Der große Rentenbeschiss!

Politik

Die Rente steht auf wackligen Füßen und kommt wie ein Patient daher, der bereits auf der Intensivstation liegt und nur durch „Vater Staat“ am Leben gehalten wird. Denn Jahr für Jahr muss    der Bund 116 Milliarden zuschießen, damit die Altersrente überhaupt an alle Berechtigten ausgeschüttet werden kann. Dabei wird das Thema „Ebbe in der Rentenkasse“ wie ein Tabu-Thema in der Politik gemieden und verleugnet. Jahrelang wurden die Fakten verdrängt, die große Koalition verstand es immer wieder, das lästige Thema an Experten weiterzugeben und über Prognosen und Mutmaßungen abzuschwächen und kleinzureden. Dabei ist unsere Rente ein einziger Sanierungsfall.

Rentendesaster in Deutschland

Die Rentenbeiträge der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen steigen immer weiter, es droht der Rentenkollaps und ein Zahlungsausfall. Es liegt zum Großteil auch daran, dass Beamte, Politiker:innen und Selbstständige nicht einzahlen, aber größtenteils satte Ruhegelder kassieren. Viele Selbstständige und Geringbeschäftigte fallen später auch den Sozialkassen zur Last, weil sie im Arbeitsleben nicht genug verdient oder nicht genügend zurückgelegt haben. Das ewige Gequatsche vom Renteneintritt mit 67 Jahren belastet nur diejenigen, die überhaupt die Rentenzahlungen stemmen, nämlich Millionen Arbeitnehmer:innen. Alle andere verabschieden sich meistens schon mit 62 in den Ruhestand, immer mehr Lehrer:innen lassen sich früher pensionieren und unsere Politikerinnen greifen so richtig fett ab, sobald sie 5 Jahre Regierungsarbeit nachweisen können. Dazu kommen Milliarden-Leistungen an Migranten, Flüchtlinge und solche, die unter Altersarmut leiden. Einziger Ausweg ist ein steigender Beitragssatz, der mal bei 14,9 Prozent lag, dann bei 18,6% und bis 2040 auf 25 Prozent hochschnellen wird. Ein Viertel vom Gehalt für die Rentenkasse. Die Verantwortlichen drücken sich vor der Wahrheit. Denn Fakt ist, dass die Rente überhaupt nicht sicher ist, was auch in einem aktuellen Statement der Bundesbank nachzulesen ist.

Wenn eines Tages klar wird, dass die Rente so nicht mehr finanzierbar ist, dann sind die Verantwortlichen aus der Politik längst abgetaucht und können sich ihrer Verantwortung entziehen. Denn für Lösungen muss man vorher sorgen, bevor das Kind im Brunnen liegt. Zumal die Konjunktur weiter abkühlt, wie der Industrieverband BDI in seiner Konjunkturprognose festgestellt hat. Erwartet wird nur noch ein Wachstum der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr in Deutschland von etwa 1,5% statt der prognostizierten 3,5 %. Aber das ist nicht das Entscheidende für den Einbruch beim Rentensystem. Wir haben die Kassen systematisch jahrzehntelang geschröpft, haben Gelder herausgezogen und andere Löcher gestopft. Haben nicht den Migrations-Wahnsinn reguliert und eine Obergrenze geschaffen, und haben europäischen Partnern aus der EU mit Milliardenbeträgen ausgeholfen. Der Strom der Wirtschaftsflüchtlinge, der nach Europa und nach Deutschland zieht, nur weil alle wissen, dass man in Deutschland auch ohne Arbeit und ohne eigenes Dazutun sehr gut durchs Leben kommt, wurde nicht konsequent unterbunden. Und so kommt es, dass Norbert Blüms Irrtums-Versprechen „Die Rente ist sicher“ immer mehr ins Wanken gerät. Wenn jetzt auch noch die Pensionsfonds der Betriebsrenten in Schieflage geraten, dann ist die Wirtschaftskrise vorprogrammiert. Die Niedrigzinsphase trägt ebenso dazu bei wie die Tatsache, dass es immer weniger Junge und immer mehr Alte gibt. Zur Geburtenstabilisierung Migranten mit vielen Kindern ins Land zu holen ist genauso absurd wie der Fakt, dass deutsche Altersrentner:innen zur Tafel gehen müssen, weil man deren Rente nicht adäquat aufstockt und deren Lebensleistung für unser Land nicht angemessen anerkennt.

