Darf nicht passieren: Twitter-Konten gehackt

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Jetzt zeigt sich wieder einmal, dass es die absolute Sicherheit im digitalen Netz, dem world wide web, nicht geben kann. Unbekannte Hacker sind jetzt in die Software vom Nachrichtendienst Twitter, über den meist Kurznachrichten verbreitet werden, eingedrungen und haben sich in die Konten von Prominenten eingeloggt. Diese Sicherheitslücke nutzten sie, um Falsch-Nachrichten zu verbreiten und dabei auch Geld in der Digitalwährung Bitcoin zu ergaunern. Die Nachricht, dass der US-Konzern Twitter erneut gehackt wurde, verunsichert am Ende die ganze Welt – vor allem die Persönlichkeiten, die in der Öffentlichkeit stehen und die sich einen Missbrauch ihrer Konten und persönlichen Daten in keiner Weise leisten können. Denn neben den Prominenten können so auch sensible Daten von Politikern und Geheimnisträgern veröffentlicht oder umgeleitet werden. Das Ganze hat ein riesiges Schadenspotenzial und bringt etwa 330 Millionen monatlicher Nutzer in Schwierigkeiten.

Dass etwas nicht stimmt beim Nachrichtendienst Twitter, konnte die globale Elite dieser Welt am Mittwochabend dieser Woche feststellen, als Unbekannte deren Profile missbrauchten um Fake-News an andere Nutzer zu verschicken. Dabei sind sie in das interne System von Twitter vorgedrungen und bekamen Zugriff auf die Profile Prominenter. Schlimm dabei ist, dass im Namen von Bill Gates Kunden aufgefordert wurden, 1.000 US-$ an eine Bitcoin-Wallet-Adresse zu schicken, um danach 2.000 $ zurückzubekommen. Vermeintlicher Grund der Aktion: Prominente wollten etwas zurückgeben von dem, was sie Gutes im Leben erfahren hätten. Eine klassische Betrugs-Mail, auf die der ein oder andere hereingefallen ist und tatsächlich die 1.000 $ überwiesen hatte, so dass ein geringer Schaden vorerst von 105.000 Euro (umgerechnet) entstanden ist. Auch andere Online-Dienste wurden in der Vergangenheit Opfer von Cyber-Kriminellen, die es irgendwie immer wieder schaffen, sich in die Schaltzentrale der Unternehmen einzuschleichen. Schon 2013 gab es eine große Fake-Aktion mittels Cyber-Attacken, der das Twitter-Profil der Nachrichtenagentur AP (Associated Press) zum Opfer fiel. Dabei wurden zwei falsche Meldungen über angebliche Explosionen im Weißen Haus in Washington veröffentlicht, so dass für einige Tage die US-Börse kollabierte und der Dow Jones-Index abstürzte.

Auch in Deutschland werden die sozialen Medien immer häufiger von der Politik genutzt, um Nachrichten zu verbreiten und Neuigkeiten quasi zeitgleich zu posten. Es gibt Gerüchte, dass auch das Twitter-Profil vom Regierungssprecher Steffen Seibert angegriffen und gekapert worden sein könnte. Über ihn laufen hochsensible Meldungen der Kanzlerin – da wäre ein Missbrauch eine politisch brisante Angelegenheit. Das Bundespresseamt (BPA) erklärte zwar, dass es keine Anhaltspunkte für Hacker-Angriffe auf Politiker gäbe, aber man sei dringend daran interessiert, die Aufklärung des Twitter-Angriffs voranzutreiben. Das Horror-Szenario schlechthin wäre, wenn ein Präsidenten-Profil irgendwo in der Welt gehackt würde und dann beispielsweise eine Kriegsnachricht zu falschen Rückschlüssen und zum Krieg führen könnte. Undenkbar, aber nicht ausgeschlossen. Natürlich sind alle Regierungen auf Sabotage-Angriffe vorbereitet, aber auch die Cyber-Kriminellen rüsten immer weiter auf. Wenn man allgemein bedenkt, dass die Promis dieser Welt jeweils zwischen 10 – und 120 Millionen Follower oder Abonnenten haben, dann kann man sich vorstellen, wie schnell Falschmeldungen in die weite Welt kolportiert werden können. Mit verheerenden Folgen. Geheimdienst-Experte Armin Schuster (CDU) jedenfalls betrachtet den Missbrauch von Profilen von Entscheidungsträgern als reale Gefahr, dass dann die Weltordnung erschüttert werden könnte.

