Das Coronavirus verunsichert die chinesische Wirtschaft

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Infolge zunehmender Besorgnis vor einer weiteren Ausbreitung des neuen Coronavirus wächst auch die Verunsicherung hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung. China spricht inzwischen von knapp 3000 Infizierten und 80 Toten.

Die Nachrichten über die neue Lungenkrankheit zeigen bereits erste Auswirkungen auf die Investoren. „Alles, was die Anleger sehen, sind Schlagzeilen über das Coronavirus, was Investoren veranlasst, zu verkaufen“, sagte Takeo Kamai von CLSA in Tokio.

Und die Schlagzeilen häufen sich. China hat inzwischen drastische Maßnahmen getroffen und Millionen Menschen von der Außenwelt abgeschnitten, um eine Verbreitung des Erregers zu verhindern. Als erste wurde die Metropole Wuhan unter Quarantäne gestellt. Bahnhöfe und der Flughafen sind geschlossen. Die Menschen dürfen die Stadt nicht mehr verlassen. Auch innerhalb der Stadt können sich die elf Millionen Einwohner nicht mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegen. U-Bahnen und Busse fahren nicht mehr. Nach Wuhan folgten Blockaden in mindestens zehn weiteren Städten und so sind inzwischen 37 Millionen Menschen von den Quarantänemaßnahmen betroffen.

Aktien stürzen ab

An den Börsen stürzten die Aktien bereits ab. So lag der 225 Werte umfassende Nikkei-Index im Verlauf 1,8 Prozent tiefer bei 23.408 Punkten. Auch der breiter gefasste Topix-Index sank um 1,3 Prozent auf 1708 Punkte.
In Shanghai lag die Börse 2,8 Prozent im Minus. Der Index der wichtigstens Unternehmen in Shanghai und Shenzen verlor sogar 3,1 Prozent. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans fiel um 0,2 Prozent.

Die Erfahrung mit Sars

Die chinesische Wirtschaft muss sich jetzt auf Einbußen einstellen. Das liegt daran, wie sich die Ausbreitung entwickelt. Nimmt das Coronavirus ähnliche Ausmaße an wie Sars im Jahre 2003, könnte dies zu enormen Rückgängen führen. „Die potenziellen wirtschaftlichen und finanziellen Kosten könnten beträchtlich sein, wie es auch bei Sars der Fall war“, sagt der Präsident der Europäischen Handelskammer in Peking, Jörg Wuttke. Vor 17 Jahren löste die Lungenkrankheit Sars einen regelrechten Stillstand der Konjunktur aus. Die Pandemie forderte 800 Todesopfer. Infolgedessen ging der Konsum so weit zurück, dass dieser quasi einbrach und das obwohl nur ein geringer Prozentsatz der Bevölkerung infiziert war. Gerade die Tourismusbranche und die Fluggesellschaften verbuchten damals ein dickes Minus, denn die Reisenden blieben lieber zu Hause und die Hotels standen leer. Experten vermuteten die Kosten dieser Sars-Pandemie auf circa 40 Milliarden US-Dollar.

Ausbreitung führt zum Abwärtstrend

Eine Studie der US-Investmentbank JPMorgan kam zu dem Ergebnis, dass das Coronavirus zu einem deutlichen Abwärtstrend führen könnte, wenn es sich weiter ausbreitet. Es sei allerdings noch zu früh, um deutliche Auswirkungen zu erkennen. Die Experten weisen jedoch auf die Parallelen zum Sars-Virus hin, die im bisherigen Krankheitsverlauf erkennbar sind. Wenn dies der Fall werde, so könnte dies verschiedene Bereiche der chinesischen Wirtschaft belasten, so die JP Morgan-Experten weiter. Zuallererst wäre dann der Tourismus betroffen. Die Transportbranche sei in dem Fall jedoch auch belastet.

Wuhan spielt eine wichtige Rolle in Chinas Wirtschaft. Die Metropole gilt als größter Logistikstandort und wichtiges Frachtverteilungszentrum im Landesinneren. Wuhan ist trotz weiter Entfernung zum Meer sogar für Hochseeschiffe erreichbar und ist somit ein wichtiger Knotenpunkt. Dieser fällt nun erstmal aus.

Deutsche Unternehmen berichten noch nicht von spürbaren Auswirkungen. Allerdings verbot der Autozulieferer Schaeffler seinen 89.000 Mitarbeitern Dienstreisen von und nach China. Zunächst soll dieses Verbot bis zum 15. Februar gelten. Schaeffler betreibt acht Werke in China und hat in Wuhan einen Logistikstandort. Ob sich die ebenfalls in der Metropole vertretenen deutschen Firmen wie Siemens, der Autozulieferer Webasto und Brose oder Thyssenkrupp für ein Dienstreiseverbot aussprechen, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. Alles hängt von der weiteren Ausbreitung des Coronavirus ab.

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