Altersarmut in Deutschland: „Tafeln“ sind längst am Limit

Deutschland

Die Essens- Lebensmittelausgaben in Deutschland, „Tafeln“ genannt, sind mittlerweile ein wichtiger Indikator dafür, wie es um die Altersarmut bestellt. Dort kann man sehr gut ablesen, dass steigende Zahlen an Armen und Notleidenden, die sich mit Lebensmitteln eindecken, weil sonst das Geld aus der Rente nicht reicht, alarmierende Ausmaße annehmen. Denn immer mehr besonders ältere Menschen können ihren Lebensunterhalt nicht mehr alleine finanziell stemmen und holen sich so Unterstützung bei den Tafeln. Diese geben kostenlose Lebensmittel an sie aus, hin und wieder muss ein kleiner Unkostenbeitrag entrichtet werden, damit man günstig einkaufen kann. Lebensmittel, die vom Einzelhandel zur Vernichtung bereitgestellt werden, weil z.B. das Verfallsdatum abgelaufen ist. Mittlerweile ist ein Anstieg der Bedürftigen um 20% festzustellen, so dass der Chef des Tafel-Verbands, Jochen Brühl, nun Alarm schlägt. Er glaubt, dass diese Situation besonders schlimm ist, weil Deutschland eine reiche Nation ist, aber dass Deutschland für Notleidende aus der halben Welt ein offenes Ohr und viel Geld übrig hat, während im eigenen Land die betagten Personen jenseits der 60 um Lebensmittel betteln müssen. Auch sonst haben hunderttausende von Rentnern zu wenig Geld im Monat, um ein angemessenes Leben in Deutschland zu führen. Menschen, die in den 50er und 60er Jahren unser Land mit ihrer Arbeit zur Blüte und zum Status „Wirtschaftsnation“ verholfen haben.

Wenn ein paar militante oder renitente Asylbewerber abgeschoben werden sollen, dann demonstrieren in Deutschland irgendwelche politisch motivierten Fanatiker für Menschrechte und gegen die Abschiebungen. Wenn unsere Rentner zur Tafel gehen oder sich schon gar nicht mehr dorthin trauen, weil sie eingeschüchtert werden von pöbelnden Bittstellern (mit Migrationshintergrund), dann demonstriert niemand. Das nimmt man so hin, zumal die ältere Generation, wenn sie arm ist, absolut keine Lobby hat. Wie kann es da sein, dass die Alterseinkünfte oftmals unter den Beträgen liegen, die Zugewanderte, Flüchtlinge und Migranten bei uns erhalten, obwohl diese nie in die Sozialkassen wie Renten- oder Krankenversicherung eingezahlt haben? Wann wird die Bundesregierung endlich einmal Prioritäten für die ärmere deutsche Bevölkerung schaffen? Belastend für ehemalige Arbeitnehmer kommt zur schlechten Gesamtsituation hinzu, dass diese oft Arbeitslosen-Zeiten in ihrem Lebenslauf haben, so dass die Rentenbezugspunkte schwächer ausfallen. Oder schlecht bezahlte Jobs, selbst wenn diese 45 Jahre ausgeübt wurden, führen dazu, dass nicht genug Rente berechnet werden kann. Tiefgreifende Reformen sind offensichtlich das einzige Mittel, um diesen Negativ-Trend zu stoppen. Es kann nicht sein, dass es in Deutschland bedeutet, wer alt ist wird arm sein.

