Smart Concepts AG: Innovativer Softwareanbieter rollt Markt für Smart Home auf

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Smart Home Anwendungen gehören zu den am schnellsten wachsenden Marktsegmenten weltweit. Vernetzte Geräte wie Alexa und Siri haben den Weg in die Wohnzimmer der Kunden geebnet. Und auch im professionellen Bereich steigt die Nachfrage nach intelligenter Steuerung und umweltschonender Automatisierung von Gebäuden. Die Smart Concepts AG aus Düsseldorf hat eine innovative Planungssoftware entwickelt, die eine vollständige Umrüstung von bestehenden und neuen Gebäuden für private oder industrielle Nutzung ermöglicht. Die Software ist ein echter Game Changer – und Smart Concepts AG ein Hoffnungsträger der deutschen Start-Up-Szene.

Eine Vielzahl von Anbietern entwickeln und verkaufen Geräte, die smart über Apps und Webapplikationen gesteuert werden können. Bei der Ausstattung von Wohnungen, Büros und Häusern versprechen die Smart-Home-Geräte einen Komfortgewinn, Sicherheit und Energieeinsparung. Doch in der Praxis stößt man bei der Umrüstung eines Hauses oder Planung von einem neuen Smart Home schnell an die Grenzen. Ob Garagentor, Jalousien, Sound- und Entertainmentsystem, Waschmaschine, Steckdosen oder Lichtschalter: Jedes smarte Gerät wird mit einer eigenen App geliefert, was sowohl Einrichtung als auch tägliche Nutzung unnötig kompliziert macht.

Spätestens bei der Kombination und Vernetzung von Systemen und Komponenten verschiedener Hersteller scheitern die gängigen Lösungen komplett. Die Apps der Hersteller steuern jeweils nur einzelne Systeme oder Geräte, lassen die Integration von Drittanbietern aber nicht zu. Christian Wigge, CEO der Smart Concepts AG aus Düsseldorf, erklärt das Problem: „Die Kombination von Smart-Home-Produkten verschiedener Hersteller ist derzeit auf einem professionellen Niveau unmöglich. Entweder ist die Einrichtung technisch mit den gegebenen Mitteln nicht umsetzbar oder der Benutzer hat nachher unzählige verschiedene Apps, zwischen denen er hin- und herwechseln muss.“

Smart Concepts AG entwickelt innovative Planungssoftware

Die Smart Concepts AG hat sich der Planungs- und Steuerungsproblematik angenommen und eine innovative Softwarelösung entwickelt, die es Planungs-Ingenieuren, Architekten, Installateuren und Privatkunden ermöglicht, die Umrüstung eines bestehenden oder neu zu erbauenden Gebäudes zu einem Smart Home oder Smart Building von A bis Z zu planen und bestmöglich umzusetzen. Das System ist in der Lage, alle unterschiedlichen Smart Elemente der verschiedensten Hersteller klug zu kombinieren. Auf diese Weise benötigt der Planer nur noch eine Software, um die vollständige Umrüstung des Gebäudes zu realisieren, und kann mit einer einzigen App alle Funktionen des Smart Home steuern und überwachen.

Als einziger Anbieter am Markt ist die Softwarelösung der Smart Concepts AG in der Lage alle Komponenten verschiedener Hersteller zu steuern und die Betriebscodes für eine zentrale Steuereinheit zu erzeugen. „Mit unserer eigens entwickelten Planer-Software ist es möglich, nahezu alle gängigen Produkte verschiedenster Hersteller miteinander zu kombinieren und die Betriebscodes nachher auf einem Gateway zu platzieren, welches dann wiederum mit nur einer App angesteuert werden kann“, erklärt Christian Wigge, CEO der Smart Concepts AG, das Herzstück der Software.

Smart Concepts AG plant Markteintritt im 3. Quartal 2021

Die Smart Concepts AG steht mit ihrer innovativen Softwarelösung kurz vor dem Markteintritt. Ende 2020 wurde die Aktiengesellschaft gegründet, eine Kapitalerhöhung durchgeführt und die BAFA-Bewilligung erteilt. „Die Software ist in einer Rohfassung weitestgehend fertig und muss nun in punkto Layout, Optik und Bedienungsoberfläche überarbeitet werden“, sagt Christian Wigge, CEO der Smart Concepts AG.

