Mitteldeutsches Journal

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Deutschland

Firmeninvestitionen ziehen an

Nach jahrelanger Schwäche ziehen die Unternehmensinvestitionen in Deutschland spürbar an. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) rechnet nach zwei guten Quartalen in diesem Jahr insgesamt mit einem Zuwachs von bis zu vier Prozent. Damit wachsen die Unternehmensinvestitionen fast doppelt so schnell wie das reale Bruttoinlandsprodukt. „Das ist ein konjunktureller Lichtblick nach neun Jahren Nullwachstum“, sagte KfW-Chefökonom Jörg Zeuner im Gespräch mit Mitteldeutsches Journal.

Auch die jüngste Umfrage des Ifo Instituts zum Thema lässt hoffen, dass Unternehmen verstärkt am Standort Deutschland aktiv werden. Die befragten Firmen gaben an, dieses Jahr ihre Investitionen real im Schnitt um sechs Prozent steigern zu wollen. Ihr Hauptziel: mehr Produktionskapazitäten. Im Bundeswirtschaftsministerium heißt es, die Inlandsinvestitionen überträfen die Erwartungen vom Frühjahr. Die Bundesregierung hat nicht zuletzt deshalb die Konjunkturprognose für 2017 von 1,5 auf zwei Prozent angehoben. KfW-Chefökonom Zeuner erwartet, dass die Unternehmen ihr Investitionstempo 2018 sogar noch steigern. Aufgrund der lebhaften Konjunktur erweitern sie ihre Kapazitäten.

Ob das private Engagement aber dauerhaft über das Niveau vor der Finanzkrise steigt, bleibt unsicher. Stark eingebrochen war es in der großen Rezession 2009. Erst Ende 2016 investierten die Unternehmer in Deutschland wieder so viel wie zu Höchstzeiten im vierten Quartal 2007. Zwischen diesem Hoch und dem Wiederaufschwung von 2016, so Zeuners Rechnung, lagen neun Jahre Nullwachstum.

Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), erwartet hingegen auch in den kommenden beiden Jahren „keine grundlegende Kehrtwende bei den privaten Investitionen“.

Auch wenn die Wachstumszahlen ordentlich aussähen, bleibe das Niveau zu niedrig, um das Wachstumspotenzial der Volkswirtschaft langfristig zu sichern. Die künftige Regierung sieht er nach wie vor in der Pflicht, die Rahmenbedingungen durch eine bessere Infrastruktur, weniger Bürokratie und mehr Wettbewerb zu verbessern. „Die privaten Investitionen bleiben Deutschlands wirtschaftliche Achillesferse.“

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