VW Konzern: Die Blamage geht weiter!

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Seit dem Beginn der Abgasaffäre hat der Volkswagen-Konzern aus dem niedersächsischen Wolfsburg eine Menge Vertrauen bei Anlegern und Kunden verspielt. Nun kommen neue Vorwürfe wegen einer möglichen bzw. wahrscheinlichen „Marktmanipulation“ dazu. Bedeutet: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig erhebt schwere Vorwürfe gegen Hans Dieter Pötsch, Vorsitzender des Kontrollgremiums beim Autobauer, welcher rechtswidrigen Einfluss auf den Börsenkurs des Unternehmens genommen haben soll, indem er den Aktionären verschwieg, dass in den USA Milliardenstrafen wegen der manipulierten Dieselmotoren drohten. Außerdem im Fokus der Richter stehen VW-Chef Herbert Diess und sein Vorgänger Martin Winterkorn. Diese Drei erwartet jetzt ein böses Erwachen vor Gericht, wo alle Vorwürfe aufgearbeitet und bekräftigt werden sollen und so drohen heftige Geldstrafen, wenn nicht sogar Haft- oder Bewährungsstrafen, die im Raum stehen. Für den bereits arg gebeutelten Automobilhersteller ein weiteres Desaster, denn die Aktionäre von VW haben sich längst an ihre Anwälte gewandt, um Schadensersatzforderungen gegen den Autobauer zu stellen. Immerhin haben sie bis heute etwa 100 Euro pro Aktie an Kursverlust zu verkraften, obwohl der Kurs sich seit Oktober 2015 wieder einigermaßen erholt hat. Bei einem aktuellen Kurs von etwa 154 Euro pro Anteilsschein ist der Weg nach oben zum Höchststand von 255,20 Euro aus März 2015 allerdings noch meilenweit. Nun könnte der neuerliche Gerichts-Skandal um VW zu weiteren Kurseinbrüchen führen, wenn die Aktionäre weiterhin Vertrauen verlieren.

Soviel steht erst einmal fest: Der VW-Vorstand um Herbert Diess soll momentan bleiben, auch Hans Dieter Pötsch, der wohl von Anfang an in der Kritik stand, soll ebenfalls im Konzern verbleiben. So wurde es von den Hauptaktionären aus den Reihen von Familie Porsche und Piech bestimmt. Dort glaubt man daran, dass sämtliche Vorwürfe haltlos sind und Pötsch rehabilitiert werde. Aber wie soll das gehen, war Pötsch doch all die Jahre als Vorsitzender des Kontrollgremiums in alle Aktivitäten der Abgasaffäre eingeweiht. Doch Pötsch eilt der Ruf voraus, dass er als Mittler im Konzern die Executive zusammenhält und die Konzernstruktur stabilisiert. Höchst zweifelhaft ist allerdings, dass ein so gewichtiges Unternehmen wie VW an Vorständen festhält, die im Kreuzfeuer der Justiz stehen und deren Ruf bis dato massiv beschädigt wurde. Die gesamte Reputation von Volkswagen steht bei dieser neuerlichen Blamage auf dem Spiel, und könnte erneut die Politik auf den Plan rufen, um ein „Waterloo“ in der deutschen Automobilindustrie zu verhindern

Das muss man sich einmal vorstellen: Hans Dieter Pötsch war jahrelang als Finanzvorstand Teil des Systems, in dem jeder genau wusste, was im Konzern gespielt wird, und ob manipuliert wird bei den Abgaswerten. Dann 2015 wurde Pötsch versetzt ins Kontrollgremium als Chefaufseher, um den Dieselbetrug aufzuarbeiten und auch dafür zu sorgen, dass so ein Skandal nicht wieder passiert und gleichzeitig die Wogen der öffentlichen Erregung flach zu halten. Damit steht die einstige und auch die aktuelle Aufgabe von H.D. Pötsch im krassen Widerspruch zur Aufklärung der Mißverhältnisse: Letztendlich müsste er sich heute für die Verfehlungen der Vergangenheit selbst anklagen. Die Öffentlichkeit jedenfalls kann mit so einer Unternehmensstrategie ganz und gar nichts anfangen, mehren sich doch immer mehr Stimmen, die fordern, dass sich Volkswagen endlich von den skandalträchtigen Führungskräften trennen solle. Besonders laut wird dabei die Fondsgesellschaft DWS, die mit ihrem VW-Engagement enorme Kursverluste eingefahren hat und selbst der Ex-Wirtschaftsminister von Niedersachsen, Jörg Bode (FDP) fordert vehement, dass Pötsch sein Amt ruhen lassen solle. Gerade Pötsch, der von Anfang seiner Berufung ins Kontrollgremium an unter internem Beschuss stand, und dem einzelne Vorstandsmitglieder dieses Amt nicht zutrauten. In dieser Vermutung haben sie offensichtlich Recht gehabt, denn der Anklage der Staatsanwaltschaft soll in Kürze stattgegeben werden. Und dann muss Pötsch tatsächlich Rede und Antwort stehen. Dem Unternehmen VW kann diese neuerliche Blamage sicherlich nicht zuträglich sein, sondern trägt ärgerlicherweise dazu bei, dass der Eindruck von Betrügereien und Manipulationen in der Automobilindustrie immer weitere Kreise zieht. Dass ein deutscher Vorzeige-Konzern es nötig hat, Gewinne durch Betrug zu maximieren und dabei auch das Wohl der eigenen Aktionäre aufs Spiel setzt, ist ein ganz bitteres Indiz dafür, dass Moral und Anstand zu Begriffen verkommen, die in der heutigen Zeit an Bedeutung verlieren. Hans Dieter Pötsch hat im Übrigen einen Vertrag bis 2021, dann wird er 70 Jahre alt und könnte sich zurückziehen und von der VW-Pension wie Gott in Frankreich leben – wäre dann nicht der große Makel, der ihm anhängt, solange das Verfahren wie ein Damoklesschwert über ihm schwebt. VW jedenfalls ist an jeder Art der Prozessverzögerung dringend interessiert und so rechnet niemand damit, dass in nächster Zeit das Verfahren gegen Pötsch, Diess und Winterkorn eröffnet wird. Denn auch Herbert Diess, der sich seinerzeit mit Ellbogenmentalität auf den Chefsessel beim Autobauer gehievt hat, wäre als Konzernchef untragbar, müsste er regelmäßig ihn betreffende Gerichtstermine wahrnehmen und gleichzeitig Führungsaufgaben verrichten. Man fragt sich, welche neuen Skandal-Nachrichten als nächstes über VW in der Presse zu finden sind. Ruhe kehrt beim skandalgeschüttelten Autobauer sicher noch lange nicht ein.

Ein Kommentar auch kommentieren

  1. Dr. J. Bärtels sagt:

    Deutschland macht das, was sicherlich alle Großkonzerne machen: Wenns ums große Geld und Ruhm und Anerkennung geht, dann geht man „über Leichen“ und ignoriert die Grundsätze von Fairness und Anstand und Kaufmanns-Ehre.

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