Im Juli 2021 plant die Smart Concepts AG den Markteintritt und Vertriebsstart der Planungssoftware. „Nach Etablierung der Software ist darüber hinaus der Erwerb eigener Mehrfamilienhäuser geplant, die in der Folge zu Smart Homes umgerüstet werden. Diese werden dann je nach Bewertung im Firmenbestand behalten oder veräußert“, konkretisiert Christian Wigge, CEO der Smart Concepts AG, die Wachstumspläne für die ersten drei Geschäftsjahre.

Smart Concepts AG erhält BAFA-Förderung

Als junges und innovatives Unternehmen erhält die Smart Concepts AG die BAFA-Förderung des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. Das INVEST-Programm beinhaltet einen Zuschuss in Höhe von 20 Prozent auf investiertes Wagniskapital, das nicht zurückgezahlt werden muss, wenn es drei Jahre im Unternehmen belassen wird. Erzielte Gewinne sind zudem steuerfrei.

Derzeit gibt es die Möglichkeit, Frühphasen-Aktienanteile an der Smart Concepts AG zu einem attraktiven Ausgabekurs zu erwerben. Die Mindestanlagesumme beträgt 10.000 Euro. Investoren erhalten 20 Prozent des Investments als Erwerbszuschuss aus der BAFA-Förderung zurückerstattet und bekommen bei Veräußerung der Anteile nach frühestens drei Jahren die eventuell fällige Kapitalertragssteuer ebenfalls in voller Höhe durch das BAFA erstattet. Christian Wigge, CEO der Smart Concepts AG, beschreibt die Vorzüge des Angebots: „Sie investieren in ein Unternehmen, dessen Wachstumspotential riesig ist und dass sich in der Forschung und Entwicklung im Rahmen einer Inhouse-Lösung besonders auf klimafreundliche Zukunftstechnologien fokussiert.“

Ein Deutscher als Motor der „künstlichen Intelligenz“

Deutschland

Dass sogenannte selbsterlernende Systeme den Menschen in fast allen Bereichen des Lebens in Kürze überflügeln werden, davon sind viele Wissenschaftler mittlerweile überzeugt. Einer von ihnen kommt aus Deutschland und gilt als Wegweiser der KI-Forschung.

Sein Algorithmus steckt weltweit in mehr als drei Milliarden Smartphones. Wer schon einmal einen Text mit Facebook übersetzt oder Google nach dem Weg gefragt hat, nutzt jene künstliche Intelligenz (KI), die Jürgen Schmidhuber, 55, erschaffen hat. Schon als 15-Jähriger erkannte er, dass er niemals in der Lage sein wird, alles zu wissen. Er erkannte aber auch, dass Maschinen das irgendwann können werden. Seitdem versucht er, eine künstliche Intelligenz zu entwickeln, die schlauer ist als er selbst. Schmidhuber ist seinem Ziel heute näher als je zuvor.

Der Wissenschaftler, der in München geboren wurde und dort an der TU auch schon das Labor für Robotik geleitet hat, ist seit 1995 Chef des IDSIA, eines weltweit führenden Schweizer Forschungs- instituts. Für den Informatiker ist KI das Versprechen  einer besseren Welt. Anderen jagt diese Welt Angst ein. Weil kaum einer das Mysterium versteht. Weil kaum einer absehen kann, wie es unser Leben verändern wird. Selbst für einen der klügsten Köpfe der Welt ist KI ein Widerspruch: „ Sie könnte das Beste oder Schlechteste sein, was der Menschheit je zugestoßen ist “ , sagte der inzwischen verstorbene Physiker Stephen Hawking.