Er schwerend zur schlechten Situation der Armuts-Rentner kommt hinzu, dass immer mehr andere Bevölkerungsgruppen die Tafel nutzen, um sich günstig bzw. umsonst Lebensmittel zu besorgen. In Deutschland sind insgesamt 1,65 Millionen permanent als Tafel-Bezieher registriert und holen sich regelmäßig ihre Rationen ab. Auffällig dabei ist, dass auch Kinder und Jugendliche darunter sind. Diese werden entweder von den notleidenden Eltern geschickt (weil meistens selbst Hartz-4-Bezieher), oder weil die Kinder von den Eltern vernachlässigt werden. Eine Menge Probleme, die nur gelöst werden können, wenn endlich Reformen herkommen. Die Bundesregierung muss schnellstens die ungeregelte Zuwanderung eingrenzen und die soziale Gerechtigkeit als Leitbegriff neu definieren. Die Tafeln sind bereits heute am Limit ihrer Kapazitäten, aber es werden weitere Zig-Tausend arme und bedürftige Rentner dazukommen. Deutschland sollte anfangen, sich auf seine innenpolitischen Probleme zu besinnen und in einer „To-Do-Liste“ die wichtigen Bereiche Altersarmut und Versorgungslücke im Interesse unsere Rentner und Pensionäre von A bis Z sinnvoll abzuarbeiten.

Viele Pensionskassen stecken in echten Finanzierungsproblemen

Deutschland

Die Idee seinerzeit entwickelt als Unterstützung zur gesetzlichen Rente war ohne Frage gut. Es geht um die Betriebsrenten, die den Arbeitnehmern zusätzliche finanzielle Unterstützung zusichern sollen. Doch seit der Leitzins seit Jahren auf niedrigstem Niveau pendelt, bekommen immer mehr Unternehmen Probleme, die prognostizierten Rentenzahlungen erwirtschaften zu können. Denn festverzinsliche Papiere sind die Basis der Rückstellungen, solche, die eine gewisse Kapitalerhaltsgarantie versprechen. Doch mit den Niedrigzinsen können vor allem DAX-Konzerne die Maximierung der eingezahlten Beiträge nicht mehr garantieren, was sie in arge Schwierigkeiten bringt.

Immanuel Hiladakis, 52, will nicht mehr warten, bis die Zinsen wieder steigen. Der Flugzeugmechaniker aus Troisdorf, der bei der Lufthansa in Köln Jets wartet, zahlt jetzt vier Prozent seines Bruttoeinkommens in einen Pensionsfonds, der auch in Aktien investiert. Zuvor  floss sein Beitrag in ein Betriebsrenten-Portfolio, das fast nur in Zinspapiere investierte. Doch die werfen schon lange nichts mehr ab. Als die Lufthansa die auf diesen Spartopf garantierte Rendite kürzte, wechselte Hiladakis in den Pensionsfonds. Was er hier am Ende  rausbekommt, weiß er zwar nicht — aber die Chance, dass es mehr sein wird als aus dem alten Portfolio, ist hoch.

Das Dilemma der Unternehmen mit der  Betriebsrente scheint unlösbar: Wenn sie eine bestimmte Rente garantieren, können sie nur sicher anlegen — sonst laufen sie Gefahr, Geld zu verlieren und Garantien nicht erfüllen zu können. Legen sie aber nur sicher an, bekommen sie nur niedrige Zinsen — auch das gefährdet ihre Fähigkeit, teure Garantierenten auszahlen zu können. Ein Ausweg sind Pensionsfonds, wie der von Hiladakis. Bei denen aber trägt dann der Arbeitnehmer das volle Risiko. So oder so müssen sich die meisten der 17 Millionen Beschäftigten, die in Deutschland Anspruch auf eine Betriebsrente haben, auf weitere Einschnitte vorbereiten. Die Zinsen auf sichere Anlagen sind niedrig, im Zuge der drohenden Euro-Krise, in der Bundesanleihen als sicherer Hafen gefragt sind, sind sie sogar erneut gesunken. Es ist deshalb an der Zeit, die eigene Rente zu überprüfen und wenn möglich gegenzusteuern — so wie Hiladakis.

