Die Selbsttests kommen

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Alle Bürgerinnen und Bürger können in Deutschland seit letzter Woche Corona-Schnelltests selbstständig anwenden. Unterstützung durch medizinisches Personal ist von nun an nicht mehr von Nöten. Dafür wurden vom Bundesinstitut für Arzneimittel sechs verschiedene Schnelltests zugelassen. Der Discounter Aldi bietet die Schnelltests bereits seit vergangenem Samstag zum Verkauf an. Drogeriemärkte und Apotheken folgen.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat die ersten Sonderzulassungen für drei Antigen-Tests erteilt, die durch Laien als Selbsttest angewendet werden können, teilte die Bundesregierung auf ihrer Webseite mit. Dabei wird die Probe durch einen Abstrich im vorderen Nasenbereich entnommen, hieß es weiterhin.

Verkauft werden die Schnelltest-Pakete beim Discounter, in Drogerien und Apotheken. Der Discounter Aldi kündigte an, ab dem 6. März Corona-Schnelltests als Aktionsartikel anzubieten. Sowohl in den Nord- als auch in den Süd-Filialen werden seit vergangenem Samstag Tests zur Selbstanwendung verkauft. Die Packung mit fünf enthaltenen Tests soll 24,99 Euro kosten, also rund fünf Euro pro Stück. Die Verkaufsmenge ist zunächst auf eine Packung pro Kunde begrenzt. „Sollten die Schnelltests aufgrund der hohen Nachfrage möglicherweise schon am ersten Aktionstag vergriffen sein, bitten wir um Verständnis“, warnte der Discounter vor. Doch eine Sprecherin kündigte bereits an. „Weitere Ware wird in der nächsten Woche ausgeliefert“.

Ab dieser Woche bieten auch erste Drogeriemärkte die Nasenabstrich-Sets zum Verkauf an. Sowohl die Drogeriekette Müller als auch dm starten ab dem 9. März mit dem Vertrieb. „Wir rechnen mit einer Verfügbarkeit für unsere Kunden frühestens ab dem 9. März, sofern die Lieferzusagen des Herstellers eingehalten werden können“, teilte der zuständige Geschäftsführer von dm, Sebastian Bayer, mit. dm möchte zudem auch eigene Schnelltestzentren ab Mitte März aufbauen.

Bei Müller soll es ab dieser Woche in 571 Filialen die Corona-Schnelltests geben. Die Sets sind auch online verfügbar. Kommende Woche will auch die Drogeriegruppe Rossmann folgen und ab dem 17. März Nasenabstrich-Sets in die Regale stellen. Wegen der anfangs erwarteten hohen Nachfrage werde die Abgabemenge pro Haushalt zunächst auf vier Stück begrenzt, erklärte Rossmann.

Laut einer aktuellen WELT-Umfrage bei zurzeit oder in Kürze geöffneten Handelsformaten wie Supermärkten und Discountern, Bioläden und SB-Warenhäusern sowie Baumärkten und Buchhandlungen, planen auch andere Händler in das Selbsttest-Geschäft einsteigen. Dem Discounter Norma fehlen nur noch letzte Vorbereitungen. „Die aktuell viel zitierten Corona-Selbsttests könne durchaus zeitnah bei Norma in den Regalen stehen“, teilte eine Sprecherin mit. Man sei mit den entsprechenden Anbietern im Gespräch. „Sollten alle Voraussetzungen erfüllt sein und die Anbieter dann schnell genügend Tests zur Verfügung stellen können, dauert es nur wenige Tage, bis wir sie in allen Filialen in Deutschland anbieten können.“

Auch die SB-Warenhauskette Kaufland hat bereits konkrete Pläne: „Wir befinden uns derzeit in der Planung, um voraussichtlich Anfang der elften Kalenderwoche in allen Filialen Corona-Selbsttests für Laien in unser Sortiment aufzunehmen.“ Ähnlich sieht es bei Edeka aus. Deutschlands größter Lebensmittelhändler arbeitet an einer Listung, macht jedoch keine konkreten Angaben, wann der Verkauf der Selbsttests losgeht. Die Konzerntochter Netto plant mit der Verfügbarkeit „den Verkauf von Corona-Schnelltests“.

Die Möglichkeiten der Laien-Testung sind im Kampf gegen die Pandemie ein wichtiger Schritt nach vorn. Doch die Bundesregierung warnt: „Die Selbsttests haben gegenüber den PCR-Tests eine höhere Fehlerrate. Daher sollte bei jedem positiven Selbsttest immer ein PCR-Test zur Bestätigung gemacht werden.“ Eine Schwachstelle der selbstständigen Testung gilt, dass die Ergebnisse nicht dokumentiert werden und das positive Resultate möglicherweise folgenlos bleiben können. In der erweiterten Teststrategie heißt es lediglich, der positiv Getestet „sollte“ über seinen Hausarzt oder über einen Bereitschaftsnummer 116117 einen PCR-Test zur Laborbestätigung vereinbaren „und sich, mindestens bis dessen Ergebnis vorliegt, in häusliche Isolation begeben“. Ähnlich sehen die Empfehlungen für die Erweiterung von Dritten abgenommen Selbsttests aus. Dazu hieß es: „Das jeweilige Gesundheitsamt wird informiert“. Neu ist jedoch, dass bei positivem Selbsttest-Ergebnis unmittelbar danach eine weitere PCR-Probe entnommen und ins Labor geschickt werden kann. Die Kosten werden in beiden Fällen übernommen.

Die Selbsttest-Ergebnisse dienen unter anderem zur Vorlage bei Behörden, bei der Einreise in Risikogebiete oder beim Besuch in Pflegeeinrichtungen. Zudem sei diese Form der Testung „denkbar als Voraussetzung zum Betreten bestimmter Einrichtungen“. Als weitere Möglichkeit könne der Schnelltest alternativ zu einem bestätigten Ergebnis, sofern er unter „Beobachtung direkt vor Ort durch den Veranstalter“ erfolge, „als Voraussetzung für das Betreten eines Restaurants, eines Theaters oder Kinos dienen“.

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