Natürlich werden Sicherheitsvorkehrungen getroffen und aktualisiert, nicht nur bei Twitter. Das ist ähnlich wie im Online-Banking, wo speziell die Accounts der Prominenten mit komplexen Passwörtern sowie der sogenannten Zwei-Faktor-Authentifizierung geschützt sein dürften, bei der zusätzlich noch ein frisch zugeschickter Code für die Anmeldung auf einem neuen Gerät erforderlich ist. Dass es den kriminellen Computerspezialisten dennoch gelang, Nachrichten im Namen der Prominenten abzusetzen, wirft ernsthafte Fragen zu den Sicherheitsvorkehrungen von Twitter auf. Brisant ist außerdem die Tatsache, dass dies weniger als vier Monate vor der US-Präsidentenwahl ans Tageslicht gelangt. Der Account des US-Präsidenten Donald Trump, für den Twitter ein zentraler Kommunikationskanal ist, ist zwar nicht betroffen, aber wer weiß, ob die Kriminellen nicht längst an einem illegalen Kontozugang arbeiten?

Zahlen ohne Kreditkarte am anderen Ende der Welt

Global

Als Kind der Finanzkrise 2007 stieß der Bitcoin 2009 in eine Lücke. Während Großbanken zusammenbrachen, Gewissheiten zu zittern begannen, Staatsbanken und Staaten in existenzielle Krisen gerieten, Vertrauen in Geldsysteme zerstob, war der Bitcoin plötzlich da. Eine Erfindung ohne Erfinder: Der ist bis heute unbekannt und versteckt sich hinter einem japanisch klingenden Pseudonym. Das Internetgeld kam ohne Staat und ohne Zentralbank aus, die bisher als unverzichtbare Garanten für die Sicherheit einer Währung gegolten hatten. Für Währungsdeckung sorgt beim Bitcoin ein undurchschaubarer Algorithmus anstatt einer Zentralinstititution; getragen von einem unabhängigen und dezentral organisierten Geldsystem. Dieses fungiert als Alternative zu konventionellen Währungen wie Euro, Dollar oder Yen.

Die Finanzkrise machte für viele all die offensichtlichen Nachteile eines Währungssystems jenseits von Staaten und Zentralbanken schlagartig zur Verheißung. Gerade waren die Dogmen des Finanzmarktlebens tief durchrüttelt worden. Im Gegensatz zu allem was zuvor plausibel schien überzeugte der Newcomer anfangs mit Stabilität, später mit steigenden und stark volatilen Kursen. Zwar stieß die innovative Technologie hinter dem Bitcoin schnell an Grenzen und gravierende Probleme, welche die Bitcoin Community bis heute beschäftigen. Den Problemen seiner Kinderschuhe wurde er nie ledig. Doch erwiesen sich die Vorteile als so überwältigend, dass Nutzer dem neuen System stets in ausreichender und wachsender Anzahl treu blieben. Direkt und anonym bezahlen, egal ob beim Anbieter um die Ecke oder in Timbuktu, unabhängig sogar von Bank- oder Kreditkartenkonto: Diese Qualitäten beförderten den Seiteneinsteiger für eine wachsende Nutzerzahl zum respektablen Player.

