Spionageverdacht bei der Videoplattform TikTok

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Der US-Konzern Microsoft wollte die chinesische Videoplattform kaufen, doch nun kommt ein Verbot der App zur Sprache. US-Präsident Donald Trump kündigte einen Verbotsbeschluss von TikTok den 2. August 2020 an.

Jeder deutsche Jugendliche kennt diese App: in kurzen Videoclips singen, tanzen und blödeln die Teens. Doch die Videos werden immer unterhaltsamer und besser produziert. So sind Stunts oder Actionszenen zu sehen. Doch US-Präsident Donald Trump (74) will die weltweit beliebte Videoplattform nun in den USA verbieten. Auch die Kaufverhandlungen mit dem US-Konzern Microsoft liegen derzeit auf Eis. Es war von einem Verkaufswert von etwa 50 Milliarden US-Dollar die Rede.

Wer ist der Gründer von TikTok? Über Zhang Yiming (36) ist wenig bekannt, denn er hält nicht viel von Auftritten in der Öffentlichkeit. Er konzentriert sich auf die Arbeit mit dem Credo: „Wer geduldig ist, wird Ergebnisse sehen“. Mit diversen Apps (u.a. TikTok) hat Zhang in 8 Jahren einen Umsatz 18 Milliarden Dollar Jahresumsatz (2019) erwirtschaftet.

Über 2 Milliarden Mal wurde die App seit dem Beginn im Jahr 2017 heruntergeladen. Sie entstand aus der Zusammenlegung einer Sing-App namens Musical.ly. Mittels Lippensynchronisierungsfunktion konnten Nutzer Songs mitträllern. Mithilfe künstlicher Intelligenz werden dem Nutzer schnelle, kurze Videos geboten. Somit gelingt es ihm, seine Nutzer so zu stimulieren, dass sie einen gewissen Suchtfaktor entwickeln.

So wurde sie allein in den Monaten Dezember 2019 bis Februar 2020 über 300 Millionen Mal zum Download bereitgestellt. Die chinesische Konzernmutter Bytedance hat einen geschätzten Wert von ca. 100 Milliarden Dollar. Damit gilt sie als das am stärksten wachsenden Datenverwertungs-Konzern der Welt und damit als erfolgreichstes chinesisches Unternehmen in der westlichen Welt. So viele Teenager hat vorher noch kein chinesisches Unternehmen begeistert. Zwar gehören Internetkonzerne wie Alibaba, Tencent oder Baidu zu den wertvollsten Konzernen der Welt.

Was ist der Grund von Trumps Vorstoß? Eventuell könnte der Boykott seiner Wahlkampfveranstaltung in Tulsa der Grund sein, wo viele TikTok-Nutzer sich für seine Veranstaltung registriert hatten, dann jedoch nicht erschienen sind. So gab es über eine Million Anfragen für das Wahlkampfevent, doch schlussendlich sind nur 6500 Personen erschienen.

Zuvor hatten US-Behörden Bedenken geäußert, dass das weltweit von fast einer Milliarde Menschen genutzte Netzwerk Nutzerdaten an die chinesische Regierung weitergibt. Ob TikTok die Daten wirklich an Dritte weitergibt, wurde zuletzt von dem Committee on Foreign Investment (CFIUS) untersucht. Bytedance versichert, dass die Daten in den USA verbleiben, mit einer Kopie in Singapur.

Doch das chinesische Unternehmen verteidigt sich gegen diverse Vorwürfe: so teilt es mit, dass seine Server nicht in China seien und auch die chinesische Regierung keinen Zugriff auf die sensiblen Daten hätte. Zudem sei der Amerikaner Kevin Mayer der Chef von TikTok und auch einige bekannte amerikanische Investmentgesellschaften. Das Onlinenetzwerk der in China ansässigen Mutter ByteDance erklärte, dass es nicht mit einem Abschied aus den USA plane. Trump möchte ein Verbot per Dekret durchzusetzen oder die ihm zustehenden Wirtschafts-Sonderrechte zu nutzen.

„Wir haben nicht vor, irgendwo hinzugehen“, erklärte die TikTok-Geschäftsführerin für die USA, Vanessa Pappas, in einer auf der App veröffentlichten Nachricht. Zudem betonte die Geschäftsführerin, dass sie den über 100 Millionen Menschen, welche die App nutzen „die sicherste App“ bieten zu wollen. Zudem planen sie die Einstellung von mehr als 10.000 Personen in den USA.

Doch welche Vorwürfe gibt es eigentlich gegen TikTok? Die Spionagevorwürfe wiegen am schwersten, so gaben mehrere US-Senatoren wie Marco Rubio und Charles Schumer zu bedenken, dass gegen das Unternehmen ein Spionageverdacht vorliegt. Damit sind sie nicht allein, auch Reddit-CEO Steve Huffman und das Hackerkollektiv Anonymous bezeichneten das Unternehmen als „parasitäre Spyware“. Zudem häufen sich die Vorwürfe, dass die TikTok-Moderatoren kritische oder für China unangenehme Posts löschen, wie über die Unabhängigkeit Tibets zu löschen, über das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens oder über die in China verbotene Falun-Gong-Bewegung. Zudem wurde die Plattform kritisiert für ungenügendem Jugendschutz und Datenschutz gegenüber einer beeinflussbaren jungen Zielgruppe.

Mit einer neuen Transparenz-Initiative hat CEO Kevin Mayer (58) angekündigt, seine Algorithmen überprüfen zu lassen.  „Wir sind nicht politisch, wir akzeptieren keine politische Werbung, wir verfolgen keine Agenda – unser einziges Ziel ist es, eine lebendige und dynamische Plattform, auf der jeder Spaß haben kann, zu bleiben“, schrieb Mayer.

Wie würde sich Trumps Verbot auf TikTok auswirken? Trump könnte amerikanischen Unternehmen die Zusammenarbeit mit TikTok verbietet. Somit könnte weder Microsoft das Unternehmen kaufen, noch könnten Apple oder Google die App in ihren Stores zum Download anbieten. In Europa gibt es bisher keinen Vorstoß, die App zu verbieten. In Indien wurde die App zum „zum Schutz der Sicherheit und der Souveränität des Cyberspace“ des Landes verboten. Das indische Informationstechnologie-Ministerium habe Informationen erhalten, denen zufolge manche Mobiltelefon-Apps für das Stehlen und die heimliche Übertragung von Nutzerdaten an Server außerhalb Indiens missbraucht würden, hieß es.

Auch in Deutschland wächst seitens der Politik die Besorgnis über die chinesische App: „Wir nehmen mögliche Gefahren durch TikTok sehr ernst und haben bereits eine Untersuchung des europäischen Datenschutzbeauftragten gegen TikTok angeregt“, sagt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP, Michael Theurer. „Neben politischer Zensur nach den Wünschen der Kommunistischen Partei bereitet uns der Datenschutz bei TikTok die größten Bauchschmerzen. Es ist absehbar, dass die App deutlich nachgebessert werden muss. Für eine Verbotsforderung ist es jedoch zu früh.“ Der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, Achim Wambach, klingt so ähnlich. Es gebe viel zu bedenken – Sicherheitsinteressen, Datenschutz und so weiter. „Die zuständigen europäischen Datenschutzbehörden sollten zeitnah den Vorwürfen des Datenmissbrauchs nachgehen“, sagt er.

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