Gehaltskürzungen auch bei Luxus-Verlag Condé Nast

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Auch vor den Luxusmagazinen Vogue und Vanity Fair macht die Pandemie nicht halt. Dem finanziellen Druck und den Problemen im Anzeigengeschäft sieht der Verlag Condé Nast sorgenvoll entgegen.

Condé Nast, der Zeitschriftenverlag für das Luxussegment, reiht sich ein in die Liste von Unternehmen, welche unter den Auswirkungen der Pandemie leiden. Roger J. Lynch, der Chef des Unternehmens, das hinter Vogue, Vanity Fair und The New Yorker steht, schickte eine Mitteilung an seine über 6.000 Mitarbeiter. Darin informierte er sie über seinen Plan, Einsparungen vorzunehmen wie Gehaltskürzungen, Freistellungen und Entlassungen.

„Es ist sehr wahrscheinlich, dass unsere Werbekunden, die Verbraucher und damit auch unser Unternehmen für einige Zeit unter erheblichem finanziellem Druck stehen werden“, so Lynch in der Mitteilung. „Infolgedessen werden wir über die anfänglichen Sparmaßnahmen hinausgehen müssen, um unser Geschäft langfristig zu schützen.“

Die Gehälter derjenigen, die 100.000 Dollar oder mehr verdienen – knapp die Hälfte des Unternehmens – werden für fünf Monate, beginnend im Mai, um 10 bis 20 Prozent gekürzt, heißt es in der Mitteilung. Die Gehälter der Führungskräfte im Senior Management Team, darunter Anna Wintour, die künstlerische Leiterin und Condé Nasts bekanntestes Aushängeschild, werden um 20 Prozent gekürzt.

Darüber hinaus sagte Lynch, dass er auf die Hälfte seines Gehalts verzichten würde und dass Vorstandsmitglieder, die nicht bei Advance Publications (der Holdinggesellschaft, die Condé Nast besitzt) angestellt sind, wie Domenico De Sole, ehemaliger Geschäftsführer der Gucci Group, eine 50-prozentige Kürzung ihrer Vergütung hinnehmen würden. Über die Anzahl der Mitarbeiter, welche mit einer Entlassung rechnen müssen, machte Lynch jedoch keine Angaben.

„Wir betrachten es als letzte Option, doch trotzdem wird es einige Entlassungen als Teil dieser Umstrukturierung geben“, sagte Lynch. Diese Entscheidungen werden für den nächsten Monat erwartet. In der Zwischenzeit hat das Unternehmen einen Einstellungsstopp für Hunderte von offenen Stellen verhängt.

Das Unternehmen plant die Einführung von Drei- oder Vier-Tage-Wochen für einige Mitarbeiter in Großbritannien und der Europäischen Union, „insbesondere dort, wo Regierungsprogramme und Konjunkturpakete dazu beitragen können, das Einkommen der Mitarbeiter aufzubessern“, schrieb Lynch.

Condé Nast bittet nicht direkt um Regierungsgelder, sondern prüft stattdessen die Nutzung von Hilfsprogrammen und Konjunkturpaketen in bestimmten Regionen für beurlaubte oder entlassene Mitarbeiter. Das Unternehmen plant, die Vorteile der Hilfsprogramme in diesen Teilen der Welt zu nutzen, um die Gehaltseinbußen der beurlaubten Mitarbeiter in Kurzarbeit auszugleichen.

2019 hat Condé Nast seinen amerikanischen und internationalen Zweig zu einem einzigen Unternehmen vereint. Das Unternehmen hat Niederlassungen in Frankreich, Italien, Deutschland und Spanien sowie in Asien, wobei die Hälfte der Mitarbeiter in den USA arbeitet.

In den USA kann Condé Nast von den Regierungsprogrammen profitieren, welche eingerichtet wurden, um Arbeitsplätze während der Pandemie zu sichern. Doch das Hochglanzmagazin-Unternehmen ist für seine Verschwendungssucht bekannt. So wäre die Beantragung staatlicher Unterstützung tatsächlich ein ungewöhnlicher Schritt. Viele seiner hochbezahlten Redakteure verfügen nämlich über Vergünstigungen wie Dienstwagen und Bekleidungszuschüsse. So könnte die offensichtliche Diskrepanz zwischen Luxus-Versorgung der Angestellten und dem Annehmen von Staatshilfen ihre Leserschaft verprellen.

 

Kürzlich teilten zwei der prominentesten Kunden von Condé Nast, die Luxuskonzerne LVMH Moët Hennessy Louis Vuitton und Kering den beurlaubten Mitarbeitern mit, dass sie an den staatlichen Unterstützungs-Programmen in Frankreich teilnehmen würden. Letztendlich machten beide Unternehmen kurz darauf einen Rückzieher, nachdem Konkurrenten wie Chanel ankündigten, dass sie die Kosten der Pandemie selbst tragen würden, anstatt die öffentlichen Kassen anzuzapfen.

Die Publikationen hatten jedoch schon vor der Pandemie wirtschaftliche Probleme.  Doch jetzt befindet sich die Branche im freien Fall. Luxusunternehmen, die die Anzeigen liefern, sind das Lebenselixier der Mode- und Lifestyle-Publikationen. Doch diese haben ihre Marketingbudgets gekürzt oder eingefroren. In einer Zeit, in der mehr als 16 Millionen Amerikaner arbeitslos sind, wenden sich die Menschen von der Welt des Luxus ab und sparen für Notwendiges.

Condé Nast hatte bereits seine Medienstrategie neu ausgerichtet und hatte sich bereits neu auf sein Online-Publikum fokussiert. So baut der Verlag auch seine Reichweite auf Instagram und TikTok aus. Condé Nast hat zudem einige Zeitungstitel verkauft und einst mächtige Hochglanzmagazine wie Glamour in rein digitale Unternehmen umgewandelt. Nach dem Abonnement-Erfolg von The New Yorker wurden um Vanity Fair und Wired Paywalls errichtet. Vogue hat begonnen, sich dem digitalen Publishing zuzuwenden, ist aber immer noch stark von Werbeeinnahmen abhängig.

Daher war das Unternehmen nach mehreren Jahren mit Verlusten auf dem besten Weg, in diesem Jahr Gewinn zu erzielen. Die Pandemie hat diese Entwicklung verändert, wie auch bei anderen Verlagen. „Wir sind nicht die Einzigen, die solche Maßnahmen ergreifen müssen“, so Lynch. „Unternehmen auf der ganzen Welt stehen vor ähnlichen Herausforderungen und reagieren entsprechend. Aber das macht diesen Prozess nicht einfacher.“

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