China kommt mit „Wumms“ aus der Krise

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In China ist die Corona-Krise kaum noch zu spüren. Während der Rest der Welt eine Rezession erlebt, wird China als einzige große Volkswirtschaft in diesem Jahr auch wieder ein Wachstum verzeichnen. Die Steigerungsrate bei den Ausfuhren war so hoch wie zuletzt im Februar 2018. Die Rezession ist überwunden.

In China war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wie in vielen Ländern weltweit aufgrund der Corona-Krise im ersten Quartal stark eingebrochen. Allerdings konnte sich die chinesische Wirtschaft schnell wieder erholen. China konnte als erste große Volkswirtschaft den Corona-bedingten Wachstumseinbruch wieder ausgleichen. Die Fabrikaktivität in China ist im November mit dem schnellsten Tempo seit mehr als drei Jahren gewachsen. Daten des nationalen Statistikbüros NBS haben gezeigt, dass der offizielle Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe (PMI) ist von 51,4 auf 52,1 im Oktober gestiegen ist. Das war der höchste PMI-Wert seit September 2017. Trotz der zweiten Corona-Welle kehrt Chinas Industriesektor bei wichtigen Handelspartnern auf das Aktivitätsniveau von vor der Pandemie zurück. Daten von NBS zeigten, dass der offizielle Einkaufsmanagerindex für nicht produzierende Unternehmen von 56,2 auf 56,4 im Oktober angestiegen ist. Dazu gehören vor allem kleine private Unternehmen, die sich in Relation zum verarbeitenden Gewerbe nur langsam von der Corona-Pandemie erholen. Allerdings konnte Rabattaktionen zum „Singles Day“ AM 11. November das Geschäft mit Online-Einkäufen ankurbeln und das Vertrauen in kleinere und mittlere Unternehmen stärken.

Auch die Exporte stiegen im Vergleich gegenüber dem Vorjahr um 21,1 Prozent an, wie aktuelle Zolldaten zeigen. Im Oktober hatte der Anstieg noch 11,4 Prozent betragen, sodass Analysten lediglich von einem Gesamtanstieg von 12 Prozent ausgegangen sind. Doch die Daten haben sämtliche Erwartungen übertroffen. Die Importe blieben jedoch hinter den Erwartungen zurück und sind mit 4,5 Prozent nur leicht angestiegen. Das ist sogar weniger als im Vormonat (4,7 Prozent). Der Handelsüberschuss verdoppelte sich auf 75 Milliarden US-Dollar (61,87 Milliarden Euro).

Damit grenzt sich China von den anderen großen Volkswirtschaften der Welt ab. Während der Rest der Welt inmitten einer Rezession steckt, erlebt China einen wirtschaftlichen Aufschwung. Es wird mit einem Plus von 2,0 bis 2,2 Prozent gerechnet. Im vergangenen Jahr hatte das Wachstum des chinesischen BIPs 6,1 Prozent betragen. Auch in den Jahren davor war es beständig über sechs Prozent gewesen. Frühindikatoren deuten darauf hin, dass das Wachstum im vierten Quartal die 5,5 Prozent überschreiten könnte. Im dritten Quartal waren es bereits 4,9 Prozent. Einige Experten sprechen sogar von einem möglichen Wachstum von mehr als sechs Prozent. Interessant dabei ist, dass das BIP in China im ersten Quartal 2020 noch um 6,8 Prozent im Vorjahresvergleich eingebrochen war. China hat jedoch die Eindämmung der Pandemie seit dem Sommer weitestgehend im Griff und nur noch vereinzelt Infektionen verzeichnet, sodass sich die wirtschaftliche Aktivität wieder normalisieren konnte.

Die chinesische Wirtschaft durchlaufe laut Thomas Gitzel, Chefökonom bei der VP Bank, derzeit eine Sonderkonjunktur. „All die Waren, die von uns in Corona-Zeiten besonders kräftig nachgefragt werden, kommen überwiegend aus China.“ Während die zweite Pandemie-Welle in vielen Ländern für erneute Verunsicherungen sorgt, konnte China den vierten Monat in Folge ein Zuwachs der Exporterträge verzeichnen. Experten wiesen darauf hin, dass dies unter anderem auch auf Corona-bedingte Produktionsunterbrechungen in Fabriken anderer Länder zurückzuführen sei, von denen Chinas Exporteure profitierten.

Trotz des Export-Booms sorgen sich Exporteure über das Erstarken der chinesischen Währung Yuan in den vergangenen sechs Monaten. Sie befürchten, dass Profite und Exportaufträge unter Druck geraten könnten. Laut der australischen ANZ Bank fürchte jeder fünfte Exporteur (18,8 Prozent) negative Auswirkungen. Die chinesische Währung wird derzeit auf dem höchsten Stand seit zweiweinhalb Jahren gehandelt.

Dennoch sind die Aussichten für die chinesische Wirtschaft insgesamt sehr gut. Der internationale Währungsfonds sagt ein Wachstum der chinesischen Wirtschaft von 8,2 Prozent für das Jahr 2021 voraus. „Der Schwung des Wachstums bei Nachfrage und Innovation setzt sich fort – auch die Entwicklung des Exportsektors ist nicht schlecht“, teilte der Ökonom Cao Heping von der Peking Universität der „Global Times“ mit. Jedoch warnte der Forscher Mei Xinyu von Chinas Akademie für Handel und internationale Wirtschaftskooperation vor neuen Handelsspannungen auch unter der dem neuen US-Präsidenten Joe Biden und anderen Unsicherheiten auf den Weltmärkten. „Wegen der Pandemie in diesem Jahr könnte eine neue Runde von wirtschaftlichen und finanziellen Krisen in einigen Schwellenmärkte auftreten“, sagte Mei der Zeitung. Vor allem die negativen Auswirkungen der gelockerten Geldpolitik könnten im kommenden Jahr deutlich hervortreten.

 

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