Recherche-Skandal um SWR-Reporterin Judith Brosel: „Der Fall erinnert an Claas Relotius“

Die Investigativ-Abteilungen des Öffentlich Rechtlichen Rundfunks gelten als die Speerspitze des seriösen Journalismus, die Reporter verstehen sich als Elite ihrer Zunft. Ein Journalistenteam ist Hinweisen auf Unregelmäßigkeiten in der SWR Recherche Unit nachgegangen und dabei auf schwerwiegende Verstösse gegen journalistische Sorgfaltspflichten, Manipulation von Recherchen und eine ausgeprägte Wagenburgmentalität gestoßen. Der Fall weckt Erinnerungen an Skandalreporter Claas Relotuis.

Judith Brosel zählt zu den Nachwuchsstars im Öffentlich Rechtlichen Rundfunk. Die junge Journalistin begeisterte ihre Vorgesetzten von Anfang an durch dramaturgisches Geschick und erzählerische Qualität. Direkt nach Abschluss ihres Volontariats im April 2019 erhielt sie den journalistischen Adelsschlag: Judith Brosel wurde Mitglied der SWR Chefredaktion und Teil einer achtköpfigen Recherche Unit.

Mit dem Karrieresprung stieg der Leistungsdruck auf die talentierte Journalistin hochwertige, investigative Reportagen zu liefern – und wenn möglich Journalistenpreise zu gewinnen. Judith Brosel sah ihre erste große Chance in einer Geschichte, an der sie gemeinsam mit dem Experten für Mobilitäts- und Umweltthemen Nick Schader arbeitete. SWR-Lokalreporter Jürgen Rose hatte sich an die Investigativ-Abteilung gewandt, da er mit den Recherchen zu einem Personalvermittler, der ungewöhnlich viele Stellenanzeigen veröffentlichte, überfordert war. Judith Brosel und Nick Schader waren interessiert. Ihr Verdacht: bei dem Personalvermittler könnte es sich in Wirklichkeit um einen Datenhändler handeln, der illegale Geschäfte mit Bewerberdaten betreibt.

Ihre These planten die Reporter mit einer verdeckten Recherche zu belegen. Kurzentschlossen erfanden Judith Brosel, Nick Schader und Jürgen Rose die Firma powerconsulting mit Sitz bei einem Büroservice-Anbieters in der Grafenberger Allee 277 in Düsseldorf. Die SWR-Redakteure installierten einen Web- und Mailserver und erwarben einen gefälschten Firmenstempel.

Getarnt als Inhaber des Unternehmens Ralf Kerner nahm SWR-Journalist Nick Schader Kontakt zu dem verdächtigten Personalvermittler auf und vereinbarte ein Beratungsgespräch. Am 16.04.2019 unterschrieb Nick Schader alias Ralf Kerner einen Vermittlungsvertrag und gab einen Suchauftrag für sechs Stellen auf. Innerhalb der nächsten 14 Tage wurden den Reportern insgesamt 38 Kandidaten vorgestellt. Neben Anschreiben, Lebensläufen und Dokumenten der Bewerber lag jedem Datensatz auch die Zustimmung der Bewerber zur Weitergabe der Bewerbungsunterlagen bei.

Judith Brosel testete währenddessen den Service für Bewerber. Mit gefälschten Lebensläufen bewarb sie sich bei dem Personalvermittler, stimmte der Weitergabe der Bewerberdaten zu und erhielt wenige Tage später die erste Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. Judith Brosel lehnte das Jobangebot mit der Begründung ab, dass der Arbeitsweg von Stuttgart nach Reutlingen unzumutbar sei – die Entfernung beträgt 38 Kilometer.

SWR-Reporter wollen Recherchen retten

Die meisten Journalisten hätten die Recherche abgebrochen, nachdem die verdeckte Ermittlung ergebe hatte, dass der Personalvermittler nichts anderes tut, als wie vertraglich vereinbart passende Kandidaten bei seinen Kunden vorzustellen. Doch nicht so Judith Brosel: die ehrgeizige Journalistin wollte unbedingt verhindern, dass ihre erste Recherche im neuen Job ein Flop wird. Sie war weiterhin überzeugt, dass die vielen offenen Stellenanzeigen des Personalvermittlers auf ein unseriöses Geschäftsmodell hinweisen würden.

