Das Image des DFB (Deutscher Fußballbund) ist mächtig ramponiert

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Die Töne werden rauer, die Kritik am DFB und seinem Präsidium wird immer lauter und die Personalentscheidungen sind fragwürdig. Der Deutsche Fußballbund ist in gefährliches Fahrwasser geraten, es drohen Machtkämpfe, Zerwürfnisse und echte existenzielle Sorgen. Es scheint mittlerweile so, als wäre der DFB-Präsident Fritz Keller nicht der richtige Mann an der Spitze. Schon öfter gab es Kritik an der fehlenden Fußball-Kompetenz, Keller ist als Winzer und Gastronom komplett aus fremdem Lager und sein Vize Rainer Koch sitzt beruflich zwischen vielen Stühlen, mischt mal hier mit und mal dort. Doch das 100%ige Vertrauen von Keller als dessen Vertreter genießt er nicht und man sagt bereits, dass der Abschied von Christian Seifert als DFL-Chef ein erstes Warnzeichen für kollektives Versagen und Missmanagement gewesen ist, was man allerdings nicht richtig interpretiert hatte. Der Verband, seinerseits größtes Fußballorgan weltweit, scheint völlig zerrissen und nahezu handlungsunfähig, weil der Konsens und die Führungsstrategie fehlen. Alarmierende Zeiten, die den deutschen Fußball erschüttern könnten.

Die BILD schreibt in ihrer Freitagsausgabe am 4.Dezember mit großen Lettern: SAUSTALL DFB. Eine so schwerwiegende Aburteilung geht bereits in den Bereich von „Majestätsbeleidigung und Frevel“ hinein, scheint aber im Kern die ganze Misere um Deutschlands Fußballverband Nr.1 widerzuspiegeln. Spätestens nachdem die geplante Präsidiumssitzung über die Zukunft von Joachim Löw und seinem Trainerstab abgesagt wurde, weil man vorschnell Löw im Amt bestätigt hatte, war klar geworden, dass der DFB reformbedürftig ist und dass man dringend die Kernkompetenzen einzelner Mitglieder hinterfragen muss. Löw ist als Bundestrainer schwer angeschlagen und vom Großteil der Fußballfans bereits seines Amtes enthoben, nicht allerdings vom DFB, der ihm erstaunlicherweise eine weitere Chance zur Rehabilitation geben will. Auch ein Oliver Bierhoff als Teammanager steht in der Kritik, hat sich sein Ehrgeiz und seine Kreativität rund um die Mannschaft verbraucht. Da stellt sich natürlich die Frage, wie qualifiziert die DFB-Spitze eigentlich ist, um so ein großes Unternehmen auf Kurs zu halten: Finanziell, Strategisch und organisatorisch. Worte wie „Glaubwürdigkeit und die Zurückgewinnung von verlorenem Vertrauen“ entpuppen sich mittlerweile als Plattitüden, die Keller nicht mit Inhalt füllen kann, obwohl er es bei Amtsantritt versprochen hatte. Es kommt der Eindruck mehr und mehr auf, dass der Vorstand und seine Mannen erst einmal eigene Gehälter sichern wollen, anstatt den DFB in seinen wichtigsten Bereichen neu aufzugliedern. „Selbstbedienungsladen DFB“ schimpfen bereits böse Stimmen aus dem Hintergrund, die zu wissen glauben, dass Christian Seifert einige prekäre Geheimnisse mit seinem DFB-Abgang davongetragen hat. Geheimnisse um Vorteilnahme, Amtsmissbrauch oder Vetternwirtschaft. Aber als loyaler Ex-Mitarbeiter beim Deutschen Fußballbund hat sich Seifert wie es heißt, ein Schweigegelöbnis auferlegt. Außerdem heißt es ja immer so schön vor deutschen Gerichten: Niemand muss sich selbst belasten.

Der DFB hat rumreiche Zeiten hinter sich, und konnte jahrzehntelang machen was er wollte, außerdem war immer genügend Geld vorhanden und die Aura der Unantastbarkeit schwebte über der DFB-Zentrale. Doch das ist lange vorbei, seit beim Sommermärchen-Skandal 2006 erste dunkle Wolken aufzogen. Nun gab es im Oktober neue Razzien in der DFB-Zentrale, wo auch private Wohnsitze von 6 Funktionären und Ehemaligen durchsucht wurden. Thema: Steuerhinterziehung. „Nur noch Geld, Vermarktung, Politik hätten Priorität im DFB“, beklagte Karl-Heinz Rummenigge kürzlich und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Es läuft offenbar eine Menge schief in Deutschlands Vorzeige-Verband. Von vergifteter Atmosphäre ist die Rede, von Ellbogen-Mentalität und Raffgier. Das passt so gar nicht zum ruhmreichen Image eines Fußballbundes, der immer schon eine Vorbildfunktion für Millionen junger sportbegeisterter Menschen und auch andere Fußball-Nationen hatte. Dieser Ruhm, die einst hervorragende Reputation, verblasst unter Keller zusehends.

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  1. Rico Reimann sagt:

    Eine Schande, dass die Funktionäre offenbar gar keinen richtigen Plan haben, um ein Großunternehmen wie den DFB zu führen. Hauptsache die Gehälter kommen pünktlich, sie liegen zwischen 76.000 und 260.000 jährlich. Verglichen mit den Gehältern der Kicker natürlich „Peanuts“ , aber es geht beim DFB um viel mehr als um gute Entlohnung!!

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