Mittlerweile sollen 3000 Kryptowährungen das Licht der Welt erblickt haben. 2015 erhielt der Bitcoin Gesellschaft von seinem bekanntesten Konkurrenten Ethereum, heute die Nummer 2 neben dem Marktführer. Auch der 2012 an den Start gegangene Ripple wuchs inzwischen zum ernst zu nehmenden Mitspieler heran. Das Ripple-Netzwerk unterstützt jede beliebige Währung (Dollar, Euro, Yen, Bitcoin etc.).

Kryptogeld zielt darauf ab, die Finanzbranche von Grund auf zu revolutionieren. Die genannten Zahlungsmittel haben den Ruf unabhängiger Währungen, dezentral in einem Netzwerk erzeugt und verwaltet. Sichere Speicherung und Nachkontrollierbarkeit aller Transaktionen in einer Blockchain schaffen Vertrauen. Sie machen das Gesamtsystem bis in die einzelnen Buchungen transparent und glaubwürdig. Diese Blockchain ist eine kontinuierlich erweiterbare Liste von Datensätzen, die sich nicht verändern lassen oder entfernt werden können, sozusagen ein öffentliches Buchungsverzeichnis. Unbekannt sind allein die Klarnamen der Nutzer.

Die Speicherung an sehr vielen Speicherorten bürgt für die Sicherheit gegen nachträgliches manipulieren. Jeder Teilnehmer kann mitwirken und selbst Ethereum oder Bitcoin erzeugen. Die Netzwerke basieren auf Open-Source und sind öffentlich einsehbar. Beide Währungen werden ausschließlich digital gehandelt, es gibt weder Münzen noch Scheine. Als bestes Buchgeld funktionieren Kryptowährungen zum Bezahlungen von Gütern und Dienstleistungen, sofern Händler beziehungsweise Dienstleister die Zahlungsmethode akzeptieren.

Bei allen Gemeinsamkeiten weist die Technologie hinter den Kryptowährungen grundlegende Unterschiede auf. Ethereum basiert, wie auch der große Bruder Bitcoin, auf der Blockchain-Technologie. Im Unterschied zu Bitcoin ist Ethereum weit mehr als Kryptowährung. Ethereum stellt dem Nutzer viel mehr Werkzeuge bereit. Dazu zählt beispielsweise eine Plattform für sogenannte Dapps (Decentralized Apps). Die regeln elektronisch die automatische Anwendung und Geltung von Verträgen, stellen virtuelle Organisationen bereit oder das mitunter bedeutende Identitätsmanagement. Vereinfacht gesagt kann dem Ethereum die vertragsgemäße Nutzung mitgegeben werden, etwa welche Unterprogramme tatsächlich gestartet und angewendet werden können. Welche Vertragsklauseln vereinbart wurden und dem Nutzer zur Verfügung stehen regelt dann der Computer automatisch. Dadurch dient Ethereum als Zahlungsmittel als auch für den Austausch von Eigentum, Anteilen und mehr. Die Blockchain von Ethereum verwendet eine andere Skalierungsmethode und arbeitet deutlich schneller als die von Bitcoin. Ethereum können mit weit geringerem Aufwand erzeugt werden. Ihr Herstellungsprozess benötigt eine deutlich kleinere Rechenleistung und verbraucht somit weniger Strom. Zudem können Transaktionen in Ethereum schneller und günstiger als in Bitcoin abgewickelt werden.

