich: „Das im vergangene Jahr eingeführte Baukindergeld hat zu einem zusätzlichen Run auf Eigenheime geführt.“ Gerade im zweiten Halbjahr habe es einen Ansturm auf Eigenheime gegeben. Die Industriestaaten-Organisation OECD befürchtet unterdessen, dass die Preise für Bestandsimmobilien durch die Nachfrage weiter steigen. Somit würden sich die Probleme, die das Baukindergeld eigentlich bekämpfen wollte, verstärken. Der Mieterschutzbund gibt außerdem zu bedenken, dass dadurch immer mehr Miet- in Eigentumswohnungen umgewandelt würden, was den Mangel an Wohnraum in Städten noch verschärfen würde.

Aus einer Anfrage der Abgeordneten Caren Lay (Linke) geht hervor, dass nur etwa jeder achte Antrag wegen eines Neubaus gestellt wurde.

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