Eigentlich, das weiß Hiladakis, hat er es noch gut. Die Lufthansa zahlt für ihn noch weitere 5,2 Prozent seines Bruttoeinkommens in den Fonds. Bei vielen Unternehmen dagegen wird gekürzt bis an die Grenze des rechtlich Zulässigen. Am ehesten sind Einschnitte bei Pensionskassen zu erwarten, einem von fünf Finanzierungsmodellen für di Betriebsrente. Die Finanzaufsicht BaFin sieht bei einem Drittel der 137 Pensionskassen finanzielle Probleme. „Ohne zusätzliches Kapital werden einige Pensionskassen nicht mehr ihre vollen Leistungen erbringen können“, sagt Frank Grund, BaFin-Exekutivdirektor. Im Ernstfall  können die Aufseher einen Sanierungsplan einfordern. Tatsächlich läuft die Sanierung der Betriebsrenten längst. Allein im vergangenen Jahr brachten die 30 Dax-Konzerne zehn Milliarden Euro auf, um ihre Pensionsverpflichtungen in Höhe von 380 Milliarden Euro mit zusätzlichem Geld zu decken. Sollte sich das Zinsumfeld weiter verschlechtern, kämen auf die Konzerne weitere Milliardenzahlungen zu, so eine Studie des Vermögensverwalters Flossbach von Storch.

„Bestehende Ansprüche auf Betriebsrenten aus Pensionskassen lassen sich zwar nicht streichen“, sagt Detlef Lülsdorf, Versicherungsberater aus Köln. Die Pensionskassen können aber die Verzinsung der eingezahlten Beiträge drücken. So schmolz die mit 27 Milliarden Euro Vermögen größte Pensionskasse» BVV, zuständig für die Finanzbranche, den Garantiezins für neu eingezahlte Beiträge von 4,0 auf 2,75 Prozent ab. Betroffen sind bis Ende 2004 abgeschlossene Verträge. Pensionskassen können auch die Kalkulation der Betriebsrente verändern. So werden die Beiträge in der Regel mit einem altersabhängigen Faktor multipliziert. Aus Beiträgen und diesem Faktor errechnet sich die Höhe der Betriebsrente. Pensionskassen können bei der BaFin beantragen, die Faktoren für künftige Beiträge zu senken. Im Zeitraum 2007 bis 2017 haben insgesamt 25 Pensionskassen einen solchen Antrag gestellt. Darunter waren die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) sowie die Pensionskassen von Edeka und Gerling. Noch drastischere Eingriffe sind bei neuen Betriebsrenten möglich. Hier stellen die  Arbeitgeber von Leistungs- auf Beitragszusagen um. Für Betriebsrentner heißt das, dass sie künftig nicht mehr wissen, welche Leistungen sie zu erwarten haben, sondern nur noch, wie viel Beiträge der Arbeitgeber für die Betriebsrente einzahlt. Immerhin ist bisher garantiert, dass eingezahlte Beiträge zum Eintritt in den Ruhestand erhalten bleiben. Bei der zum I. Januar 2018 von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles neu eingeführten reinen Beitragszusage ist nicht einmal das noch sicher. Schlimmstenfalls erhalten Versicherte mit neuen Verträgen also weniger als die eingezahlten Beiträge. Künftig tragen sie das Niedrigzinsrisiko allein. Für die Unternehmen hat die Beitragszusage den Vorteil, dass sie nicht mehr durch  teure Garantien belastet werden. Sie können die Gelder riskanter investieren, vor allem in Aktien. Hier sind höhere Renditen als mit niedrig verzinsten Anleihen möglich. Ohne Beitragszusage sei die Betriebsrente nicht zu retten, sagen Unternehmen. Allerdings wirkt selbst die nur verzögert. „Die Beitragszusage wird kurzfristig das Niedrigzinsproblem nicht lösen, weil das Kapital für die neuen Betriebsrenten in einen separaten Geldtopf geht“, sagt Friedemann Lucius, Vize-Chef des Instituts der Versicherungsmathematischen Sachverständigen für Altersversorgung. Ein Austausch zwischen den beiden Geldtöpfen ist verboten. Wie der Niedrigzins auf die Betriebsrente durchschlägt, hängt von mehreren Faktoren ab. Anleger können anhand von acht Punkten checken, wie es um ihre Altersversorgung steht.

