Glönkler und Bauschatz begründen die Kündigung damit, Blackburn habe das Vertrauen der Schwestern missbraucht, Mitarbeiter hätten sich bei den beiden gemeldet. Einer der krassesten Vorwürfe: Blackburn soll einer Mitarbeiterin nach nur wenigen Monaten Betriebszugehörigkeit eine Sonderzahlung zugedacht haben, die durch ihren Arbeitsvertrag in keiner Weise gedeckt gewesen sei.

Robert Blackburn weiß, wer was kann: er selbst. Beim Chemieriesen BASF habe er „die globale Transformation und die Digitalisierung (…) maßgeblich vorangetrieben“, sagt der Mann über sich. Allerdings hat es in Ludwigshafen nie zum Vorstand gereicht, Blackburn verließ den Konzern als President Supply Chain Operations & Information Services und entschied sich, die Ausfahrt in den Mittelstand zu nehmen.

Seine Wahl fiel auf Hoffmann, einen Hersteller und Lieferanten von Profiwerkzeugen aller Art, mit mehr als 70 000 Artikeln im Angebot und in mehr als 50 Ländern präsent. Umsatz: gut eine Milliarde Euro, Zentrale: München-Pasing.

Es sollte eine – selbst für die an Dramen nicht arme Welt der deutschen Familienunternehmen — aufregende Visite werden.

Die Firma mit rund 2700 Beschäftigten gehört Verena Heinrich und Nicola Januschke-Bleicher. Die Schwestern, wohnhaft in der Villenkolonie Gern, in der Münchener Society ansonsten aber unauffällig, widmen sich mit Inbrunst der konzerneigenen Stiftung. Ihre Firma, 1919 gegründet, interessiert sie im Groben.

Auf Blackburn, den Mann mit dem amerikanischen Akzent und deutschen Pass, stoßen sie 2016, als sie einen neuen Chef für ihren Beirat suchen. Den führte bis dahin Siemens-Grande Heinrich von Pierer. Nur wenige Monate später, Anfang 2017, befördern sie Blackburn zum CEO. Sein Auftrag, wie üblich in diesen Tagen: digitalisieren und internationalisieren.

Blackburn, ausgestattet mit fürstlichem Gehalt, legt ebenso energisch wie umsichtig los: Er bringt die Übernahme des nur drei Jahre alten, aber gefährlich aggressiven Digitalrivalen Contorion für rund 130 Millionen Euro über die Bühne, macht aus Hoffmann eine europäische Aktiengesellschaft und versammelt einen – der Papierform nach – veritablen Aufsichtsrat um sich. Am 11. Dezember stattet ihn das handverlesene Gremium mit einem Sechsjahresvertrag aus.

Allerdings macht Blackburn seine Rechnung ohne zwei Männer, die ebenfalls um die Gunst der Unternehmerinnen buhlen: Peter Bauschatz (46) , langjähriger Anwalt der beiden, und Bernd Glönkler, Vermögensverwalter der Familie. Nur zehn Tage nach Blackburns Vertragsverlängerung marschieren Glönkler und Bauschatz, verstärkt um eine Arbeitsrechtlerin, in die Konzernzentrale ein, händigen ihm in der Kantine seine Kündigung aus und geleiten ihn erst in sein Büro und kurze Zeit später aus dem Haus. Sämtliche Aufsichtsratsmitglieder werden gleich mitentfernt und durch Bauschatz, Glönkler sowie die beiden Schwestern ersetzt.

Eine Palastrevolte, wie sie nicht einmal die bayerische und skandalerprobte Wittelsbacher Dynastie je erlebt hat.

Glönkler und Bauschatz begründen die Kündigung damit, Blackburn habe das Vertrauen der Schwestern missbraucht, Mitarbeiter hätten sich bei den beiden gemeldet. Einer der krassesten Vorwürfe: Blackburn soll einer Mitarbeiterin nach nur wenigen Monaten Betriebszugehörigkeit eine Sonderzahlung zugedacht haben, die durch ihren Arbeitsvertrag in keiner Weise gedeckt gewesen sei. Anwalt Bauschatz, inzwischen Aufsichtsratschef, hat Zielfahnder in das Unternehmen geschickt, um die Ära Blackburn aufzuarbeiten. Neben der Mitarbeiterführung wird auch die Vergabe von Aufträgen an Berater durchflöht.

Über einen erweiterten Bewegungsspielraum darf sich auch Glönkler freuen. Er ist etwa Mitglied des Gesellschafterausschusses und Geschäftsführer einer GmbH der Holding – für einen Vermögensverwalter wie ihn eine superbe Konstellation. Zumal Glönkler viele Ideen haben soll, wie man das Geld der Schwestern breiter investieren könnte, etwa in Immobilien.

Von den Beteiligten will die Vorgänge niemand kommentieren. Blackburn hat gegen seine Kündigung geklagt und vertreibt sich die Zeit bei der Bundesvereinigung Logistik (BVL). Dort ist er seit Januar Chef — ehrenamtlich, aber ganz nach seinem Geschmack. Im Vorstand hat er Branchengrößen wie Post-Vorstand Jürgen Gerdes und Kühne-Chairman Karl Gernandt unter sich.

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