Chile überholt Israel als Impfweltmeister: Die Gründe für den schnellen Erfolg

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Bis März war Israel noch Impfweltmeister. Rund 70 Prozent der Bevölkerung erhielten bereits die erste Impfdosis, was einer Anzahl von 4,5 Millionen Menschen ausmacht. Die Regierung lockert langsam alle Maßnahmen, die aufgrund des Schutzes vor dem Coronavirus eingeführt wurden und verspricht Geimpften einen sogenannten „Grünen Pass“, der ihnen Privilegien sichert. Doch Mitte März wurde der Spitzenreiter abgelöst, und zwar durch ein Land, welches zuvor stark unter dem Virus gelitten hat. Chile verteilt Impfdosen zurzeit so schnell wie niemand anderes und impfte innerhalb einer Woche die meisten Bürger*innen pro 100 Einwohner*innen.

Damit setzt sich das Land vor allem von seinen südamerikanischen Nachbarstaaten ab, in denen das Impfen eher langsam voranschreitet. Bis Ende Juni will Chile eine Herdenimmunität erreichen, wofür rund 80 Prozent der insgesamt 19 Millionen Bürger*innen geimpft werden müssen. Erstaunlich ist besonders, dass erst seit 21 Tagen geimpft wird, seit dem 3. Februar nämlich. Innerhalb dieses Zeitraums konnte Chile mehr als drei Millionen Einwohner und Einwohnerinnen gegen das Coronavirus impfen. Alle über 60-Jährige haben bereits eine Spritze erhalten. Im nächsten Schritt plant das Land auch Erkrankte und Menschen mit Behinderung zu impfen. Besonders schnell soll auch das Personal in Schulen und Kindergärten geschützt werden, so der Gesundheitsminister Enrique Paris, denn sie wollen den „Lehrern, Eltern und auch den Kindern Gewissheit verschaffen, dass sie im März freiwillig und sicher in die Schule zurückkehren können.“

Laut Enrique Paris liegt der große und vor allem strukturierte Erfolg daran, dass Chile schon Erfahrungen mit Impfkampagnen gemacht hat. Das Land habe einen „sehr robusten“ Impfplan und das schon seit mehr als 40 Jahren. „In Chile wird niemand geimpft, ohne seinen Namen, seinen Personalausweis und den Impfstoff, denn er erhalten soll, zu registrieren. So können wir genaue Statistiken führen“, erklärt er. Die Regierung handelte früh Lieferungen von Johnson & Johnson, BioNTech/Pfizer, AstraZeneca und auch von der chinesischen Firma Sinovac aus. Sebastián Piñera, der Präsident des Landes, schloss bereits im Mai einen Vertrag mit China, welcher China verspricht Studien zum Impfstoff in Chile durchführen zu lassen. Als Gegenleistung erhält das südamerikanische Land „bevorzugten Zugang zu dessen Vakzin „CoronaVac““ und eine Lieferung von 60 Millionen Dosen über drei Jahre hinweg, so der Stern.

Im weltweiten Vergleich, aber auch im Vergleich mit den Nachbarländern schneidet Chile besonders gut ab. Gerade in Brasilien und Argentinien gestaltet sich das Impfen äußerst chaotisch. Brasilien litt zwischenzeitlich am meisten unter den Folgen des Virus und auch jetzt gestaltet sich die Vorbereitung und Verbreitung des Impfmittels als äußert schwierig. Argentinien setze schnell auf den russischen Impfstoff „Sputnik“, doch im Zulassungsprozess tauchten einige Mängel auf, wie geschwärzte Seiten in den Dokumenten. Chiles Impfstrategie lockt viele Migrant*innen an die Grenzen des Landes, die zahlreich abgeschoben wurden. So wurden 86 Migrant*innen nach Kolumbien und nach Venezuela geflogen und weitere 52 nach Peru und Bolivien. Der konservative Innenminister Rodrigo Delgado erklärt: „Das ist das erste Mal, dass wir an einem einzigen Tag so viele Menschen abschieben. Das ist ein Zeichen für all jene, die darüber nachdenken, illegal ins Land zu kommen. Ihr Schicksal wir die Ausweisung sein.“

An Ecuador und Paraguay spendete Chile insgesamt 40.000 Impfdosen des chinesischen Sinovac-Vakzins, der fürs medizinische Personal der beiden Länder vorgesehen ist. Diese Spende hat „keinen Einfluss“ auf Chiles Impfplan, so ebenfalls der Innenminister Delgado. „Danke an die chilenische Kooperation, für das medizinische Personal an vorderster Front“, schreibt der Außenminister Paraguays. Auch Ecuador äußerte sich zu dem Impf-Geschenk und Präsident Lenín Moreno bezeichnete es als „Zeichen der Solidarität zwischen den Ländern.“

Trotz der zahlreichen Impfungen muss Chile noch einen weiten Weg gehen, um das Virus und seine Folgen zu verkraften. Insgesamt haben sich über 800.000 Menschen im Land mit Covid-19 infiziert, 21.000 von ihnen sind an den Folgen gestorben.

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