Deutscher Terrorist aus Worm festgenommen

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Die Elitesoldaten können es kaum glauben: Der rothaarige Gefangene spricht tatsächlich Deutsch. „Holy Shit, du sprichst Deutsch?“, fragt einer von ihnen. Als der Gefangene mit osteuropäischem Akzent antwortet: „Ich kann Deutsch sprechen“, sind sie völlig verblüfft.

Den Afghanen ist bei ihrer Razzia in der Provinz Helmand in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar dieses Jahres „ein dicker Fisch ins Netz gegangen“ wie ein deutscher Ermittler sagt.

Bei dem Mann mit Turban und Bart handelt es sich um den 36 Jahre alten Deutschen Thomas K. Ursprünglich in Polen geboren, hatte er seinen letzten offiziellen Wohnsitz im rheinland-pfälzischen Worms. Die Soldaten finden bei ihm in jener Nacht Sturmgewehre vom Typ AK-47, Granatwerfer, Utensilien zum Bau von Sprengsätzen, USB-Sticks und auch einen gültigen deutschen Reisepass. K. soll für zahlreiche Anschläge auf afghanische Sicherheitskräfte verantwortlich sein und gilt als bedeutende Figur der afghanischen Taliban.

In deutschen Sicherheitskreisen wird auch eine Verwicklung K.s in den verheerenden Terroranschlag auf die deutsche Botschaft in Kabul am 31. Mai 2017 für möglich gehalten. Bei der Attacke versuchte der Fahrer eines mit Sprengstoff präparierten Tanklastzugs auf das Botschaftsgelände zu gelangen. In letzter Sekunde wurde er zwar von einem Wachmann gestoppt. Dennoch verloren bei der anschließenden Explosion 160 Menschen ihr Leben, mehr als 400 wurden verletzt.

Hinter dem Angriff wird das Haqqani Netzwerk vermutet, das auch für andere schwere Anschläge in Afghanistan verantwortlich gemacht wird. K. soll über enge Kontakte zum Netzwerk verfügen. So sei er dort in der Planung von Anschlägen und im Bau von Sprengsätzen aus gebildet worden.

2009 fiel K. den Behörden erstmals als radikaler Islamist auf. Seine aktive Terrorkariere begann am 5.August 2012. K. bestieg in Frankfurt am Main einen Flieger nach Istanbul und reiste anschließend weiter nach Wasiristan. Die Bergregion im nordwestlichen Pakistan an der Grenze zu Afghanistan gilt als Rückzugsraum des Haqqani Netzwerks. In einer Medresse, einer traditionellen Koranschule, in der Provinz Belutschistan, ließ sich K. in den folgenden Monaten ausbilden.

2014 warnte das Bundeskriminalamt vor K. Es bestehe die Möglichkeit, zitierte die „Welt“ aus einem Rundschreiben an diplomatische Vertretungen und Militärbasen in Kabul, dass der Islamist „ein Selbstmordattentat auf eine internationale Einrichtung“ verüben könnte. Seit November 2014 wurde K. „wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat“ mit internationalem Haftbefehl gesucht, hieß es von der zuständigen Generalstaatsanwaltschaft Koblenz.

Um nicht aufzufallen, lebte K. in Afghanistan unter dem Decknamen „Abdul Wadood“ in einem abgeschiedenen Dorf. Er arbeitete als Mullah, einer Position als Religionsgelehrten. In dieser Zeit setzte K. seine Arbeit für die Taliban fort: Seit Sommer 2015 soll er Taliban-Krieger im östlichen Afghanistan ausgebildet und den Kontakt zu anderen europäischen Taliban gehalten haben. Zuletzt arbeitete er laut jüngsten Ermittlungen direkt für den im Dezember 2017 getöteten Kommandeur der 300 Mann starken Taliban-Elitetruppe „Rote Einheit“, Mullah Nasir. Laut Generalstaatsanwaltschaft Koblenz wird derzeit geprüft, ob ein Auslieferungsersuchen gestellt wird und der Generalbundesanwalt diesen Fall übernimmt.

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