  1. Zu hoher Anteil von Zinspapieren?

Etwa die Hälfte ihres Pensionsvermögens haben die Dax-Konzerne in Zinspapiere investiert. Wie hoch deren Anteil ist, steht in der  Seite 88. Weil Zinspapiere kaum noch Erträge bringen, müssen Unternehmen mehr Kapital für künftige Betriebsrenten zurücklegen. Die großen Konzerne bekommen das hin. „Im Rahmen außerordentlicher Zuführungen“ hat zum Beispiel Daimler seit 2013 rund 8,6 Milliarden Euro eingezahlt, so Konzernchef Dieter Zetsche.

  1. Viele Renten erst in ferner-Zukunft?

Besonders stark wirkt sich ein niedriger Zins aus, wenn das Gros der Pensionsverpflichtungen in ferner Zukunft liegt. Beispiel: Ein Unternehmen hat Pensionsverpflichtungen von einer Milliarde Euro. Davon fallen 200 Millionen Euro in 20 Jahren an. Bei einem Zins von zwei Prozent müsste das Unternehmen jetzt 135 Millionen Euro zurücklegen. Sinkt der Zins auf 1,5 Prozent, steigt der Betrag auf 149 Millionen Euro, also 14 Millionen Euro mehr. Werden die 200 Millionen Euro bereits nach zehn Jahren fällig, beträgt der Mehraufwand nur acht Millionen Euro.

  1. Alte Verträge, lebenslange Rente?

Pensionskassen haben zu viele alte Verträge mit hohen Garantiezinsen im Portfolio.   Das zwingt sie, schlecht verzinste Anleihen zu kaufen. Mehr in Aktien anlegen können sie nicht, denn ein Börsencrash würde die Auszahlung der Garantien gefährden. Anders als die Lebensversicherer, die bei Fälligkeit oft eine hohe Summe ausschütten, zahlen Pensionskassen meist nur lebenslange Renten. Ein Altvertrag mit hohem Garantiezins belastet die Finanzen daher über Jahrzehnte. Besonders brenzlig ist die Lage bei den von der BaFin kontrollierten Pensionskassen. Die durften Rentnern sogar höhere Renditen garantieren als die Lebensversicherer. Weil sie zu wenig Rendite erwirtschaften, müssen sie jetzt   die Renten drücken. So senkte die Pensionskasse der Metallrente ihren Zins für Betriebsrenten von 2,75 auf 1,75 Prozent. Die Metallrente verwaltet 740 000 Betriebsrentenverträge aus der Metall- und Elektroindustrie. Anders als Pensionskassen garantieren die 2002 eingeführten Pensionsfonds nur den Erhalt der eingezahlten Beiträge. Deshalb können sie mehr Aktien kaufen. Beim Pensionsfonds der Metallrente etwa sind die Beiträge bis zum 57. Lebensjahr zu knapp 70 Prozent in Aktien angelegt. Das ist rentabler, aber natürlich auch riskanter.

  1. Zu viele Firmen beteiligt?

Wenn sich bei Pensionskassen Lücken auftun, müssen die Arbeitgeber einspringen. Trägt nur ein Unternehmen die Pensionskasse, lässt sich die Lücke meist schnell schließen. Je mehr Firmen einzahlen, desto schwieriger ist es, das zusätzliche Geld einzusammeln. Bei der BVV etwa finanzieren 760 verschiedene Unternehmen die Betriebsrenten der Finanzbranche. Als die BVV den Garantiezins für Altverträge nicht mehr finanzieren konnte, seien nicht alle Mitgliedsbanken bereit gewesen, Zusatzbeiträge  zu zahlen, um die Betriebsrenten auf dem alten Niveau zu halten, sagt ein Branchenkenner. Zuerst seien die Großbanken Deutsche Bank, Commerzbank und HypoVereinsbank eingesprungen. Inzwischen habe das Gros der Unternehmen nachgezogen, sagt die Gewerkschaft Verdi. Aber eben nicht alle. Pensionskassen mit vielen Geldgebern neigen eher dazu, Leistungen zu kürzen. Solange sie zu den regulierten Kassen gehören, dürfen sle das auch. Die BaFin prüft den Antrag, den Garantiezins senken zu dürfen — und genehmigt ihn in der Regel auch.