Als dritter großer Player hat sich der Ripple etabliert. Exakt gesprochen heißt diese Digitalwährung eigentlich XRP und arbeitet ohne Blockchain. Der XRP ist integraler Bestandteil der sehr viel umfangreicheren Netzwerkstruktur Ripple mit all ihren Möglichkeiten. Verwirrenderweise hat sich Ripple als Gebrauchsname für XRP durchgesetzt. Die Gesamtstruktur Ripple als Zahlungsnetzwerk basiert auf Open-Source. In seiner endgültigen Ausbaustufe soll Ripple ein Peer-to-Peer-Zahlungsverfahren als auch ein Devisenmarkt sein. Peer-to-Peer bedeutet ein hierarchiefreies Netzwerk unter Gleichen, das wie Bitcoin und Ethereum ohne dazwischen geschaltete Bank funktioniert. Das Ripple-Netzwerk unterstützt jede beliebige Währung (Dollar, Euro, Yen, Bitcoin etc.). Neben dem Zahlungsnetzwerk und dem verteilten Handelsplatz enthält Ripple seine eigene interne Kryptowährung XRP. Diese dient sowohl der Wertaufbewahrung als auch zum Handelsmedium, ist aber für die Durchführungen von Zahlungstransaktionen unabdingbar. Ripple Labs finanziert sich ausschließlich über die Wertsteigerung von XRP. Hintergrund der Stabilität ist die rechnerisch ermittelte Vertrauenswürdigkeit jedes einzelnen Nutzers, die bewertet und zueinander in Beziehung gesetzt gesetzt werden.

Ripple betont immer wieder, dass die Währung XRP ein eigenständiges Open Source Projekt ist. Das bleibt auch weiter bestehen, sollte es die Firma Ripple irgendwann nicht mehr geben. XRP/Ripple hat mittlerweile bei Banken Anerkennung gefunden. Am 31. Januar 2018 gab die spanische Großbank Santander bekannt, Ripple für Transaktionen zwischen den Ländern Spanien, Großbritannien, Polen und Brasilien einsetzen zu wollen. Mitte Dezember 2018 wurde bekannt, dass die UAE Exchange aus den Vereinigten Arabischen Emiraten plant, bis zum ersten Quartal 2019 grenzüberschreitende Überweisungen nach Asien zu starten.

Facebook prescht mit Kryptowährung vor

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Was verbindet die Billigbestellung in China und den klammen Kumpel in der Kneipe? Paypal. Beim ersteren habe ich was gekauft, den zweiten hat eine unerwartete Notlage ereilt. Der alte Studienkollege in Kenia bekommt sein Geld per Western Union, das Bahnticket läuft über Lastschrift, die Erpressung über Bitcoin, die Spezialflaschenbestellung über Paydirekt, das Auto mieten mit Kreditkarte und woanders noch was mit Sofortüberweisung. Nicht zu vergessen, die gute alte EC-Karte an der Supermarktkasse. Facebook bläst nun zum Angriff auf dieses Wirrwarr und versucht sich mit der Installation einer weltweit verwendbaren Kryptowährung.  Der Informationshändler hat zur Entwicklung der Kryptowährung „Libra“ eine Firma im schweizerischen Genf gegründet. Das System soll bereits 2020 marktreif ein. Bisher lautet das Versprechen, der Wert der Krypto-Währung soll durch Kapital in echten Währung gedeckt sein. Das ist auch ein Angriff auf eine, die schon da ist: der Bitcoin.

Keine Aufsicht, keine Regulierung, keine Notenbank, aber dennoch ein noch nie gesehener Massenzulauf: der Bitcoin zieht als digitale Kryptowährung immer mehr Glücksritter an. Die digitale Währung, 2012 noch 10 Dollar wert, knackte unlängst die 15.000 Dollar-Marke. Weder fehlt es vor Crash-Warnungen noch vor Verbotsphantasien. Auch vor Angriffen war der Bitcoin nicht gefeit, doch im Großen gesehen wurden alle Probleme gelöst. Offen ist, ob Spekulation den deren Höhenflug antreibt oder da einfach das richtige Produkt im richtigen Moment zur Füllung der Marktlücke bereit stand. Verbotsphantasien hin oder her: als dezentrales Konstrukt lässt sich der Bitcoin nicht einfach abschalten.

