Die Angst vor der Armut im Alter

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Eine neue Studie zeigt, dass sich die Deutschen um ihre finanzielle Sicherheit im Alter sorgen. Viele glauben, dass die gesetzliche Rente nur für eine Grundversorgung ausreicht. Für eine private Vorsorge fehlt ihnen das Geld oder der Überblick über die vielen komplexen Angebote. Ist die Grundrente das richtige Mittel zum Zweck im Kampf gegen die Altersarmut? 

Jeder Zweite hat Angst vor der Altersarmut und nach eigener Einschätzung haben genauso viele zu wenige finanzielle Mittel für eine private Vorsorge. Das zeigt eine Umfrage der Deutsche Bank, die mit Unterstützung des Meinungsforschungsinstituts Ipsos durchgeführt wurde.  Demnach sind große Teile der Bevölkerung der Überzeugung, dass die gesetzliche Rente im Ruhestand nicht ausreichen wird. Thomas Hörter, Leiter der Marktforschung Deutsche Bank sieht darin „ein ziemlich erschüttertes Vertrauen in die gesetzliche Rente.“  Die Hälfte aller Befragten gehen sogar von einem Kollaps des Rentensystems innerhalb der nächsten zehn Jahre aus.

Auch die kürzlich von der GroKo beschlossene Grundrente, die ab 2021 für weniger Altersarmut sorgen soll, wird von den Befragten angezweifelt. Nur jeder Fünfte sieht in der Grundrente eine Lösung für das Problem. Sie könnten recht haben, denn um Anspruch auf Grundrente zu bekommen, müssten die Senioren mindestens 35 Jahre lang Rentenbeiträge gezahlt haben. Viele, die armutsgefährdet sind, erfüllen diese Voraussetzungen nicht und wären somit von dieser Art der Existenzsicherung ausgeschlossen.

Verdeckte Altersarmut

Dass auch jetzt schon viele ihren Anspruch auf die Grundsicherung nicht wahrnehmen, zeigt eine Untersuchung des Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin: Über die Hälfte derjenigen, die Anspruch auf Grundsicherung im Alter hätten, fordern diese staatliche Leistung nicht ein. Dabei hätte mehr als jeder Zweite Aussicht auf eine Unterstützung von 200 bis 600 Euro im Monat und jedem Fünften würde sogar mehr als 600 Euro zustehen.
Diese verdeckte Altersarmut lässt sich laut DIW nur schwer feststellen. Daher haben die Autoren der Studie Daten des Sozioökonomischen Panels (SOEP) ausgewertet und geschätzt wie vielen Haushalten eine Grundsicherung zustünde. In Verbindung mit den Angaben über tatsächliche Leistungsbezüge, konnte die Gruppe identifiziert werden, die ihren Anspruch nicht geltend macht.

Als Gründe vermuten die Autoren der Studie, dass Vielen das Verfahren wahrscheinlich zu aufwendig sei, sie gar nicht wüssten, dass ein Anspruch besteht oder die Angst bestünde, als Almosenempfänger zu gelten.

Grundrente als Ausweg?

Die durchschnittliche Grundsicherung im Alter liegt laut Statistischem Bundesamt bei 808 Euro monatlich. Wer sie bezieht, muss auf Einkünfte verzichten, weil Rente und Grundsicherung miteinander verrechnet werden. Bezieht man sich auf die Studie des DIW und die durchschnittliche Grundsicherung, hat jeder Fünfte im Schnitt Alterseinkünfte von weniger als 300 Euro. So geringe Ansprüche lassen darauf schließen, dass diese Senioren nicht 35 Jahre lang in die Rentenkasse eingezahlt haben. Sie hätten somit auch keinen Anspruch auf die Grundrente und wären dann so oder so von Altersarmut betroffen. Berechnungen zeigen, dass auch den Niedrigverdienern, auf die die Grundrente eigentlich abzielt, mit dieser neuen Förderungsmaßnahme nicht geholfen wäre. Denn die von Armut bedrohten Leistungsempfänger wären trotz Grundrente immer noch unterhalb des Grundsicherungsniveaus, weil sie Kranken- und Pflegeversicherung selbst zahlen müssten.
Die große Angst, die sich in der Umfrage gezeigt hat, hat also definitiv ihre Berechtigung.

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