  1. Zu nah am Staat?

Besonders Unternehmen, in denen der Staat großen Einfluss hatte, kämpfen mit üppigen Betriebsrenten. Die gut organisierten Belegschaften verteidigten lange ihre Besitzstände. Umso tiefer müssen die Unternehmen jetzt schneiden, um auch Betriebsrenten für neue Mitarbeiter zu finanzieren. Mit diesem Problem hatte beispielsweise die Lufthansa zu kämpfen. Bis zur Privatisierung 1997 war die Airline in der Versorgungskasse des Bundes und der Länder. Die Leistungen blieben auch danach auf hohem Niveau, mit Garantiezinsen von bis zu sieben Prozent jährlich. Ende 2013 aber kündigte die Lufthansa wegen des Niedrigzinses die Vereinbarungen zur Betriebsrente. Der Dax-Konzern und die Gewerkschaft Verdi handelten neue Tarifverträge aus. Ergebnis: Vom Januar 2016 an wurden die Altverträge nur noch mit 3,5 Prozent fest verzinst. Bei neuen Verträgen gibt es einen variablen Zins. Die Deutsche Post, ebenfalls ein ehemaliges Staatsunternehmen, bot Betriebsrentnern im vergangenen Jahr an, ihre monatliche Zahlungen mit einem Einmalbetrag abzufinden. So wäre der Logistikkonzern viele Altlasten mit einem Schlag los. Abfindungen dieser Art häufen sich, seit sich der Zins auf dem Kapitalmarkt nahe der Nulllinie bewegt. Rechtsanwalt Horst Metz aus Köln warnt, dass solche Einmalbeträge deutlich niedriger sein können als der Gegenwert der lebenslangen Rente.

  1. Zwei-Klassen-GeseIIschaft?

Pensionskassen, die nur noch alte Verträge abwickeln und keine neuen Verträge abschließen, werden wegen hoher Garantien ebenfalls heftig vom Niedrigzinsdilemma getroffen. Erwirtschaften die Kapitalanlagen weniger als nötig, muss das Unternehmen Geld nachschießen. Neue Beschäftigte werden dann in deutlich weniger attraktive Modelle gedrängt. Im Bayer-Konzern etwa werden alte Betriebsrenten von der Bayer Pensionskasse abgewickelt. Neue Verträge laufen über die Rheinische Pensionskasse. Mit dem Wechsel wollte Bayer die Kosten drücken. In die Bayer Pensionskasse muss der Konzern deutlich mehr Beiträge einzahlen als seine Arbeitnehmer, damit diese ihre Betriebsrente in der zusagten Höhe bekommen. Bei der Rheinischen Pensionskasse zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleich viel — und Bayer muss bei finanziellen Engpässen kein Geld mehr nachschießen. Die zugesagten Leistungen in der ie Dax-Konzerne müssen 380 Milliarden Euro Pensionsverpflichtungen stemmen. Um deren Höhe zu berechnen, zinsen die Konzerne ihre künftig an Rentner zu leistenden Zahlungen mit dem Rechnungszins ab. Abzinsen bedeutet, den Wert einer künftigen Zahlung für einen Zeitpunkt, der vor dem der Zahlung liegt, zu berechnen. Die 380 Milliarden Euro sind also der aktuelle Gegenwert der in Zukunft zu zahlenden Betriebsrenten.

Die Konzerne unterstellen dabei, dass sich die Kapitalanlagen mindestens so hoch verzinsen wie der Rechnungszins. Weil Anleihen kaum noch Erträge bringen, ist der Rechnungszins sehr niedrig. Folge: Die Pensionsverpflichtungen sind derzeit auf dem zweithöchsten Stand seit Einführung des Dax 1988.

