Hass auf Musik hat einen Ursprung – welche Musik besonders verhasst ist

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Forscherinnen Julia Merrill und Taren-Ida Ackermann fanden heraus, dass es auch beim Anti-Musikgeschmack einen Mainstream gibt. Was hinter der akustischen Abneigung steckt ist sogar viel komplexer als gedacht. Vor allem das soziale Umfeld soll einen Einfluss darauf haben, was man ungerne hört.

Einschlägige Erfahrungen und eine Studie im Journal „Plos One“ belegen, dass Marschmusik, Mariah, Carey und Mönchsgesänge einiges gemeinsam haben. Allesamt haben das Potenzial ihre Zuhörerschaft in Rage zu bringen. Die Wissenschaftlerinnen des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik beobachtete das Phänomen, das zwar jeden betrifft, aber bis heute kaum untersucht wurde: musikalische Abneigung.

Weil das Thema jede Menge sozialen Sprengstoff birgt, wurde es bisher allerdings wenig beleuchtet. Warum manche Menschen bestimmte Melodien nicht ertragen können, ist aber weitaus komplizierter als es zunächst scheint. Ablehnungen stellen nicht einfach das negative Spiegelbild der Vorlieben dar: Nach dem Motto „Wer Hardrock hört, mag keine Schmuseballaden“. Die Studie zeigt aber, dass die Abneigungen eher „ein komplexer, multidimensionaler Bestandteil des Musikgeschmacks“ seien, so die Autorinnen Julia Merrill und Taren-Ida Ackermann.

Schlager und Metal weit oben auf der Liste

Um sich das Ergebnis der Studie erschließen zu können, interviewten die Forscherinnen 21 Probanden im Alter 18 bis 64 Jahren. Diese sollten eine Liste über die von ihnen ungeliebte Musik erstellen. Zu jedem Listenpunkt mussten die Probanden dann einen Fragenkatalog bearbeiten. Darunter Fragen, warum sie die Musik nicht mochten, was sie damit in Verbindung brächten, wie sie reagierten, wenn sie diese Klänge hören und was sie über die Anhänger der Künstler dächten. Die Stärke der Abneigung mussten sie am Ende in einer Skala von eins bis elf einschätzen und angeben, ob ihr soziales Umfeld ihren Musikgeschmack prägt.

Das Ergebnis: Die unbeliebtesten Musikstile waren Schlager und Metal, gefolgt von Techno- und House-Musik. Bereits in anderen Studien gehörten Metal und Schlager zu den unbeliebtesten Musikgenres – also gibt es auch bei musikalischen Abneigungen einen Mainstream. Darüber hinaus sei es bemerkenswert, dass die Probanden einen Künstler oder ein Subgenre innerhalb eines allgemein beliebten Musikstils ablehnten. So hatten die Befragten wenig gegen klassische Musik, jedoch aber gegen Opern.

Woher kommen die Aversionen?

„Als wir uns die Begründungen genauer ansahen, konnten wir fünf Hauptkriterien ausmachen“, zählt Merill auf, „die Musik selbst, die Texte, die Darbietung, der Künstler und die Menschen, die sie hören.“ So entsteht die Aversion vieler Leute meist aus einer Kombination verschiedener Kriterien.

In 40 Prozent aller Fälle soll die Abneigung aber tatsächlich allein an der Musik gelegen haben. Die Probanden kritisierten oft ein „Zuviel“ oder ein „Zuwenig“. Hier fielen oftmals Begriffe wie „zu melodisch“, „zu dissonant“ oder „zu simpel“.

Die wohl interessanteste Erkenntnis der Studie sei aber eine andere: Der Antimusikgeschmack eines Menschen ist unmittelbar mit dem sozialen Umfeld verknüpft. Schon weil bestimmte Musik unschöne Momente aus der Vergangenheit hervorrufen könnte, wird eine Abscheu getriggert. Zusätzlich werden Fans bestimmter Musikstile einige Eigenschaften und Vorurteile angedichtet – in der Studie waren es in erster Linie Heavy-Metal-Hörer, die mit Vorurteilen überhäuft wurden. Teilweise könnte sogar das Miteinander beeinträchtigt werden. Die Probanden gaben an, bei verhasster Musik den Raum zu verlassen und im Extremfall Gespräche abzubrechen, wenn sich ihr Gegenüber als Fans der gehassten Musik entpuppt.

Doch wozu das alles? Laut Merrill und Ackermann lehnen Menschen Musik dann ab, wenn diese nicht den eigenen Überzeugungen entspricht. So resümieren sie, dass Musikabneigungen der Selbstdarstellung in sozialen Kontexten dienen.

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