Um ihre Reportage zu retten, kontaktierte Judith Brosel mehrere Bewerber und tischte ihnen eine wilde Geschichte auf: dubiose Datenhändlern würden die sensiblen Unterlagen der Kandidaten illegal an Wildfremde verkaufen. Bei einer jungen Jobsuchenden zeigte die manipulative Fragetechnik der SWR-Reporterin Wirkung. Judith Brosel bekam die gewünschte Szene einer Bewerberin, die sich den Tränen nahe über den angeblichen Missbrauch ihrer Daten beklagt. Die SWR-Reporter verschwiegen während des Interviews mit ihrer Kronzeugin hingegen, dass ihnen die schriftliche Einwilligung zur Weitergabe der Daten vorlag.

Die Marschrichtung für die weiteren Recherchen war gesetzt. Judith Brosel und Nick Schader stellten mehrfach Presseanfragen an die Bundesagentur für Arbeit. Die Fragen der Journalisten suggerierten einen massiven Missbrauch der Jobbörse durch kriminelle Datenhändler. Den Verantwortlichen bei der Bundesagentur für Arbeit (BfA) lagen jedoch keine Missbrauchshinweise vor – diverse Prüfungen des Personalvermittlers endeten in der Vergangenheit stets ergebnislos. Der Unternehmer hatte sowohl sein Geschäftsmodell, als auch die Gründe für die hohe Anzahl offener Stellenanzeigen gegenüber der BfA mehrfach transparent erläutert.

SWR-Chefredaktion lehnt Interviewangebote ab

Auf der Jagd nach O-Tönen erwies sich eine andere Methode als wesentlich erfolgreicher. Judith Brosel und Nick Schader hatten eine Mappe mit Unterlagen zusammengestellt, die suggerieren sollten, dass es sich bei dem Geschäftsmodell des Personalvermittlers um illegalen Datenhandel handele. Das manipulierte „Beweismaterial“ legten die Journalisten dem Arbeitsmarktexperten Stefan Sell von der Hochschule Koblenz und dem Landesdatenschutzbeauftragten von Baden-Württemberg Stefan Brink vor.

Als Lohn ihrer Mühen erhielten die Journalisten einige knackige Zitate für ihre Reportage. Stefan Brink sprach im Interview von Bußgeldern bis zu 20 Millionen Euro, Stefan Sell bewertete den vermeintlichen Skandal als weitaus schlimmer als den Umgang von Google und Facebook mit den Daten ihrer Nutzer.

Judith Brosel war glücklich. Endlich hatte sie genug Material für ihre erste große Reportage als Investigativ-Reporterin zusammen – die Dramaturgie für ihre Kriminalgeschichte war perfekt. Der Fernsehbeitrag für das Magazin „Zur Sache Baden-Württemberg“ war so gut wie fertig geschnitten, als die SWR-Journalistin am 24.04.2019 den Personalvermittler erstmals ungetarnt kontaktierte. Die Interviewanfrage ließ Judith Brosel bewusst allgemein formuliert:

Zwei meiner Kollegen und ich recherchieren gerade zum Thema Bewerber- Vermittlung über die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit.
Sie bieten dort mit Ihren Firmen ja sehr viele Stellen an – und verkaufen Bewerber- Daten an interessierte Unternehmen. Dürften wir Sie vor der Kamera denn bis nächsten Dienstag zu diesem Thema interviewen?
Uns würde interessieren: Wie schaffen Sie es, im Monat Tausende Bewerber zu generieren, welchen organisatorischen Aufwand bedeutet das für Sie, ist Ihre Form der Bewerber-Vermittlung das Modell der Zukunft und wie sieht es mit dem datenschutzrechtlichen Aspekt aus?

Noch am selben Tag telefonierte der Unternehmer mit Judith Brosel und bot ein Interview vor laufender Kamera an. Der SWR könne wahlweise ein Kamerateam nach Griechenland schicken oder bis zu seiner Rückkehr aus dem Urlaub warten. Mit Verweis auf den Redaktionsschluss in drei Werktagen lehnte Judith Brosel beide Angebote ab. Ein Gespräch sei eh nicht so wichtig, teilt sie dem Unternehmer mit. Auch ein telefonisches Interview wollte die Journalistin nicht führen, sondern bat um schriftliche Stellungnahme. Weitere Details zu ihrem Anliegen wollte die SWR-Reporterin nicht nennen.

Um 18:26 Uhr schickte Judith Brosel eine E-Mail mit fünf Fragen an den Unternehmer. Vier der Fragen waren Anschuldigungen – die Unternehmen seien für Bewerber nicht erreichbar, Bildung eines Bewerberpools, illegale Datensammlung mit fingierten Stellenanzeigen und Verstöße gegen die Nutzungsbedingungen der Bundesagentur für Arbeit. Die letzte Frage war die Bitte an den Personalvermittler dem SWR seine Auftraggeber zu nennen. Der Unternehmer beantwortete alle Fragen in einer umfangreichen Stellungnahme.

