Flughafen Tegel: Absurde, schikanierende „Corona-Kontrollen“

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Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind überall unterschiedlich, am Berliner Flughafen Tegel allerdings scheint das Virus die Verantwortlichen derart in Wallung versetzt zu haben, dass mit völlig absurden Kontrollmaßnahmen die Reisenden belästigt und beim Check-in sogar behindert werden. Ausgangspunkt für die massive Kritik sind Einlass-Kontrollen in den Terminals, wo Flugreisende erst passieren können, wenn sie einer Aufsichtsperson ihre Boarding- bzw. Buchungsunterlagen gezeigt haben. Sind diese nicht vorhanden, weil beispielsweise der Reisende erst am Flugschalter einchecken will und daher keinen Boarding-Pass mit sich führt, wird ihm der Eintritt in den Terminal verwehrt. Das alles hat nichts mit der Abstands- oder Maskenpflicht zu tun, sondern der Flughafen ist auf die absurde Idee gekommen, Einlass-Kontrollen durchzuführen. Damit kann man zwar das Virus nicht eindämmen, dafür aber Reisende ordentlich schikanieren und den Check-in erschweren.

Kurz bevor Tegel in einigen Monaten geschlossen wird, und der beliebte Flughafen den Berlinern trotz mehrfacher Unterschrift-Aktionen für den Erhalt des historischen Flugplatzes genommen wird, damit man zukünftig nach Brandenburg ausweicht, haben sich die Betreiber eine Variante der Kontrolle einfallen  lassen, die manche Reisende zur Verzweiflung bringt. Corona in aller Munde, da dachten sich die TXL-Verantwortlichen offenbar, sie müssten einen persönlichen Feldzug gegen die Corona-Pandemie führen und mit Extra-Kontrollen am Eingang zu den Terminals die Reisenden aufhalten und kontrollieren, um zu sehen, wer berechtigt ist die Terminals zu betreten oder nicht. Masken- und Abstandspflicht, das sind die in Deutschland gängigen Maßnahmen, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern bzw. einzugrenzen. Extra-Kontrollen, ob Flugreisende einen Boarding-Pass oder Flugunterlagen besitzen, sollen bis dato noch nicht zu den präventiven bzw. effektiven Schutzmaßnahmen gehören. Tegel aber zieht diese Linie gnadenlos durch. Entgegen jedem Wissen, dass nicht zusätzliche Kontrollen förderlich sind, um eine Pandemie zu stoppen, sondern ein entsprechend angepasstes Verhalten der Menschen.

