Investoren stehen damit vor den alten Wahlmöglichkeiten: Genügsam sein mit Merkel-Garantie, oder ambitioniertere Ziele verfolgen? Wie immer verbunden mit höherem Risiko. Fast 2 Prozent kostet die Genügsamkeit samt Inflation – wo das Geld bei der Bank doch eigentlich mit dem Zinseszinsprinzip wachsen sollte.

Wer auf absolute Sicherheit baut, muss sich mit ein paar Prozentelchen weniger begnügen: Diese Weisheit ist so alt wie der Markt. Die zehnjährige Bundesanleihe ist für Investoren nicht nur ein zinsloses Geschäft geworden, sie zahlen mittlerweile sicher drauf: Die Rendite des Staatspapiers liegt aktuell bei minus 0,3 Prozent im Jahr. Dazu kommt die Inflation von derzeit 1,6 Prozent gegenüber dem Juni 2018. Trotzdem scheinen sich Investoren darum zu reißen, in die Papiere investieren zu dürfen. Vielen scheint im AAA-Ranking der Bundesrepublik Deutschland doch ein verlockender Sicherheitsanker zu liegen. Das 2018 auf 5,9 Billionen Euro bezifferte Geldvermögen der Deutschen vertraut der Merkel-Garantie von 2008. 2,2 Billionen Euro liegen auf Giro-, Tages- und Festgeldkonten und begnügt sich mit den knappen Zinsaussichten.

Investoren stehen damit vor den alten Wahlmöglichkeiten: Genügsam sein mit Merkel-Garantie, oder ambitioniertere Ziele verfolgen? Wie immer verbunden mit höherem Risiko. Fast 2 Prozent kostet die Genügsamkeit samt Inflation – wo das Geld bei der Bank doch eigentlich mit dem Zinseszinsprinzip wachsen sollte.

Wer auf Sicherheit setzt ist gut beraten, den niedrigen Zins zu akzeptieren. Hohe Sicherheit mit etwas höherer Rendite bieten breit gestreute Renten-Spezialfonds. Auch defensive und dividendenstarke Aktien sind Mittel der Wahl gegen Inflationsverluste. Riskante Langläufer sind hingegen eine Katze im Sack. Seitenläufer auf dem Markt ist da noch der Sonderfall Gold. Nullzins, garantierte Nullrendite, derzeit aber geadelt mit steigenden Marktpreisen und hohen Sicherheitsaussichten. Steigende Marktpreise sorgten seit 2004 langfristig gesehen für beachtliche Gewinne.

Sehr viel höhere Aussichten stecken im so genannten Grauen Kapitalmarkt. Das sind Geldanlagen jenseits der Merkel-Garantie. Auch wenn „grau“ negativ konnotiert ist, sind diese Anlagen weder halblegal noch aussichtsschwach. Weil Banken immer Sicherheiten wollen die Erfinder nicht immer zu bieten haben, sucht Innovation und Gründergeist häufig seine Finanzierung auf dem Grauen Kapitalmarkt. Hoch solide Geschäftsmodelle finden sich da ebenso wie windige Betrüger. Bewerter wie die Zeitschrift „Finanztest“ raten automatisch von Investitionen ab, wenn bei Renditeversprechen eine 5 oder mehr vor dem Komma steht. Liquidität oder das Geschäftsmodell überprüfen die Finanztester gar nicht. Dennoch bieten innovative Märkte Möglichkeiten, auch 2019 solche Renditen zu erzielen. Die Liste glücklicher Shareholder dürfte die der Gefoppten bei weitem übersteigen – jedoch ohne die Merkel-Garantie. Es gibt da Beispiele von zwischenfinanzierten Hausbauprojekten ebenso wie Fischzucht oder Online-Bekleidungshandel. Manche Anbieter können sich sogar Liquiditätssiegel renommierter Wirtschaftsauskunfteien anheften oder mit hoher Besicherung des eingesetzten Kapitals werben. Bei Renditen bis zu 8 Prozent sollten die Anleger überlegen, wie wichtig die Merkel-Garantie ist. Zwischen 2 Prozent minus und 8 Prozent plus bewegt sich doch eine erhebliche Spanne.

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