Computersabotage, Hackerangriffe und Falschberichte

Gegen 19 Uhr am selben Abend erhielt der Unternehmer einen Anruf von einem externen IT-Dienstleister. Hacker würden versuchen die IT-Infrastruktur seiner Unternehmen lahmzulegen und sich Zugang zu den Systemen zu verschaffen. In einer Eidesstattlichen Versicherung schreibt der erfahrene IT-Sicherheitsexperte:

Mit Beginn der Interviewanfragen und der Berichterstattung (…) kam es in diesem Zeitraum zu Versuchen von Dritten, die Dienste und Internetseiten und Softwareanwendungen (…) einzuschränken bzw. unerreichbar zu machen. Im Wesentlichen durch Distributed Denial of Service (DDoS) Angriffe gegen die IT-Infrastruktur (…) und Versuche die Datenbanken zu kompromittieren bzw. Zugangsdaten auszuspionieren. Diese Versuche blieben aber erfolglos und konnten technisch unterbunden werden.

In einer persönlichen Stellungnahme informierte der Unternehmer Judith Brosel am folgenden Tag über die ungewöhnlichen Vorkommnisse:

Zu Ihrer Information möchte ich Ihnen mitteilen, dass ausgerechnet in der Woche Ihrer Presseanfrage es zu Vandalismus an einem unserer Büros kam. Fast zeitgleich haben Hacker versucht unsere IT-Infrastruktur mittels massiver Denial-of-Service- Attacken lahmzulegen und sich Zugang zu unseren Systemen zu verschaffen. Leider kann ich mich aufgrund der ungewöhnlichen Häufung von „Zufällen“ nicht des Eindrucks erwehren, dass Sie sich durch Ihre Informanten bzw. Quellen für eine gezielte Negativ-Kampagne gegen unsere Unternehmen instrumentalisieren lassen. (…) Bei Rückfragen können Sie mich gerne auf dem Handy anrufen.

Doch Judith Brosel interessierte sich nicht für die neuen Informationen und hatte auch keine weiteren Fragen. Ihre Reportage war so gut wie fertig geschnitten und Zeit für weitere Recherchen blieb aufgrund des nahestanden Redaktionsschluss ohnehin nicht mehr. Ausgerechnet im ersten Monat als Investigativ-Journalistin wollte Judith Brosel sich keinesfalls die Blösse geben und mit leeren Händen vor den Kollegen dastehen. Zu groß waren Druck und Ehrgeiz der jungen Reporterin. Judith Brosel entschied sich das Antwortschreiben des Unternehmers zu ignorieren.

Wie von Judith Brosel erhofft war die Reportage das Highlight der Redaktionskonferenz: eine aufregende Kriminalgeschichte – preisverdächtig. Gleich zu Beginn wird ein anonymer Bewerber gezeigt, der angeblich Angst hat, dass er und seine Familie nie mehr einen Job finden würden, wenn er öffentlich über seine Erfahrungen mit dem Personalvermittler berichten würde. Im Anschluss ist die Rede von Haftstrafen, millionenschweren Bußgeldern und schweren Verstößen gegen das Datenschutzrecht. Bedenken gegen die Kenntlichmachung des Unternehmers im Zuge der Verdachtsberichterstattung äußerte keiner der Konferenzteilnehmer.

SWR startet Negativkampagne

Die umfangreichen Veröffentlichungen über den vermeintlichen Datenskandal hatte Judith Brosel bis ins letzte Detail geplant. Bereits am frühen Morgen des 02.05.2019 traf sie in den Redaktionsräumen des SWR ein, um die fein abgestimmte Choreografie der Veröffentlichungen zu dirigieren.

Als erstes sendete das Deutschland-Radio einen kurzen Beitrag, es folgten ein Bericht in der Tagesschau um 12 sowie mehrere Veröffentlichungen auf Webseiten der ARD und des SWR. Am Abend wurde die vollständige Reportage als Top-Thema im SWR-Format „Zur Sache Baden Württemberg“ ausgestrahlt. Die Redakteure nutzten bei fast allen Veröffentlichungen das Logo des betroffenen Unternehmens als Illustration, um die Kenntlichmachung des Unternehmers sicherzustellen. Noch am selben Tag ließen sich Nick Schader und Jürgen Rose in gestellten Interviews von Kollegen im Fernsehen und Radio für ihre Recherche-Leistung feiern.

