Immobilien in der Corona-Krise

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Konsumrückgang, Rezession und Liquiditätsengpässe prägen seit März dieses Jahres die Gesellschaft. Die Auswirkungen auf die Finanz- und Wirtschaftswelt sind deutlich präsent. Auch die Immobilienwirtschaft blieb nicht von den Folgen der Pandemie verschont.

Die Läden bleiben größtenteils geschlossen, es mangelt an Aufträgen in der Bauwirtschaft  und wenn es welche gibt, fehlen auf den Baustellen die Mitarbeiter, da sie in Kurzarbeit geschickt wurden. Aber auch Immobilienbesitzer geraten durch Liquiditätsengpässe in Schwierigkeiten. Wie soll schließlich eine Immobilie finanziert werden, wenn nur 60 Prozent des Gehalts dafür zur Verfügung steht?

Die Zahlen bestätigen das zögerliche Verhalten sowohl seitens der Käufer als auch der Verkäufer. Es gibt weniger Neuangebote und die Nachfrage nach Wohnungen und Häusern sind rückläufig. Nach einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Civey für die Zeitung Capital würden fast zwei Drittel der Deutschen in der Corona-Krise nicht in eine Immobilie investieren. 40 Prozent davon gaben sogar an „auf keinen Fall“ in eine Immobilie investieren zu wollen. Die Bereitwilligkeit seitens der Anbieter eine Immobilie auf den Markt zu bringen ist seit März gesunken. Zwei Drittel der Befragten hielten einen Verkauf Anfang April für eine unmögliche Idee, wobei 40 Prozent den Verkauf gänzlich ausschlossen.

Versagt der Immobilienmarkt, folgt gewöhnlich eine Rezession. Aktuell ist bekannt, dass die Rezession durch das Coronavirus verursacht wurde. Aber im Umkehrfall führt die Rezession über kurz oder lang zu einem Abschwung in der Immobilienwirtschaft. Hinzu kommt auch, dass sich eine Konjunkturkrise erst verzögert auf dem Immobilienmarkt niederschlägt. Das heißt, der eigentliche Einbruch der Immobilienwirtschaft könnte erst noch bevorstehen.

Fakt ist, dass der Markt auch in dieser Branche durch eine verminderte Konsumbereitschaft zum Erliegen kommt. Das Einkommen sinkt und die Arbeitslosigkeit steigt. Die Käufer können hohe Kredite nicht mehr finanzieren, Häuser verkaufen sich schlechter und Besitzer müssen sich zwangsweise von ihrem Eigenheim trennen. Das wirkt sich auf lange Sicht auf die Immobilienpreise aus. Allerdings liegt die Vermutung und Hoffnung nahe, dass mit der Lockerung der Kontaktbeschränkungen und dem Wiederaufleben des gesellschaftlichen Lebens auch das Konsumverhalten der Verbraucher zur Normalität zurückkehrt. So ist laut der Umfrage der Anteil der Immobiliengegner in der Pandemie im Juni um 15 Prozent gesunken. Seitens der Verkäufer kann das ein Umdenken anleiten, besser zu handeln, bevor die Immobilienpreise sinken.

Bisher hat sich der Immobilienmarkt gut gegen die Corona-Krise und die wirtschaftlichen Auswirkungen wehren können. Die Preise blieben stabil. Auch wenn sich der Preisauftrieb verlangsamte, so konnte kein Preisrückgang vermerkt werden. Das heißt aber nicht, dass die Verbraucher parallel mit der Lockerung der Kontaktbeschränkungen auch ihr Kaufverhalten wieder lockern. Auch wenn der Anteil an Immobiliengegnern rückläufig ist, so steht dem Immobilienangebot trotz allem allgemein eine geringere Kaufneigung gegenüber. Laut der Civey-Umfrage geben immer noch über 50 Prozent der Befragten an, den Einstieg in die Immobilienbranche auch nach der Lockerung der Maßnahmen weiter abzulehnen. Zu groß ist die Angst vor Verschuldung trotz niedriger Zinsen. Die Käufer sind verunsichert und so spiegelt sich ihre Unsicherheit in ihrer Kaufbereitschaft wider.

Aber nicht umsonst wird im Volksmund vom „Betongold“ gesprochen. Der wackelnde Markt kann für andere wiederum als Anlass genutzt werden, um in eine robuste und vor allem krisenfeste Altersvorsorge zu investieren. Doch dazu muss es erst einmal kommen. Bislang überwiegt weiterhin die Unsicherheit, ob der Kauf oder Verkauf einer Immobilie gerade jetzt sinnvoll ist oder nicht.

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