Zum Tod von Udo Walz: Was Deutschlands berühmtesten Friseur so erfolgreich machte

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Der Starfriseur Udo Walz ist am 20. November 2020 im Alter von 76 Jahren in der Berliner Charité verstorben. Wie sein Ehemann Carsten Thamm bestätigte erlag der Friseur einem Diabetes-Schock, nachdem er bereits zweieinhalb Wochen im Koma lag. „Udo ist friedlich um 12 Uhr eingeschlafen“, erklärt Thamm der Bild. Er und Udo Walz waren seit 1994 ein Paar und heirateten schließlich im Jahr 2008. Verabschieden konnte sich Carsten Thamm von seinem Ehemann allerdings nicht, da er mit einem Corona-Patienten in Kontakt gewesen war und somit in Quarantäne bleiben musste. Er erklärte der Bild: „Ich stehe jetzt hier, und mein Mann ist nicht mehr da. Es ist furchtbar.“

Marlene Dietrich, Romy Schneider, Angela Merkel, Naomi Campbell, Twiggy oder sogar Gerhard Schröder. Die Liste der Kundschaft, die sich von Udo Walz frisieren lies ist breit gefächert. Doch nicht nur Prominenz besuchte Walz in seinem Friseursalon, auch gewöhnliche unbekannte Menschen wollten sich einmal von dem Starfriseur die Haare machen lassen. Was ihm zu seiner großen Bekanntheit verholfen hat, weiß keiner mehr so richtig. Der Spiegel schreibt, dass Walz schlichtweg „immer schon da gewesen“ war. Getrud Höhler fand in einem Artikel für die „Bunte“ zu seinem 60. Geburtstag eine Erklärung, die vermutlich ins Schwarze trifft: „Er ist ein Star. Deshalb suchen Stars seine Nähe.“

Geboren wurde Udo Walz 1944 in der schwäbischen Stadt Waiblingen, also Sohn eines LKW-Fahrers und einer Fabrikarbeiterin. Mit 14 ging er bereits in die Friseurlehre „und schloss als Drittschlechtester von 600 Gesellen ab“, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung in einem Nachruf schreibt. Drei Jahre später ging Walz in die Schweiz und gab dort vor Englisch und Französisch sprechen zu können. In den darauffolgenden Jahren kam er erstmals in Kontakt mit Stars dieser Zeit, wie Marlene Dietrich oder Romy Schneider. 1963 ging er nach Berlin und schnitt erst noch Haare in einer Altbauwohnung, rund 20 Jahre später eröffnete er seinen ersten eigenen Salon am Kurfürstendamm. Eigentlich wollte der junge Udo Walz Berlin als Sprungbrett nach New York nutzen, doch nach eigenen Aussagen gefiel es ihm in der Stadt so gut, dass er einfach dortblieb. Er fing damit an Cover-Models für die Zeitschrift „Brigitte“ zu frisieren und arbeitete bei zahlreichen Modeveranstaltungen. Dadurch wurden viele Supermodels zu seinen Kundinnen, so auch Claudia Schiffer, welcher er sogar zu ihrem 18. Geburtstag nach New York hinterherflog. Er schien die Prominenz mit seiner offenen und lustigen Art, aber auch mit seiner Kunst zum Frisieren anzuziehen. 1972 färbte er der RAF-Terroristin Ulrike Meinhof die schwarzen Haare blond. Er riet ihr davon ab, aber sie bestand auf ihre Anweisungen. Später erkannte er die gefärbten Haare auf einem Fahndungsplakat wieder. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchte den Friseur regelmäßig: „Ich bin ja ein großer Fan von ihr und auch ihretwegen in die CDU eingetreten, aber sie hasst es, wenn ich so begeistert über sie spreche“, erzählte Udo Walz der ZEIT. Er schnitt ihr die allseits bekannte Kurzhaarfrisur, welche daraufhin „für Spitzenpolitikerinnen üblich wurde“, wie die FAZ schreibt. Auch Theresa May oder Hillary Clinton ließen sich von dem Haarschnitt inspirieren.

Walz hatte mehrere Gastauftritte im Fernsehen, unter anderem in Seifenoper „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, bei „Pastekwa“ oder in „SOKO Stuttgart“. Die Moderatoren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf gaben dem Friseur in ihrer Sendung „Circus HalliGalli“ sogar eine eigene erfolgreiche Rubrik. Udo Walz war eine große Bereicherung für die deutsche Prominentenszene. Er fiel durch seinen selbstironischen und authentischen Humor auf. Die Bild beschreibt ihn als ein offenes Buch und der Spiegel lobt ihn für seine direkte Art. Auch Berlins Bürgermeister Michael Müller trauert um den verstorbenen Walz: „Mit ihm verliert unsere Stadt ein echtes Berliner Unikat mit Herz und Schnauze. Sein Beruf war für ihn Berufung, er lebte für das Friseurhandwerk. Sein Stil hätte nicht besser zu Berlin passen können – klassisch und unaufgeregt.“

 

 

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