Candy Crush und „Merkelchen“: Bodo Ramelow macht sich unbeliebt

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Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow spielte während einer Bund-Länder-Beratung zur Pandemie das Video-Spiel „Candy Crush“ auf seinem Handy und nannte die Bundeskanzlerin im neuen sozialen Netzwerk Clubhouse „Merkelchen“. Dafür erntete er jetzt viel Kritik, trotz öffentlicher Entschuldigung. Was es mit der App Clubhouse auf sich hat und wie es für Bodo Ramelow weitergeht.

Die neue US-amerikanische App „Clubhouse“ funktioniert nur über Sprache in Räumen, die virtuell von der Plattform kreiert werden. Jeder und jede kann sich in diese Räume dazu schalten und gegebenfalls mitdiskutieren. Die Themen sind frei wählbar und reichen von Polit-Talks über die Vorstellung neuer Lieder von Musiker*innen bis hin zum gemeinsamen Zähneputzen. Es handelt sich um eine „Art interaktiver Podcast“, wie die Tagesschau schreibt. Die App bedient sich einer sehr elitären Marketing-Strategie, denn mitmachen darf nur jemand, der über einen Link eingeladen wurde und ein Apple End-Gerät verwendet. Auf Ebay wurden bereits die ersten Einladungen für 10 bis 50 Euro verkauft. Datenschutztechnisch steht es noch etwas schwierig um die neue Plattform, denn die User*innen geben beim Erstellen ihres Accounts das ganze Adressbuch frei, um sich anmelden zu können. Viele deutsche Prominente sind bereits auf der App wiederzufinden, wie Joko Winterscheidt oder Olli Schulz. Auch einige junge Politiker*innen und auch Wähler*innen erhoffen sich mehr Kontaktmöglichkeiten durch Clubhouse: „Der klassische Straßenwahlkampf gehört weiterhin dazu, aber gerade solange er pandemiebedingt nur eingeschränkt oder gar nicht möglich ist, ist es umso wichtiger, in sozialen Medien mit Wählerinnen und Wählern in Kontakt zu treten“, so Ricarda Land, die stellvertretende Bundesvorsitzende der Grünen. So fand auch Linken-Politiker und Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow seinen Weg in die neue soziale Plattform.

Ramelow bezeichnete während eines Clubhouse-Gesprächs namens „Trash und Feuilleton“ vor rund 1000 Leuten die Bundeskanzlerin als „Merkelchen“ und gab außerdem zu, während des letzten Corona-Gipfels auf seinem Handy „Candy Crush“ gespielt zu haben. Für ersteres entschuldigte er sich öffentlich auf Twitter und schrieb: „Eine kluge Frau hat mir auf Clubhouse gerade schlüssig den eigentlichen Fauxpas meiner Clubhouse Plauderei dargelegt und es hat mich überzeugt. Den Namen der Bundeskanzlerin zu verniedlichen war ein Akt männlicher Ignoranz. Dafür meine ehrliche Bitte um Entschuldigung.“ Die Entschuldige wurde aber von vielen Seiten nicht angenommen, auch das Handyspielen wurde stark kritisiert. So auch vom Koalitions-Partner SPD: „Wenn sich bewahrheitet, dass Bodo Ramelow während der Ministerpräsidentenkonferenz Handyspiele spielt, dann sollte er sein Verhalten überprüfen“, so Thüringens Innenminister Georg Maier. Auch neuer CDU-Chef Armin Laschet äußerte sich: „Ich spiele keine Computerspiele während der Ministerpräsidentenkonferenz“.

Doch nicht nur die Politik urteilt über Ramelows Verhalten, so auch der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger: „Zu Hause kämpfen die Eltern darum, dass die Kinder am Computer lernen und nicht gamen“, erzählt er der BILD, „und Herr Ramelow macht das Gegenteil: Statt Politik für die Interessen der Kinder zu machen, vergnügt er sich mit Handygames.“ Der Ministerpräsident selber entschuldigte sich in dieser Sache nicht, sondern erklärte, dass die Konferenzen manchmal zehn Stunden lang gehen und er „den Kopf frei bekommen“ möchte, so die Tagesschau. „Die einen spielen Sudoku, die anderen auf dem Handy Schach – ich spiele Candy Crush“, so Ramelow. Er verstehe nicht, wieso andere das als respektlos erachten. Er erklärt, seine Aussage wurde aus dem Zusammenhang gerissen und: „Ich bereue den Abend überhaupt nicht. Aber ich habe sofort auch die Grenzen aufgezeigt gekriegt“, wobei er sich auf die App Clubhouse bezieht.

Thüringen hat momentan besonders stark mit der Corona-Pandemie zu kämpfen. Das Bundesland verzeichnet Inzidenzwerte von über 300, in einigen Landkreisen sogar über 600. Auch das Impfen gestaltete sich als äußerst schwierig und Thüringen belegte anfangs den letzten Platz unter den Ländern. Bodo Ramelow ist seit 2014 Thüringens Ministerpräsident. Die nächste Landtagswahl sollte eigentlich im April stattfinden, wurde aber corona-bedingt auf den September verschoben.

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