Am 09.05.2019 forderte der Unternehmer den SWR zur Abgabe einer strafbewährten Unterlassungserklärung auf, um die Falschberichterstattung unter Kenntlichmachung seiner Person und Unternehmen zu unterbinden. Der SWR lehnte die Abgabe der Unterlassungserklärung mit der Begründung ab, dass die Unternehmen weder unmittelbar von der Berichterstattung betroffen, noch identifizierbar gemacht worden seien. Die dauerhafte Nutzung des Unternehmenslogos im Zuge der Berichterstattung diene ausschließlich Illustrationszwecken.

Ab diesem Zeitpunkt wollte beim SWR auch niemand mehr mit dem Unternehmer sprechen. Eine Intervieweinladung an die SWR-Pressestelle vom 13.05.2019 wurde nicht beantwortet. Auf telefonische Nachfrage teilte eine Pressesprecherin mit, dass es keinen Redebedarf gebe. Presseanfragen an die Chefredaktion von ARD und SWR blieben ebenfalls unbeantwortet. Judith Brosel selbst beantwortete eine an sie persönlich adressierte Email mit mehr als einem Monat Verzögerung. Angeblich sei die Einladung zum Interview im Spam-Ordner gelandet, es bestehe zudem kein Gesprächsbedarf.

Stattdessen feierten die Journalisten am 16.05.2019 die Folgen ihrer Berichterstattung mit einer weiteren Reportage im Format „Zur Sache Baden Württemberg“: „Stern, Spiegel, Tagesschau: alle haben darüber berichtet“, freute sich der Sprecher bereits in der Anmoderation.

Die Auswirkungen der SWR-Falschberichterstattung reichten jedoch weit über das beschriebene Maß hinaus: Die Bundesagentur für Arbeit sperrte nicht nur die Accounts des Personalvermittlers mit Verweis auf die Berichterstattung, sondern sah sich auch genötigt die Voreinstellungen der hauseigenen Jobbörse so zu verändern, dass Stellenanzeigen von privaten Arbeitsvermittlern nicht mehr in den Suchergebnissen angezeigt werden. Trotz massiver Protesten von Branchenvertretern wurde die diskriminierende Änderung beibehalten.

SWR-Reporter manipulieren Justizsystem

Am 19.09.2019 sah Judith Brosel die Gelegenheit gekommen ihre Kampagnenberichterstattung gegen den Personalvermittler zu Ende zu bringen. Die Bundesagentur für Arbeit und der Bundesdatenschutzbeauftragte hatten aufgrund der SWR-Falschberichterstattung Strafanzeigen gegen den Personalvermittler gestellt, die Staatsanwaltschaft von Amts wegen Ermittlungen eingeleitet. Das Verfahren wurde mangels Tatverdacht eingestellt – die Staatsanwaltschaft sah keinen Anlass für eine Anklageerhebung.

Judith Brosel war allerdings weniger an den Fakten interessiert, sondern wollte ihrer Geschichte das Sahnehäubchen aufsetzen. Ihre Presseanfrage an den Personalvermittler enthielt nur eine Frage, für deren Beantwortung sie eine Frist von weniger als 24 Stunden setzte:

Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin hat uns mitgeteilt, dass die Staatsanwaltschaft nun ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Bundesdatenschutzgesetz gegen Sie führt. Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?

In einer ausführlichen Stellungnahme reagierte der Unternehmer mit deutlichen Worten:

Gerne nehme ich aber die Gelegenheit wahr, um Stellung zu Ihrer laufenden Falschberichterstattung über meine Unternehmen und meine Person zu beziehen.  Aufgrund Ihrer Anfrage und den bisherigen Erfahrungen mit Ihrer Redaktion, muss ich leider davon ausgehen, dass Sie einen weiteren Skandalbericht mit dem Tonus „…Staatsanwaltschaft ermittelt…“ vermutlich mit dem süffisanten Suffix „…bis dahin gilt die Unschuldsvermutung…“ planen. Persönlich halte ich solche „journalistische Kniffe“ nicht nur für einen schlechten Stil, sondern in diesem Fall auch für einen schweren Verstoß gegen den Pressekodex. Ihre Berichterstattung steht in einem direkten Kausalzusammenhang mit den aktuellen Verfahren. Sie agieren mitnichten als neutraler Beobachter, sondern als Akteur. (…) Um sicherzustellen, dass diese Email nicht wieder auf magische Weise für mehrere Wochen in Ihrem Spam-Ordner verschwindet, gestatte ich mir den Empfängerkreis zu erweitern. 

Judith Brosel zeigte sich wenig beeindruckt. Die Mail des Unternehmers beantwortet die mit einem knappen: „vielen Dank Ihnen“. Am selben Tag veröffentlicht sie einen Beitrag mit dem Titel „Datenskandal bei Jobbörse – Ermittlungen gegen Datenhändler“. Wie gewohnt verwendet Judith Brosel das Logo des betroffenen Unternehmens zur Illustration ihres Berichts.

