Aussichten für die Wirtschaft nach der zweiten Welle

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Mit der Entwicklung und Anwendung eines wirksamen Corona-Impfstoffes hoffen viele auf eine Lockerung der Abstandsregelungen und Rückkehr zum Alltag. Für die Wirtschaft könnte dies Erholung und Aufschwung bedeuten.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es 44 mögliche Impfstoffe gegen das Corona-Virus, die sich in der klinischen Testphase befinden (Stand 19. Oktober 2020). Die Hoffnung bleibt, dass es eventuell noch 2020 oder Anfang 2021 möglich ist den Impfstoff einzusetzen. Für die deutsche Wirtschaft könnte ein bald verfügbarer Corona-Impfstoff die Konjunktur herbeirufen, auf die seit dem Einbruch durch die erste Welle gewartet wird. „Ein wirksamer und nebenwirkungsarmer Impfstoff ändert alles“, teilte der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Gabriel Felbermayr, mit und fügte hinzu: „Wenn damit zunächst Risikopersonen wirklich effektiv geschützt werden können, könnte man in vielen Bereichen des sozialen Konsums wie zum Beispiel dem Kulturbereich, der Gastronomie oder dem Beherbergungsgewerbe zur Situation im Sommer zurückkehren.“ Laut IfW wären keinerlei Einschränkungen mehr notwendig, sobald die deutsche Bevölkerung zu 50 bis 60 Prozent durchgeimpft sei.

In Deutschland wird mit Hochdruck an einem Impfstoff gearbeitet. Die Universitätsmedizin Rostock hat sich in den vergangenen Jahren als Kompetenzzentrum für Studien, in denen es um Impfstoffe geht, einen Namen gemacht. So wurde auch die Erforschung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus begonnen. Allerdings wurde die Forschung an der Universität Rostock zwischenzeitig eingestellt, da bei einer Testreihe in der Vereinigten Staaten ein Teilnehmer im Oktober unerklärt erkrankt war. Inzwischen laufe die Forschung an einem Corona-Impfstoff des Pharmakonzerns Johnson & Johnson aber wieder weiter, teilte der Leiter des Rostocker Teils der Studie, der Infektionsmediziner Professor Emil Reisinger mit. Mittlerweile habe sich bestätigt, dass dessen Erkrankung nichts mit dem Impfstoff zu tun gehabt habe, erklärte Reisinger.

Logistische Probleme erschweren die Impfungen

Nach der Zulassung kann jedoch nicht sofort die gesamte Bevölkerung geimpft werden. Dafür gibt es zu wenig Impfdosen. Es sollen deshalb vor allem zunächst die Risikogruppen versorgt werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rechnet mit einem Start der Impfungen Mitte 2021. Allerdings wird die Impfkampagne gegen Corona mehrere Jahre dauern, erklärte der stellvertretende Vorsitzende des Sachverständigenrats Gesundheit der Bundesregierung, Matthias Schrappe, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Ausgangspunkt der Modellrechnung sind 60 Millionen Menschen, die geimpft werden müssen. Wenn pro Arbeitstag 60.000 Impfdosen verabreicht werden können, würde die Impfung 1.000 Arbeitstage dauern. „Also etwas mehr als drei Jahre“, erklärte der Mediziner. Allerdings sei dieses Impfprogramm sehr optimistisch berechnet. Vergangene Impfprogramme, wie etwa gegen Pocken oder Polio hätten Jahrzehnte gedauert. Es ist ein „komplizierter gesellschaftlicher Prozess“, erklärte Schrappe. Erschwerend kommt hinzu, dass die Aufbewahrung und Transport der Impfstoffe spezielle Kühlbehälter voraussetzt, die auch erst einmal in Großer Stückzahl angefertigt und verteilt werden müssten.

Auch Lars Feld, Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Freiburg warnt vor den „Erwartungseffekten“ des Impfstoffes. „Darauf verlassen würde ich mich an dieser Stelle aber noch nicht“, betonte Feld. „Für die weitere Entwicklung ist entscheidend, wie die Pandemie eingedämmt werden kann und wie sich die Wirtschaft im Ausland entwickelt.“

Das Robert Koch Institut (RKI) wies in einem im Oktober veröffentlichten Strategiepapier darauf hin, dass auch mit Impfstoff der Alltag eingeschränkt bleiben wird. Konkret bedeutet das, Masken und Abstandsregelungen werden auch nach dem Impfstoff den Alltag beeinflussen. „Auch wenn die Impfung ein wichtiger Teil der Pandemie­bekämpfung ist, wird diese allein – insbesondere in der ersten Phase der sicher limitierten Verfügbar­keit – nicht ausreichen und muss weiterhin einhergehen mit verantwortlichem Verhalten und gewissen Modifikationen des Miteinander-Seins …“, hieß es in dem Papier.

Dennoch geht das IfW davon aus, dass die Pandemie ab Frühjahr 2021 erfolgreich zurückgedrängt werden kann. Für die Wirtschaft in Deutschland könnte dies ein Wachstum des Pro-Kopf-Einkommens von vier bis fünf Prozent bedeuten. „Das Eintreten dieser Annahme wird nun zusehends realistischer“, sagte Felbermayr. „Die Voraussetzung dafür ist, dass der Impfstoff auch tatsächlich für viele Hunderte Millionen Menschen weltweit produziert und verabreicht werden kann.“

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