Facebook will mit seiner eigens gegründeten Unternehmenstochter Calibra zum selben Ziel kommen, nur bodenständiger. Vorrangig muss die Unternehmenstochter die Trennung der Datenfirma von dem Bankgeschäft garantieren. Ansonsten hat der Social-Media-Anbieter zur Entwicklung Unterstützung von rund 20 Firmen aus unterschiedlichen Sparten ins Boot geholt. So sollen MasterCard und Paypal das System für Zahlungen in die Spur schieben. Aus dem Bereich Technologie und Marktplätze arbeiten Firmen wie eBay, MercadoPago, Spotify AB oder Uber mit. Für Telekommunikation konnte man beispielsweise die Vodafone-Gruppe gewinnen. Für die Sicherheit durch Blockchain-Technologie  verlässt man sich unter anderem auf Anchorage und Bison Trails.

Nun bleibt abzuwarten, ob bei Facebook angelegtes Geld genau so sicher verwahrt ist wie Daten.

Ist der Hype um Bitcoin schon verflogen?

Global

Der Boom brach 2017 aus, als der Bitcoin bei über 19.000 US-Dollar notierte. Danach kamen starke Schwankungen, die den Anleger arg verunsicherten. Und danach? Erst einmal durchatmen und mit dem Thema Digitalgeld auseinandersetzen – so die Devise vieler Interessenten und Investoren.

Eine kleine Geschichte von Information  und Fantasie: Kryptowährung — was ist das überhaupt und wie funktioniert es? Wikipedia bezeichnet eine Kryptowährung oder Kryptogeld als ein „digitales Zahlungsmittel, das mit Prinzipien der Kryptographie erstellt (z. B. durch Mining (englisch für schürfen) und transferiert wird, um ein dezentrales und sicheres Zahlungssystem zu realisieren.“ Anders als uns bekannte Währungen wie Euro, Dollar, Pfund oder Yen sind Kryptowährungen kein physisch gedrucktes beziehungsweise von Zentralbanken erzeugtes Zahlungsmittel, sondern werden dezentral von vielen Menschen rund um den Globus mit Computerpower errechnet. Es ist also rein digitales Geld. Es gibt keine Scheine oder Münzen. Damit besteht ein grundsätzlicher Unterschied zum uns geläufigen Geld darin, dass eine einzelne Partei nicht allein in der Lage ist, die Produktion von Bitcoins oder anderem Kryptogeld zu beschleunigen, zu beeinträchtigen oder in irgendeiner Weise wesentlich zu missbrauchen. Durch seinen dezentralen Aufbau kann so beispielsweise der Bitcoin – wie fast alle anderen Kryptowährungen übrigens auch – nicht von der Zentralbank unendlich geschöpft oder manipuliert werden.

Startschuss in 2008

Der Startschuss für die erste Kryptowährung fiel im Herbst 2008. Angeblich hat ein Softwareentwickler mit dem Pseudonym Satoshi Nakamoto den Bitcoin erschaffen. Dennoch ist bis heute ungeklärt, ob es sich hierbei um eine einzelne Person oder um eine Gruppe handelt. Damals, vor rund zehn Jahren, als der Bitcoin aus der Taufe gehoben wurde, brach die Finanzkrise so richtig los und die Börsen  weltweit gingen auf Talfahrt. Dies kann sehr wohl der Grund für den Wunsch nach einem neuen, besseren Geld gewesen sein. Mittlerweile gibt es über 4.500 verschiedene Kryptowährungen! Um den Einstieg zu erleichtern, konzentrieren wir uns im Folgenden auf den Bitcoin, denn er war die erste Kryptowährung und ist aktuell das bekannteste und auch vom Handelsvolumen größte Kryptogeld. Das Wort Bitcoin setzt sich aus den beiden englischen Wörtern „Bit“ und Coin“ zusammen. „Bit“ ist die kleinste Informationseinheit im Binärcode, der zwei Zustände abbildet: „O“ oder „1″; vergleichbar mit „ja“ oder „nein“. „Coin“ ist der englische Begriff für Münze. Der Bitcoin hat alle Eigenschaften, wie man sie von Geld als Tauschmittel erwartet, nämlich: allgemeingültig, teilbar, sicher, transportierbar und knapp. Er wurde als reines Zahlungsmittel entwickelt. Ganz zum Start hatte ein Bitcoin noch einen Gegenwert von weniger als 0,01 US-Dollar, also unter 1 Cent. Im Mai 2010 fand eine erste Transaktion statt. Zwei Pizzas wurden für den Gegenwert von 10.000 Bitcoins erworben und geliefert. Wie einleitend beschrieben, hat sich der Kurs daraufhin in den Folgejahren geradezu dramatisch entwickelt. Übrigens: Stand der Bitcoin gegen Ende 2017 noch bei über 19.000 US-Dollar, so ist der Kurs bis heute auf rund 7.000-8.000  US-Dollar deutlich eingeknickt. Die Währung unterliegt also sehr starken Bewegungen.

