Arbeitslosigkeit und Arbeitsunzufriedenheit trifft vor allem Frauen

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Die Arbeitslosigkeit in der Europäischen Union soll Corona-bedingt laut einer Prognose der EU-Kommission voraussichtlich auf 9,6% bis Ende des Jahres ansteigen. Das sind 3% mehr als im Vorjahr 2019. Laut dem Wissenschaftszentrum für Sozialforschung in Berlin trifft die steigende Arbeitslosigkeit vor allem Frauen härter.

Laut einem Bericht der Bundesagentur für Arbeit ist allein im Monat April die Arbeitslosigkeit in Deutschland um 308.000 auf 2.64 Millionen Arbeitslose angestiegen. Auch die Zahl der Unterbeschäftigten hat sich stark erhöht, was vor allem auf die Kontaktbeschränkungen zurückzuführen ist. Bis Ende April gab es in Deutschland 10 Millionen gemeldete Kurzarbeiter, eine Summe, die jegliche Zahlen von den letzten Jahrzehnten übersteigt. Auch die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften ist aufgrund des Coronavirus stark eingebrochen.

Das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung führte Ende April eine Online-Umfrage durch, um herauszufinden wie sich die Pandemie auf den Berufsalltag und die Zufriedenheit von Familien auswirkt. Die Studie fand heraus, dass vor allem Eltern eher in Kurzarbeit treten mussten, um ihre Kinder zu betreuen. Dabei sind Mütter wesentlich stärker betroffen als Väter, da sie im Durchschnitt seltener im selben Stundenumfang arbeiten wie vorher. Auch die Sorge um den Verlust des Arbeitsplatzes liegt bei Frauen und Müttern deutlich höher als bei Männern und Vätern. Laut der Studie weisen vor allem Mütter weniger Arbeitszufriedenheit auf als vor der Corona-Pandemie. Das Wissenschaftszentrum erklärt diesen Verlust an Zufriedenheit damit, dass sich die Mütter hauptsächlich um die Kinderbetreuung kümmern und ihre Arbeitszeiten dementsprechend anpassen oder beides parallel machen müssen.

Frauen arbeiten zurzeit also weniger als sonst und kriegen somit auch weniger Gehalt. Sie sind unzufriedener mit ihrer Berufssituation und müssen sich häufiger um die Kinder kümmern als Väter. Doch trotzdem werden laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung rund 60% der systemrelevanten Berufe von Frauen ausgeübt. Ob Pflege, Einzelhandel, Reinigungskräfte oder im Erziehungsbereich, es handelt sich vor allem um Berufe, die niedrig bezahlt werden und gesellschaftlich wenig anerkannt sind.

Doch nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt leiden Frauen unter diesen gesellschaftlichen Strukturen. Die WHO hat in einer Studie von 104 Ländern herausgefunden, dass sogar 70% Frauen im sozialen und Gesundheitssektor arbeiten. Diese Frauen verdienen im Schnitt 28% weniger Lohn als Männer, die im selben Bereich arbeiten. Männer haben nämlich im Gesundheitssektor eher Positionen inne, die besser bezahlt werden, so die WHO. Sie sind Ärzte, Zahnärzte oder Apotheker, wohingegen Frauen eher in der Pflege oder Geburtshilfe arbeiten. Die große Kluft zwischen den Gehältern wird auch mit den verschiedenen Arbeitszeiten erklärt. Frauen arbeiten in jeglichen Berufen im Gesundheitsbereich weniger als Männer und haben deutlich öfter Teilzeitstellen. Bereinigt man die 28% und zieht die unterschiedlichen Arbeitszeiten und Berufspositionen ab, liegt die Gender Pay Gap (beschreibt in der Sozialökonomie und Soziologie den Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Brutto-Stundenlohn) immer noch bei 11,2%. Das liegt vor allem an der Unterrepräsentation von Frauen in hohen Positionen in Firmen und an weniger Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb der Berufe.

Frauen und Mütter trifft die Corona-Krise also härter. Sie müssen eher ihren Job aufgeben und sind oftmals unzufrieden mit ihrer Arbeitsaufteilung und der Kinderbetreuung. Weltweit arbeitet aber ein Großteil in systemrelevanten Berufen, die dafür sorgen, dass momentan alles glatt läuft. Dennoch sind sie unterbezahlt und stark überlastet. Die Frage bleibt vorerst offen, ob die Corona-Krise eine Chance für mehr Anerkennung der sogenannten systemrelevanten Berufe darstellt, oder, ob Frauen weiterhin in traditionelle Rollenbilder zurückgedrängt werden und die größeren Verlierer der Pandemie sind.

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