Der uns übermittelte Fall eines Reisenden, der die Auswirkungen der Tegel-Vorkehrungen am eigenen Leib zu spüren bekam, ist so absurd und irreal, dass wir darüber berichten wollen. Am 11.Juli dieses Jahres wollte ein Fluggast mit Eurowings von Tegel nach Düsseldorf fliegen. Er hatte allerdings nicht wie üblich im Vorfeld der Reise online eingecheckt, sondern wollte dies direkt am Eurowings-Schalter im Terminal machen. Im Terminal D angekommen, wurde er bei Betreten des Terminals von einem Flughafenmitarbeiter aufgehalten, der sich direkt an der Tür platziert hatte, um von allen Reisenden die Flugunterlagen zu kontrollieren. Diese Maßnahme war für den vielfliegenden Geschäftsmann völlig neu, so dass er dem Mitarbeiter mitteilte, dass er noch keinen Boarding-Pass habe, weil er aus Zeitgründen direkt am Schalter einchecken wollte. Da das bei jeder Airline ohne Probleme möglich ist, sollte dieser Vorgang eigentlich nicht problematisch sein. Anders aber in Tegel bei dem Flughafenangestellten. Er weigerte sich, den Fluggast zum Schalter durchzulassen und bestand auf irgendeinen Nachweis, ein Dokument, für den anstehenden und im Internet gebuchten Flug. Auch auf dem Mobiltelefon hatte der Reisende keinen QR-Code runtergeladen, so dass er keinen Beleg für seinen Flug hatte. Dann gäbe es keinen Einlass betonte der Kontrolleur. Da es aber mittlerweile nur noch 45 Minuten bis zum Abflug waren, drängte die Zeit, um an den Check-in-Schalter zu gelangen und die Bordkarte zu erhalten. Ein Hinweis auf diesen Umstand ignorierte der Flughafenmitarbeiter mit den Worten. „Das ist mir egal, so kann ich Sie nicht durchlassen.“ Der Reisende, dem unter diesen Umständen die Nerven flatterten, forderte lautstark seinen Einlass und nannte die Situation „idiotisch“ und völlig hirnrissig. Daraufhin alarmierte der Kontrolleur lautstark die Bundespolizei, die am Flughafen Tegel Dienst verrichtet, um sich über den „renitenten Fluggast“ zu beschweren. Außerdem fühlte er sich durch das Wort „idiotisch“ in seiner Ehre gekränkt und wollte Anzeige erstatten. Gesagt, getan, zwei Bundespolizisten erschienen, hörten sich die Versionen des Vorgangs beider Beteiligten an, um dann die Personalien des Reisenden aufzunehmen. Die Uhr lief, und immer noch nicht war der Vielflieger eingecheckt. Das störte aber weder die Bundespolizisten, noch den Flughafenmitarbeiter. Dieser bestand auf eine förmliche Entschuldigung, sonst würde er die Anzeige wegen Beleidigung nicht zurücknehmen. Der Einwand des Fluggastes, dass dieser niemand beleidigt habe, hatte bei diesem absurden Hin-und Her-Dialog keine Berücksichtigung gefunden. Also entschuldigte sich der Reisende zähneknirschend und durfte endlich zum Einchecken in den Terminal gehen. Mit Begleitung der beiden Bundespolizisten, die mittlerweile für allgemeines Aufsehen gesorgt hatten, weil sie sich auffällig lange um den Fluggast kümmerten. Die beiden hatten plötzlich die Idee, in der internationalen Verbrecherdatei die Daten des Reisenden abzugleichen – vielleicht hatte dieser ja tatsächlich noch mehr auf dem Kerbholz als nur beleidigendes Verhalten. Also wieder Ausweis rausholen, Adresse abgleichen und das Geburtsdatum überprüfen. Die Abfrage war allerdings negativ. Der Fluggast hatte sich mittlerweile einen Platz in der Ecke der Wartehalle gesucht, um das Boarding abzuwarten und seine ramponierten Nerven mit ein paar Atemübungen wieder in den Griff zu bekommen. Dann plötzlich tauchten die beiden Bundespolizisten zum dritten Mal bei ihm auf und teilten ihm mit, dass die vorgesetzte Beamtin bei der Bundespolizei bestimmt habe, man würde nun doch Anzeige wegen Beleidigung stellen wollen. Obwohl die Sache mit beiden Beteiligten bereits abgehandelt war. Zum 3. Mal wurde der Reisende aufgefordert, seinen Ausweis und die Flugkarte zur Aufnahme aller Daten herauszugeben. Mit dem Hinweis, dass er nun Verdächtiger einer Straftat sei. Wieder hefteten sich alle Blicke auf das Trio mit Polizei und Verdächtigem, was diesem natürlich mehr als unangenehm war, aber offensichtlich zur gängigen Praxis der Beamten gehörte – mit aufmerksamkeitsstarken Aktionen einen Reisenden zu  befragen und zu belehren.

Wer dieses tolldreiste Vorkommnis miterlebt hat, der wird sich fragen, ob Berlin keine anderen Probleme hat, als seine Bundespolizisten in Nichtigkeiten wie diese einzubinden, anstatt sich um die wirklich wichtigen Angelegenheiten in und um Berlin zu kümmern. Einen Fluggast in dieser Form bloßzustellen und zu demütigen, wie es an jenem Samstagmorgen am Berliner Flughafen Tegel passiert ist, ist einer Metropole wie Berlin einfach unwürdig. Da kann man gut verstehen, dass seinerseits der Fluggast Anzeige wegen falscher Beschuldigung stellen will und Beschwerde eingelegt hat wegen Schikanierung und Nötigung. Die Maßnahmen des Flughafens, bei nicht vorhandenen Dokumenten oder Belegen den Einlass und damit den Zugang zum Check-in-Schalter zu verwehren, sollten unverzüglich überdacht und geändert werden. Sonst wird es zu weiteren Vorkommnissen kommen, die dem Ansehen der Hauptstadt sicherlich auf lange Sicht nicht zuträglich sind.

 

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  1. Gregor Matuschak sagt:

    Typisch Berlin: den einen Flaughafen kriegen sie nach 5 Jahren nicht in Betrieb, den anderen wollen sie schließen, obwohl die Mehrheit der Berliner Tegel behalten will. Und dann solche Kontrollen, mit wahrscheinlich übermotivierten Mitarbeitern und solche hirnrissigen Aktionen, das passt alles zur Chaos-Hauptstadt 5.0.

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