Was verbindet die Billigbestellung in China und den klammen Kumpel in der Kneipe? Paypal. Beim ersteren habe ich was gekauft, den zweiten hat eine unerwartete Notlage ereilt. Der alte Studienkollege in Kenia bekommt sein Geld per Western Union, das Bahnticket läuft über Lastschrift, die Erpressung über Bitcoin, die Spezialflaschenbestellung über Paydirekt, das Auto mieten mit Kreditkarte und woanders noch was mit Sofortüberweisung. Nicht zu vergessen, die gute alte EC-Karte an der Supermarktkasse. Facebook bläst nun zum Angriff auf dieses Wirrwarr und versucht sich mit der Installation einer weltweit verwendbaren Kryptowährung.  Der Informationshändler hat zur Entwicklung der Kryptowährung „Libra“ eine Firma im schweizerischen Genf gegründet. Das System soll bereits 2020 marktreif ein. Bisher lautet das Versprechen, der Wert der Krypto-Währung soll durch Kapital in echten Währung gedeckt sein. Das ist auch ein Angriff auf eine, die schon da ist: der Bitcoin.

Keine Aufsicht, keine Regulierung, keine Notenbank, aber dennoch ein noch nie gesehener Massenzulauf: der Bitcoin zieht als digitale Kryptowährung immer mehr Glücksritter an. Die digitale Währung, 2012 noch 10 Dollar wert, knackte unlängst die 15.000 Dollar-Marke. Weder fehlt es vor Crash-Warnungen noch vor Verbotsphantasien. Auch vor Angriffen war der Bitcoin nicht gefeit, doch im Großen gesehen wurden alle Probleme gelöst. Offen ist, ob Spekulation den deren Höhenflug antreibt oder da einfach das richtige Produkt im richtigen Moment zur Füllung der Marktlücke bereit stand. Verbotsphantasien hin oder her: als dezentrales Konstrukt lässt sich der Bitcoin nicht einfach abschalten.

Facebook will mit seiner eigens gegründeten Unternehmenstochter Calibra zum selben Ziel kommen, nur bodenständiger. Vorrangig muss die Unternehmenstochter die Trennung der Datenfirma von dem Bankgeschäft garantieren. Ansonsten hat der Social-Media-Anbieter zur Entwicklung Unterstützung von rund 20 Firmen aus unterschiedlichen Sparten ins Boot geholt. So sollen MasterCard und Paypal das System für Zahlungen in die Spur schieben. Aus dem Bereich Technologie und Marktplätze arbeiten Firmen wie eBay, MercadoPago, Spotify AB oder Uber mit. Für Telekommunikation konnte man beispielsweise die Vodafone-Gruppe gewinnen. Für die Sicherheit durch Blockchain-Technologie  verlässt man sich unter anderem auf Anchorage und Bison Trails.

Nun bleibt abzuwarten, ob bei Facebook angelegtes Geld genau so sicher verwahrt ist wie Daten.

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