Wie entsteht das „Geld“?

Der Bitcoin basiert ausschließlich auf Mathematik. Weltweit benutzen Menschen eine Software, die einer mathematischen Formel folgt, um Bitcoins zu generieren (auch Mining genannt).  Neues Geld wird also errechnet. Im Gegensatz zu den normalen  Währungen ist die Zahl der Bitcoins, die geschürft werden können, begrenzt, und zwar auf 21 Millionen. Derzeit befinden sich über 16 Millionen Bitcoins im Umlauf. Bitcoins können also nicht so einfach beliebig von einer Zentralbank bei Bedarf gedruckt werden. Die Coins können bis zu einem Hundertmillionstel aufgeteilt werden und heißen Satoshi. Die Bitcoin-Software ist eine sogenannte Open-Source-Software. Das bedeutet, dass es jedem möglich ist, nachzuvollziehen, was diese Software genau macht und ob sie ihren Zweck erfüllt. Die Technologie, die dem Bitcoin zugrunde liegt, ist unter dem Namen Blockchain bekannt. Man kann sich die Blockchain als ein riesiges Registerbuch vorstellen, in dem sämtliche Transaktionen aufgezeichnet sind, die jemals weltweit gemacht wurden. Es ist eine gesamthafte Aufzeichnung darüber, wer was wann besitzt und besessen hat. Jede Transaktion fügt der Informationskette einen weiteren Baustein hinzu. Die Speicherung der Daten erfolgt aus Sicherheitsgründen mehrfach, verschlüsselt und dezentral. Das Netzwerk wird von keiner zentralen Institution kontrolliert. Jeder Computer, der Bitcoins errechnet und transferiert, ist Teil des Netzwerks. Sollte das System aus irgendeinem Grund offline gehen, bleiben die Bitcoins dennoch erhalten. Das gesamte Protokoll der Blockchain kann theoretisch auf einer Festplatte gespeichert oder sogar auf Papier ausgedruckt werden.

Die Eröffnung eines Bitcoin-Kontos (genannt „Wallet“) kann jeder ohne Einschränkung von einem Computer machen. Die Wallets sind öffentlich und anonym, enthalten also keine persönlichen Daten wie Name oder Adresse. Jeder andere Nutzer im System kann also einsehen wie viele Bitcoins auf einem Wallet sind, ohne zu wissen, wem das Konto tatsächlich gehört und welche Transaktionen erfolgt sind. Die Blockchain ist also zu 100% transparent. Ein Transfer von Bitcoins erfolgt direkt von einem Computer zum anderen, also ohne Mittler, wie eine Bank bei Überweisungen, wie wir sie sonst kennen. Das spart neben Zeit auch Geld. Transaktionen erfolgen innerhalb weniger Minuten weltweit.

Welche Themen stehen in der Diskussion um Digitalwährungen aktuell im Vordergrund?

