Die blutige WM

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„Es klebt Blut an den Fußballschuhen der Teilnehmer bei der Weltmeisterschaft in Katar. Wer dort auf den Platz läuft, spielt und Millionen verdient, macht sich mitschuldig. Denn dieser Gastgeber tritt die Menschenrechte mit Füßen. Das können und dürfen die Profis nicht ignorieren!“ Helmut Scheel, Zweiter stellvertretender Bundesvorsitzender der ÖDP (Ökologisch-Demokratische Partei), fordert Konsequenz von den prominenten Sportlern. Der Weltfußballverband FIFA hat alle Bedenken in den Wind geschlagen. Die drohenden Einschränkungen der Pressefreiheit für die Journalisten aus aller Welt werden zudem in Kauf genommen, denn die Weltmeisterschaft ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Milliardengeschäft. Das soll sie aus Sicht der Funktionäre bleiben.

Sitz der FIFA ist Zürich. Dort ist der Weltfußballverband ausgerechnet als gemeinnütziger Verein im Sinne des Schweizerischen Zivilgesetzbuches im Handelsregister eingetragen. Das hat zur Folge, dass die FIFA im Kanton Zürich eine reduzierte Gewinnsteuer von nur 4 Prozent zahlen muss. „Was bitte ist gemeinnützig an einem Verein, der in nur vier Jahren etwa 6 Milliarden Dollar erwirtschaftet, für die nur ein Bruchteil an Steuern zu zahlen sind?“, fragt Helmut Scheel. Er fordert vom Veranstalter der WM in allen Bereichen mehr Transparenz, also Respekt und Fairness, wie sie die FIFA selbst ja von den Spielern auf dem Platz verlangt.

Katar war als Austragungsort für die WM von Anfang an stark in der Kritik. Schon beim Bau der Spielstätten wurden Abertausende von Arbeits-Migranten ihrer Rechte beraubt. Das hat Amnesty International veranlasst, zusammen mit anderen Menschenrechts-Organisationen eine Petition zu starten, derzeit werden noch Unterschriften dafür gesammelt. Ziel ist die Entschädigung der Arbeiterinnen und Arbeiter für die unsäglichen Sklavenbedingungen. Doch der Arbeitsminister von Katar lehnte am 02.November 2022 diese Forderung grundweg ab. Wie die englische Zeitung Guardian berichtet, sind etwa 6500 Menschen an den Folgen mangelnder Sicherheitsmaßnahmen und schlechter Arbeitsbedingungen auf den WM-Baustellen ums Leben gekommen. Andere Quellen wie der Spiegel berichten sogar von bis zu 15000 Toten. Aber auch gegen die eigene Bevölkerung geht Katar gnadenlos vor. Minderheiten werden brutal unterdrückt.

Die ÖDP hat ihren Protest zur Fußball-WM in Katar bereits im August 2021 in einem offenen Brief an den Deutschen Fußballbund formuliert. „Die Menschenrechtsverletzungen bei der Fußball WM, die Einschränkung der Freiheitsrechte von Sportlern, Journalisten und Fans zeigen deutlich, mit welchem System man es in Katar zu tun hat. Dass ausgerechnet unser grüner Wirtschaftsminister Habeck all dies in den Wüstenwind schlägt, bläst dem Fass den Boden aus. Wir wechseln die Abhängigkeit von einem Despoten zum nächsten, statt endlich die ökologische Energiewende umzusetzen. Jeder, der einen Funken Anstand hat und dem Menschenrechte wichtig sind, boykottiert als Fernsehzuschauer diese unselige Veranstaltung auf Kosten von Menschen und Klima,“ so der Zweite stellvertretende Bundesvorsitzende der ÖDP.