Wie stark die Dax-Konzerne vom Niedrigzins getroffen werden, hängt auch davon ab, wann die Renten fällig werden. Je später dies der Fall ist, desto stärker wirkt sich der Rechnungszins auf die Höhe der Pensionsverpflichtungen aus. Ein Indiz dafür, in wie ferner Zukunft gezahlt werden muss, liefert die durchschnittliche Laufzeit der Pensionsverpflichtungen. Bei VW etwa liegt diese bei 19 Jahren, im Dax-Durchschnitt bei 15 Jahren. Wenn der Rechnungszins bei VW um 0,5 Prozentpunkte sinkt, steigen die Verpflichtungen um 4,5 Milliarden Euro. Legt das Unternehmen das Pensionsvermögen vor allem in Zinspapieren an – VW etwa zu 61,9 Prozent -, kann sich dieser negative Effekt verstärken.

Unterschiede sind auch historisch bedingt. Während VW traditionell Betriebsrenten finanziert, zahlt SAP eher Boni – das Zinsrisiko ist deshalb gering.

  1. Zu spät gestartet?

Seit 2002 werden Beiträge für Pensionskassen steuerlich gefördert. Dies löste einen Gründungsboom aus: 20 neue Pensionskassen gingen an den Markt, meist mit einem hohen Garantiezins von 3,25 Prozent. Die jungen Pensionskassen hatten jedoch bis zur Finanzkrise 2008 viel zu wenig Zeit, um genügend Reserven anzusetzen. Weil von 2005 an zudem auch Konkurrenzprodukte steuerlich ge- fördert wurden, wuchsen die jungen Pensionskassen langsamer als erhofft. Mit dem Niedrigzins schlitterten sie in die Krise. Zu dieser Gruppe zählt beispielsweise die Pensionskasse des Versicherers Neue Leben. Die Neue Leben musste den Garantiezins für die von 2017 an gezahlten Beiträge von 3,25 auf 1,25 Prozent senken. Betroffen waren die von 2002 bis 2005 abgeschlossenen Verträge. Die Finanzaufsicht BaFin segnete die Kürzung ab.

  1. Rechnet sich die Firma arm?

Der Niedrigzins macht erfinderisch. Unternehmen nutzen alle rechtlichen Spielräume, um ihre Kosten zu senken. Zum Beispiel, indem sie laufende Betriebsrenten nicht erhöhen. Laut Gesetz sind sie zwar dazu verpflichtet, alle drei Jahre die Betriebsrenten anzupassen — um zu verhindern, dass die Inflation sie aufzehrt. Ist das Unternehmen aber wirtschaftlich angeschlagen, gibt es keinen Inflationsausgleich. Viele Betriebe nutzen diesen Notausgang und rechnen sich arm. Der Verband der Betriebsrentner schätzt, dass zwei Drittel der Unternehmen beim Inflationsausgleich tricksen.

Oft streiten dann Arbeitnehmer und Arbeitgeber vor Gericht. Der Versicherer Generali beispielsweise ist in Hunderte Gerichtsverfahren mit Betriebsrentnern verwickelt. Eine ehemalige Mitarbeiterin der Volksfürsorge, die von Generali übernommen wurde, erstritt in diesem März beim Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg für die Jahre 2015 bis 2017 eine höhere Betriebsrente, als der Konzern zahlen wollte. Der Tarifvertrag der Lufthansa legt fest, dass laufende Betriebsrenten pro Jahr um ein Prozent steigen. Flugzeugmechaniker Hiladakis lässt dieser Inflationsausgleich erst mal noch kalt — er wird erst 2033 in Rente gehen. Bis dahin spart er noch 15 Jahre.

Die höhere Rendite des Pensionsfonds wird ihm, wenn keine längere Börsen-Baisse die schöne Rechnung zunichte macht, rund 1200 Euro monatlich verschaffen. Eine attraktive Zusatzrente — aber bis auf die eingezahlten Beiträge eben nicht garantiert.