Eine Kopie der Email an Judith Brosel erhielt auch der Ressortleiter der SWR Recherche Unit Adrian Peter. Der erfahrene Reporter war bereits Mitte Mai 2019 auf mögliche Ungereimtheiten im Zusammenhang mit den Recherchen von Judith Brosel aufmerksam gemacht worden, sah aber keinen Handlungsbedarf. Einen umfangreichen Fragenkatalog zum Thema journalistische Sorgfaltspflichten beantwortete Adrian Peter leicht sarkastisch:

Vielen Dank für Ihre Mails an Frau Brosel und das darin zum Ausdruck kommende Interesse an unserer Arbeit. Dennoch muss ich mitteilen, dass wir aus Gründen des Rechercheschutzes keine Angaben zu Einzelheiten unserer Recherchetätigkeit machen werden. Grundsätzlich kann ich Ihnen mitteilen, dass wir selbstverständlich alle Kriterien der journalistischen Sorgfaltspflicht einhalten.

Medienexperte über Judith Brosel: „Der Fall erinnert an Claas Relotius“

Ein investigativer Journalist, der sich über Monate intensiv mit der Materie beschäftigt hat, kommt zu einer völlig anderen Bewertung des Falls als SWR-Ressortleiter Adrian Peter. Aus seiner Sicht ist die Arbeitsweise der SWR-Reporterin Judith Brosel kaum mit journalistischen Standards zu vereinbaren: „Es ist zum Haare raufen.“ Noch deutlicher wird ein renommierter Medienexperte. Aus seiner Sicht handele es sich bei den Werken von Judith Brosel nicht um seriöse Berichterstattung, sondern eine gezielte Schmutzkampagne:

Die Behauptungen sind konstruiert worden, um ein breites Interesse in der Öffentlichkeit zu wecken. Es handelt sich um eine gezielte Verleumdungskampagne, das hat mit seriösem Journalismus nichts zu tun. Mich erinnert die Arbeitsweise an Claas Relotius.

In der Tat gibt es diverse Parallelen zwischen dem bekannten Skandalreporter Claas Relotius und der SWR-Redakteurin Judith Brosel. Beide Reporter galten als journalistische Ausnahmetalente mit überdurchschnittlichen erzählerischen Fähigkeiten. Sowohl Claas Relotius als auch Judith Brosel machten früh Karriere bei renommierten Medienanstalten und wurden schon zu Beginn ihrer Laufbahn mit Journalistenpreisen ausgezeichnet.

Und wie bei Relotius wurden auch im Fall von Judith Brosel Hinweise auf Manipulationen von den Vorgesetzten und Verantwortlichen nicht ernst genommen. Spiegel-Chefredaktuer Steffen Klusmann beschreibt das zugrundeliegende Problem treffend in einem offenen Brief: „Im Umgang mit dem Kollegen waren wir intern so blauäugig wie wir das bei Recherchen nie akzeptieren würden.“

Der Spiegel war nach Bekanntwerden der jahrelang veröffentlichten Fälschungen von Claas Relotuis in die schwerste Vertrauenskrise der Verlagsgeschichte gestürzt. Die Folge war eine konsequente Aufarbeitung des Skandals durch eine unabhängige Kommission, die Verbesserung der Kontrollgremien und die Einrichtung einer neutralen Ombudsstelle. Der SWR hat bisher keine Konsequenzen aus dem Recherche-Skandal in der Investigativ Redaktion gezogen.

5 Kommentare auch kommentieren

  1. Eva Hansen sagt:

    Wenn man sonst keine interessanten oder spannenden Stories hibekommt, dann inszeniert man eben etwas. Da kann man mal wieder sehen, dass die Typen von der Presse und vom Fernsehen offenbar viel Mist machen, um erfolgreich zu sein. Aber auf Kosten von anderen, das ist mies!!!

  2. navy sagt:

    was will man erwarten, bei der twitter, facebook, instagram und smartphone Verblödung?

  3. Reiner Steppkes sagt:

    Und ich habe mich schon immer gewundert, wie die Journalisten es schaffen, alle Seiten meiner Lieblings-Tageszeitung täglich genau voll zu bekommen…

  4. Reiner Arlt sagt:

    Der angegriffene Unternehmer ist wahrlich zu bedauern.
    Aber diese Lügen und Verdrehungen sind nur ein Klacks gegen das, was der Lügenjournalismus des Rundfunks und der „Etablierten“ in Sachen Politik anrichtet!

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