Die Maske hemmt den Konsum

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Das Prozedere des Masken-Tragens: Langes Anstehen bei den Umkleidekabinen und an den Kassen. Die Kontaktbeschränkungen verhindern den Kontakt, aber stellen für viele Verbraucher einen Grund dar, die Shoppingtour überhaupt nicht erst anzutreten. Sie hemmt den Konsum. Die Politik diskutiert deshalb die Abschaffung der Maskenpflicht im Handel.

Mit der Coronapandemie und den Kontaktbeschränkungen traten auch neue Auflagen für den Einzelhandel in Kraft. Ein Mindestabstand von 1,5 Metern und eine Maskenpflicht prägen den Alltag. Für den Einzelhandel bedeutet das, weniger Umkleidekabinen und weniger Kassen, die Kunden bedienen können. Wer in nächster Zeit einen Ausflug ins Einkaufszentrum plant, muss also Geduld und Sitzfleisch mitbringen, wie man mittlerweile weiß. Für viele ein Grund das Geschäft gar nicht erst aufzusuchen. Die Maske stellt ein Konsumhindernis dar. Vor dem Hintergrund der Rezession während der letzten Monate ist dies kritisch zu betrachten, denn besonders momentan ist es wichtig, den Konsum und die Wirtschaft wieder anzukurbeln.

Jedoch ist aus Sicht von Experten keine Besserung in Aussicht, solange die Maskenpflicht in Deutschland gilt. Damit fehlt es dem Einzelhandel an zwei entscheidenden Möglichkeiten: Der Beratung und dem Einkaufserlebnis. „Die Maske hat einen psychologischen Effekt und macht Einkaufen zu einem Negativerlebnis“, erklärte Kai Hudetz, der Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung (IfH) aus Köln, in einem Gespräch mit der „Welt“. Mit einer Maske im Gesicht assoziieren die Menschen Krankenhaus und Krankheit und weniger ein erfolgreiches Kauferlebnis. „Solange es die Maske gibt, werden daher kaum klassische Einkaufsbummel wie früher stattfinden“, betonte Hudetz. Damit einher gehen Umsatzeinbußen, die die wirtschaftliche Lage des Einzelhandels weiter strapazieren.

Auch die derzeitige Senkung des Mehrwertsteuersatzes von 19 Prozent auf 16 Prozent im Rahmen des Konjunkturpakets 2020/21 kann nur dann einen wirtschaftlichen Aufschwung begünstigen, wenn die Menschen ihr Konsumverhalten verändern. Dem steht laut Hudetz die Maske im Weg: „Ohne Atmosphäre funktioniert es nicht. Die Maske aber zerstört diese Atmosphäre und verstärkt damit die Kaufzurückhaltung, die durch die drohende Rezession infolge der Corona-Krise ohnehin schon vorhanden ist.“ Hinzu kam außerdem, dass sich zwar einige Einzelhandelsbranchen nach Ende des Lockdowns teilweise wieder erholten, der Textil-, Schuh- und Lederwarenhandel hingegen steckt weiterhin in einer tiefen Krise. Laut dem Statistischen Bundesamt fiel der Umsatz des Einzelhandels mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren um 21,5 Prozent. Aus diesem Grund geben einige Geschäfte die Senkung der Mehrwertsteuer derzeit nicht an die Kunden weiter. Sie brauchen die Umsätze, um ihre Existenz zu sichern.

Die Debatte um die Maskenpflicht im Handel hat nun auch die Politik erreicht. Der Wirtschaftsminister Mecklenburg-Vorpommerns, Harry Glawe (CDU), forderte die Abschaffung der Maskenpflicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lehnte jedoch eine Lockerung ab. Auf die Forderung nach einer Abschaffung hieß es: „Überall dort, wo im öffentlichen Leben der Mindestabstand nicht gewährleistet sein kann, sind Masken ein wichtiges und aus heutiger Sicht auch weiter unverzichtbares Mittel“, so Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin.

Seitens der Politik gibt es gespaltene Meinungen bezüglich der Lockerung. „Für den Einzelhandel ist es gut, wenn die Maskenpflicht, sobald dies gesundheitspolitisch möglich und vernünftig ist, abgeschafft wird“, teilte Stefan Genth, der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschlands (HDE), der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ mit. Die Entscheidung müsse aber von Politik und Medizin getroffen werden. „Die Maske ist natürlich ein Lustkiller, sie ist lästig und behindert beim Modeeinkauf. Um Ware anzuprobieren, ist sie nicht ideal“, sagte BTE-Sprecher Axel Augustin der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und fügte hinzu: „Doch es hilft auch nicht, wenn man die Maskenpflicht abschafft und dann die Kunden verliert, die vorsichtig sind.“ Ein zweischneidiges Schwert also, das Fürsprecher und Gegner der Maskenpflicht weiterhin auf eine harte Probe stellen wird.

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