Zahlt die Autoindustrie den Preis für Klimaschutz?

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Es brechen harte Zeiten an für Deutschlands Autobauer. Bis 2030, das sind nur gut 10 Jahre, soll nach Meinung von Experten jeder 10. Arbeitsplatz wegfallen. Ein Hammer, wenn man bedenkt, dass das in Zahlen ausgedrückt etwa 234.000 Arbeitsplätzen entspricht. Entsprechend werden die Umsatzzahlen einbrechen und ein ganzer Industriezweig wird geschrumpft. Die E-Mobilität kommt immer besser in Schwung und wird den Dieselmotor komplett verdrängen, dazu wird der Hybrid-Antrieb ein strukturelles Umdenken in der Automobilbranche erfordern. Wer den Wandel verschläft, der wird den Preis dafür zahlen.

Die Autoindustrie ist einer der wichtigsten Industriezweige der Bundesrepublik. Hier wurden jahrzehntelang Wirtschaftserfolge gefeiert und Milliarden umgesetzt. Doch die Zeiten haben sich verändert, die Erderwärmung und die Klimarettung fordern ihren Tribut. Es muss sofort gehandelt werden, damit man den Raubbau an der Erde irgendwie stoppen kann. Ein wichtiger Bestandteil der CO2-Reduzierung ist es, die Abgase von Autos, Lastwagen, Schiffen und Flugzeugen zu reduzieren. Das geht entweder dadurch, dass man weniger Fahrzeuge baut oder diese umrüstet. Dieser Prozess kostet, kostet viel, so dass der VW-Konzern in den nächsten 4 Jahren allein für die E-Mobilität 33 Milliarden Euro bereitstellen wird. Zeitgleich werden bis zu 7.000 Stellen wegfallen. Das gleiche droht den anderen Autoherstellern und erklärt den Jobverfall der nächsten 10 Jahre. Fast ein bisschen anachronistisch klingt dazu die Aussage von Markus Söder, Bayerns CSU-Chef, die gestern lautete: „Manche definieren das Auto als Feind. Wie wir in Deutschland unsere wichtigste Industrie schlechtreden, das gibt es nur bei uns. Ich wünsche mir mehr Patriotismus für die deutsche Autoindustrie.“ Bedeutet das, dass Söder das Überleben der Autoindustrie vor die Rettung des lebensnotwendigen Klimas stellt? Fast hört es sich so an und zeigt, wie sehr unsere Politiker den Weitblick für globale Problematiken offenbar verloren haben.

Natürlich sind es die strengeren Gesetze, die die Hersteller von Automobilen dazu zwingen, die PKW sauberer zu machen und die Reduzierung von Schadstoffen zu intensivieren. Es geht hier um weit mehr als um wirtschaftliche Erfolge. Es geht um die Verantwortung für nachkommende Generationen, und um die Aufforderung, dass Autohersteller Milliarden in alternative Antriebstechnik investieren müssen. Dazu zählen Elektro, Wasserstoff und Bio-Kraftstoff. Der Diesel-Skandal hat ebenfalls dafür gesorgt, dass das Saubermann-Image der deutschen Autoindustrie mehr Schein als Sein ist, und dass um des schnöden Mammons wegen gelogen und betrogen wird. Dadurch, dass man Abgaswerte gefälscht hat, wurden jahrelang wesentlich höhere Umweltbelastungen für Mensch und Tier verantwortet – und ganz nebenbei die zu erreichenden Klimaziele mit Füßen getreten. Auch Audi, die in den Skandal mitverwickelt sind, wollen 9.500 Jobs wegfallen lassen.

Vielleicht ist es der richtige Zeitpunkt, um der Automobilindustrie die „rote Karte“ zu zeigen und die sprudelnden Geldquellen ein wenig mehr trockenzulegen. Jahrzehntelang konnten großzügige Gewinnbeteiligungen, Tantiemen, tolle Betriebsrenten und herrschaftliche Manager-Gehälter gezahlt werden – auf Kosten der Umwelt, wie man heute weiß. Doch nun hat ein Umdenkprozess begonnen, dem viele Arbeitsplätze zum Opfer fallen werden. Besonders schlimm kann es werden, wenn zum Beispiel ausländische Abnehmer wie China wegfallen, weil Deutschland wie im Fall von Telekommunikationsriese Huawei die Ausgrenzung chinesischer Technologien vorantreibt. Dann hätte Daimler-Benz ein echtes Problem, weil China mittlerweile zum Hauptabsatzmarkt für den Stuttgarter Autobauer geworden ist. Schon heute plant der Vorstand unter Ola Källenius, für Personal 1 Milliarde Euro bis 2022 einzusparen, um gegenzusteuern.

Die Autoindustrie befindet sich im Wandel. Und wer den Preis am Ende zahlt, hängt vom Verständnis und von der Weitsicht der Entscheider ab. Ein Radikalumbau zum E-Auto hat für alle oberste Priorität. Da müssen letztendlich dann nur noch die Verbraucher für diese wichtige Thema sensibilisiert und überzeugt werden. Eine Mammutaufgabe für den gesamten Industriezweig.

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