Flughafen Berlin Tegel (TXL): Mitte Juni kann es vorbei sein

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Nicht nur die Berliner sind entsetzt, auch andere Reisende aus allen Teilen der Welt hoffen, dass Tegel in Betrieb bleibt. Sie alle haben Berlins legendären „Ausweich-Flughafen“ Tegel kennen- und lieben gelernt, weil er so verkehrsgünstig und nah an der Innenstadt liegt und mit seiner übersichtlichen Größe eher beschaulich wirkt und gar nicht so recht zu einer Millionen-Metropole wie Berlin passt. Aber immer mehr Reisende kamen Jahr für Jahr mittlerweile in Tegel an, weil Berlins Vorzeige-Airport BER nicht ans Flugnetz geht – und das seit 5 Jahren nicht! Nun will der Flughafen-Betreiber plötzlich Tegel dicht machen, weil in Zeiten von Corona die Fluggastzahlen deutlich zurückgegangen sind und der Airport etwa 7 Mio. Euro Miese im Monat einfährt. Aber Corona ist sichtlich am Abklingen und die Zahl der Flüge und das Passagieraufkommen steigen wieder an, so dass Tegel eigentlich in Kürze wieder gebraucht wird. Doch nach langer Verhandlungszeit und gegen ein Volksbegehren zehntausender Berliner Bürger wurde in dieser Woche endgültig von Bund, Land und dem Bundestag bestimmt, dass Tegel am 15. Juni 2020 schließen darf.

Es droht ein Passagier-Chaos, wenn die Sommerferien kommen (Ende Juni) und die Karawane der Reisenden nach Schönefeld umziehen bzw. weiterziehen muss, um von dort die Flüge in alle Welt anzutreten. Reiselockerungen in ganz Europa sind für Juni angekündigt, vereinbart von Europas Tourismus-Ministern und auch die Reisewarnung der Bundesregierung soll aufgehoben werden, damit wieder freie Reisezeit herrscht. Dann reisen nicht nur Touristen von Berlin ab, sondern es kommen auch wieder Hunderttausende Geschäfts- und Privatreisende in Berlin an. Die Platzhirsche unter den Fluggesellschaften wie Easyjet und Ryanair wollen in Kürze ihren Flugbetrieb wieder aufnehmen – dann brennt die Luft rund um Berlin, weil ein Chaos ausbrechen würde, um alle Reisenden in Schönefeld abzufertigen. Die Kapazitäten sind zu gering dort, die Infrastruktur zu schlecht und die Anfahrtswege sind zu lang. Es heißt, der alte Flughafen Schönefeld könne wegen der zu erwartenden Corona-Abstandsregeln nur 700 Passagiere in der Stunde abfertigen, also insgesamt 2 Mio. statt 11 Millionen Personen pro Jahr.

Am Mittwochabend erkannte plötzlich auch der verantwortliche Flughafenchef von Tegel, Lütke-Daldrup, dass man mit dieser Entscheidung für eine Tegel-Schließung nicht klarkommen wird und so ruderte er kleinlaut zurück: „Wir werden uns Ende Mai, Anfang Juni sehr genau anschauen, wie sich der Flugverkehr entwickelt.“ Bedeutet, möglicherweise bleibt Tegel dann doch länger offen bis nach dem Ansturm der Ferienreisenden im Sommer. Keiner in Berlin und Umgebung kann sich so richtig vorstellen, dass nach 46 Jahren in Tegel Schluss sein könnte. Auch bei den Mitarbeitern und den Taxi-Fahrern ist neben den Reisenden die Enttäuschung groß. Besonders die Taxi-Unternehmen werden bei der Schließung dicke Probleme bekommen, weil sie keine Fluggäste in Schönefeld/Brandenburg aufnehmen dürfen – nur dort hinfahren. Danach müssen sie leer zurück in die Hauptstadt, weil es eine Absprache zwischen Brandenburg und der Bundesregierung gibt, dass diese ein Transportvorrecht in der Region haben. In der „Abendschau“ jedenfalls ließ Lütke-Daldrup durchsickern, dass Tegel wohl nur geschlossen wird, wenn nicht genügend Verkehr dort herrscht. Aber das glaubt niemand in Berlin, denn Tegel gehört zum Reisen für die meisten einfach dazu.

Eine Hauptstadt wie Berlin, eine Millionen-Metropole, die oft 2 Mio. Reisende im Monat empfängt mit nur einem funktionierenden Flughafen? Eigentlich undenkbar. Paris, London oder New York, sie alle haben 4, 5 oder 6 Flughäfen – so, wie es sich für Metropolen gehört. Nur Berlin sticht als Loser-City negativ hervor. London empfängt seine Touristen auf 5 verschiedenen städtischen Airports, auch Paris hat 4 große, namhafte Flughäfen. Das ist eigentlich normal und zeitgemäß. Warum geht das in Berlin nicht, und warum schließt man dann einen Landeplatz wie Tegel? Das Ganze nimmt Züge einer Schmierenkomödie an, ähnlich einem Schildbürger-Streich. Der Regierungssitz und das repräsentative Touristen-Magnet als Provinzflughafen irgendwo im grauen Osten an der Peripherie zwischen Gut und Böse, im Niemandsland eines ländlichen Brandenburgs. Da muss schnellstens ein Umdenken einsetzen, damit die hochtrabenden Ambitionen von Berlins Bürgermeister Müller nicht irgendwo im „Land der unrealisierten Träume“ enden.

 

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