Corona-Tests an Flughafen werden kostenlos und zur Pflicht

Flughäfen in ganz Deutschland führen Corona-Tests ein. Diese sind freiwillig und kostenlos. Der Weg scheint vielversprechend gegen die Bekämpfung der Pandemie zu sein. Doch Italien schlägt einen anderen Weg ein:

Corona-Tests sollen demnächst an allen deutschen Flughäfen für Rückkehrer aus Risikogebieten kostenlos möglich werden. So werden in vielen deutschen Flughäfen Abstriche für Rückkehrer eingeführt. Die Tests werden von den gesetzlichen Krankenversicherungen bezahlt. Er wird durch einen erhöhten Zuschuss zur Krankenversicherung übernommen, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums am Mittwoch in Berlin. Die entsprechende Verordnung tritt in dieser Woche in Kraft.

Zuvor gab es am Flughafen Frankfurt die Möglichkeit für Touristen für den Test privat zu zahlen: 59 Euro für ein Ergebnis in 6 bis 8 Stunden beziehungsweise 139 Euro für ein Ergebnis in 3 Stunden.

Für Einreisende aus Gebieten wie Spanien – wo zwar die Fallzahlen mit Neuinfektionen derzeit steigen, das aber nicht zu den Risikozonen gehört – sind die Tests freiwillig. Doch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat für Rückkehrer aus Ländern mit hohen Fallzahlen eine Testpflicht angeordnet, welche ab nächster Woche in Kraft treten soll. Grundlage der Testpflicht ist das Infektionsschutzgesetz. Zurzeit stehen weltweit rund 130 Staaten auf der RKI-Liste – dazu gehören etwa Ägypten, Israel, die Türkei, Südafrika, die USA, aber auch Luxemburg. Die meisten europäischen Staaten zählen nicht zu den Risikogebieten. Es werde jeden Tag aufs Neue geprüft, „welche Gebiete wir zu Risikogebieten erklären“, sagte Spahn.

Noch am Flughafen, direkt aus dem Flugzeug kommend, werden die Touristen auf das Coronavirus getestet. Dies gilt auch für Schiffsreisende, die anlanden und somit in den Häfen kontrolliert werden. Es wird erwartet, dass sich die Zahl der Getesteten im kleinen Rahmen bewegen, da bislang für Rückkehrer aus Risikogebieten ein 14-tätige Quarantäne galt. Gesundheitsminister Jens Spahn schließt derzeit eine Ausweitung auf Nicht-Risikoländer aus.

In Deutschland werden für die Corona-Tests PCR-Tests verwendet. Dabei nimmt geschultes Personal den Abstrich aus Rachen und Nase. Doch schaffen diese Tests damit Sicherheit, dass sich das Virus nicht ausbreiten kann? Fakt ist: der Abstrich liefert nur eine Momentaufnahme und kann eventuell bei einem frisch Infizierten noch nicht nachweisbar sein. Oder der Test kann auch ein falsch-negatives Resultat aufweisen durch das fehlerhafte Durchführen des Abstrichs. Falls sich ein Passagier weigern sollte, den Abstrich bei sich durchführen zu lassen, könnte auch die Polizei den Corona-Tests mit Gewalt durchsetzen. Doch die Polizei geht von der breiten Bereitschaft der Reisenden aus, sich zwanglos testen zu lassen.

Wie verhält es sich mit dem Temperatur messen für Rückkehrer?

Kritiker halten das Fiebermessen für ineffektiv, da eine Infektion nicht unbedingt mit Fieber einhergehen muss. Zudem sehen Datenschützer diese Methode der Pandemiebekämpfung als kritisch an.

Der Apple Store in Frankfurt hat die Datenschützer auf den Plan gerufen: Vor dem Einlass gab es einen Sicherheitsmitarbeiter, welcher bei den Kunden Fieber gemessen hat. Diese sog. erweiterte Einlass-Voraussetzung muss darauf geprüft werden, ob sie deutsche Datenschutzregeln verletzt. So wird die Frage zu klären sein: Ist das Messen der Körpertemperatur datenschutzrelevant?

Tatsache ist: Die deutschen Flughäfen diskutieren wegen der Coronakrise über die Einführung flächendeckender Fiebertests für alle abfliegenden und ankommenden Passagiere. Von Insidern aus der Luftfahrtbranche hieß es, die großen Airports wie Frankfurt oder München schon entsprechende Konzepte schon erstellt hätten.

Fieber stellt ein unspezifisches Symptom dar, erweist sich jedoch im Hinblick auf Infektionen wie u.a. dem Corona-Virus, als sehr nützliches Screening-Instrument. Jede Infektion, die hierdurch frühzeitig erkannt wird rettet potentiell Leben. Aufgrund dessen spielt die Fiebermessung eine bedeutende Rolle bei der Erkennung von potentiell Infizierten, da Fieber die mit Abstand häufigste Erstdiagnose darstellt lt. WHO Report 2/2020: 87,9% bei COVID-19) die Körpertemperatur aufgrund der steigenden Immunabwehr bereits vor Einsetzen von üblichen Symptomen ansteigt eine Erkennung zumeist schon bei geringer Virenlast erfolgen kann.

In Italien hingegen setzt die Regierung auf Fiebermessen als Mittel gegen Pandemiebekämpfung: Nachdem seit dem 18. Mai im Norden Italiens wie in der Lombardei das Temperaturmessen obligatorisch ist, gibt es in dem Land kaum datenschutzrechtliche Bedenken. Zudem ist dort die Bevölkerung sehr vorsichtig nachdem die Auswirkungen des Coronavirus COVID-19 weitaus größer als in Deutschland waren. Diese sogenannten „Thermoscanner“, wie sie dort genannt werden, werden mittlerweile in Restaurants, Behörden, Schulen und Flughäfen eingesetzt.

So misst das Sicherheitspersonal dazu am Eingang eines Ladens und misst mithilfe eines Infrarotthermometers die Körpertemperatur. Auch in den Vatikanischen Museen wird nach dessen Wiedereröffnung die Temperatur gemessen, um eine Verbreitung des Corona-Virus zu unterbinden.

Die Temperaturmessgeräte werden immer mehr Alltag im Leben in Italien: Einen Meter Abstand halten, auf den Bildschirm schauen, Stirn freimachen. Infrarotgesteuert wird in Sekunden die Temperatur gemessen und angezeigt. Wer über 37,5 Grad Celsius Körpertemperatur hat, darf nicht ins Werk oder in den Laden.

Bisher wird nicht über die Einführung von PCR-Tests in Flughäfen nachgedacht, sondern über sogenannte Schnelltests: Diese liefern die Ergebnisse schon in 15 bis 20 Minuten, auch wenn die Zuverlässigkeit des Ergebnisses etwas geringer ist. Bei Abstrich-Test beträgt die Wartezeit bis zum Ergebnis ca. 4 Stunden.

Francesco Vaia, Direktor des Forschungsinstituts für Infektionskrankheiten Spallanzani in Rom, betont, dass flächendeckende Abstriche die einzige Lösung sind, um die Ansteckung unter Kontrolle zu halten. An seinem Institut werden an zwei Sorten Abstrichen gearbeitet: einem immunochromatographischen Ansatz und der Elektrofluoreszenzmethode. Dabei gilt letzterer der beiden Abstriche als zuverlässiger und basiert auf der Immunfluoreszenz-Technologie. Damit wäre sichergestellt, dass diese Schnelltests nicht nur Zeit, sondern auch Geld  sparen und in Bahnhöfen und Flughäfen zum Einsatz kommen können.

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