Die Unabhängigkeit von Banken und Zentralbanken eröffnet vielen Individuen und Gruppierungen die Möglichkeit, mit digitalem Geld zu agieren, im Guten wie im Schlechten. Spekulanten entdecken die neuen Währungen für sich. Auch dem kriminellen Milieu wird eine Hinwendung zu Digitalwährungen zugeschrieben. Gleichzeitig öffnen sich Börsen und Hedgefonds diesen Währungen. Es gibt durchaus Angebote, Bitcoins als Zahlungsmittel zu nutzen. Nicht wenige Bitcoin-Besitzer horten die Währung in Erwartung von Kursgewinnen. Befürworter assoziieren Digitalwährungen mit Gold und raten, gleich mehrere Kryptowährungen zu besitzen, zu diversifizieren. Skeptiker hingegen führen verschiedene Vergleiche an: Sie reichen von „Briefmarkensammlung“ bis „Schneeballsystem“.

Auffällig viele autoritäre Staaten haben konkrete Pläne für eigene Digitalwährung. Sie sehen in ihnen eine clevere Finanzierungsmöglichkeit. China, Russland, die Türkei und der Iran planen die Einführung eigener Kryptowährungen. Das krisengeschüttelte Venezuela hat den digitalen „Petro“ eingeführt. Venezuela steckt in einer tiefen Rezession. Den Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge schrumpfte die Wirtschaft des Landes 2017 um 12%. Die Inflationsrate übersteigt 4.000%. Der „Petro“ soll die Finanznot des Landes lösen und die Inflation durch seine eigene Stabilität eindämmen.

Sorgen über verstärkte Regulierungen auf internationalem Niveau und überwiegend vorsichtige bis negative Einschätzungen von Banken und Zentralbanken begleiten die Entwicklung. Auch die Bundesanstalt für die Finanzdienstleistungsaufsicht „BaFin“ beobachtet die Entwicklung. Unklar, sagt sie, sei der Charakter der Digitalwährung: Ist sie Finanzinstrument, Wertpapier, Anteil an einem Investmentvermögen, Vermögensanlage oder Basiswert für ein derivatives Geschäft? Für jeden Typ gebe es gesetzliche Regelungen, die aus Sicht der BaFin anzuwenden wären. Eine Regulierung, so die BaFin, könne bald erfolgen.

Es stellt sich bei mehreren tausend Kryptowährungen die Frage, welche Währungen sich durchsetzen werden. Entscheidend dafür werden auch Sicherheitsaspekte sein. Der „moderne Bankräuber“ hat es auf die Digitalwährungen abgesehen und versucht EDV -Systeme zu hacken, um Währungseinheiten abzuzwacken. Erste „digitale Raubüberfälle“ hat es bereits gegeben.

Wie kann es mit den Digitalwährungen weitergehen?

Möglicherweise weisen Kryptowährungen heute den Reifegrad auf, den das Internet in den 90er-Jahren hatte. Es dominieren Entwicklungsdynamik, die zunehmende Vielfalt und vielschichtige Komplexität sowie eine hohe Volatilität der größten Digitalwährung Bitcoin. Nach einem Ausleseprozess wird es – ähnlich wie bei den Geschäftsbanken – mehrere relevante Akteure geben. Die grundsätzlichen Bedenken hinsichtlich einer Verwendung als alternatives Zahlungs- und Finanzierungsmittel sollten dann schrittweise weichen. Wie bei jeder anderen Währung ist das Vertrauen in das Zahlungsmittel die entscheidende Grundlage. Und mit einem Geldschein haben wir ja „was in der Hand“, aber das bargeldlose Bezahlen schreitet immer weiter voran und dürfte zur Akzeptanz auch alternativer Währungen beitragen.

Wenn schon der bekannte Fondsmanager Hendrik Leber in seinem „Acatis Datini Value Flex“-Fonds über 5% in verschiedene Kryptowährungen investiert, sollten auch wir als Akteure am Finanzmarkt zumindest die Entwicklung aus der Ferne mitverfolgen.