Hoffnung und Horror

Die schöne neue Technikwelt ist Heilsbringer und Horrorvision zugleich. Der Traum vom Roboter, der dem Menschen lästige Arbeiten abnimmt. Der Albtraum von   einem Apparat, der irgendwann die Kontrolle übernimmt. Oder uns die Arbeitsplätze raubt. Mehr als 60 Prozent der Menschen fürchten, dass Maschinen sie in! den kommenden zehn Jahren am  Arbeitsplatz ersetzen. Die Ängste haben zunächst ihre Berechtigung. Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht irgendwo ein neuer Roboter, ein neues selbstlernendes Programm auf den Markt kommt — und alles schneller, effizienter, billiger und fehlerärmer macht. Schon heute erstellen Computersysteme bessere medizinische Diagnosen als Ärzte, managen u Aktienfonds ertragreicher und steuern Waffensysteme zielgenauer. Sie können malen, dolmetschen, schreiben und komponieren.  Auf der Entwicklerkonferenz 1/0 stellte Google sein neues System „Duplex“ vor. Einen digitalen Assistenten, der eigenständig mit einem Menschen am Telefon spricht und einen Tisch im Restaurant reserviert. Der Kellner merkt dabei nicht einmal, dass er mit einer Stimme aus der Konserve spricht. Wozu braucht es da noch Mitarbeiter im Callcenter?

Eine McKinsey-Studie aus den USA geht davon aus, dass bis 2030 bis zu 800 Millionen Menschen ihren Job an intelligente Maschinen verlieren könnten. Forscher der Universität Oxford kamen zu dem Schluss, dass über alle Sektoren hinweg schon jetzt 47 Prozent aller Berufe in den USA von Computern ersetzt werden könnten. Dabei ist künstliche Intelligenz die Schlüsseltechnologie dieses Jahrhunderts, die alle Lebensbereiche durchdringt. Das heißt: Die KI-RevoIution hat längst begonnen. Und sie ist nicht mehr aufzuhalten. Um einen Masterplan für das Roboter-Zeitalter in Deutschland zu erarbeiten, bestellte Angela Merkel für den 29. Mai mehrere Minister und KI-Experten ins Kanzleramt. Dort wird die promovierte Physikerin von ihren Gesprächspartnern wohl wissen wollen, was KI leisten kann und wie sie die Gesellschaft verändert. Das Treffen dient zur Vorbereitung eines Aktionsplans KI, den Union und SPD im Koalitionsvertrag vereinbart haben. Bis zum Herbst soll das Konzept stehen.

Kl erkennt Krebszellen

Was die Technologie heute schon fertigbringt, formuliert Jürgen Schmidhuber so: „Im Moment können sich selbstlernende künstliche neuronale Netzwerke nur spezielle Aufgaben aneignen, wie zum Beispiel Spracherkennung oder Krebsdiagnostik. Dabei sind  sie schon sehr weit fortgeschritten. Ein neuronales Netzwerk   von Schmidhuber lernte bereits 2012, auf Mikroskopbildern von Brustgewebe Vorstufen von Krebszellen fast so gut zu erkennen  wie erfahrene Histologen. Der Wissenschaftler ist überzeugt:  „Schon bald werden alle künstlichen medizinischen Diagnostiker  übermenschlich gut sein. Dass diese Forschungserfolge Angst vor Massenarbeitslosigkeit schüren, hält Schmidhuber für Panikmache: „Es ist nicht verkehrt, wenn wir uns Tätigkeiten abnehmen lassen, die ein künstliches neuronales Netzwerk besser erledigen kann. “ Viele Berufe würden dadurch nicht wegfallen, sondern sich lediglich verändern.

Auch Wolfgang Wahlster, der Leiter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz in Saarbrücken (DFKI) — eine der größten Einrichtungen dieser Alt weltweit —, sieht eher die Chancen. „ Wir werden nicht weniger Beschäftigte in Deutschland haben, weil nach Fernost verlagerte Produktionsstätten durch KI und Industrie 4.0 wieder zurück nach Deutschland kommen“ , sagt der  Experte. „Unser Ansatz ist es, KI als Unterstützung der Mitarbeiter und nicht als deren Ersatz in die Fabriken der nächsten Generation zu bringen.“ So würden auch heute schon etwa bei VW und Airbus Roboter und Mechaniker Hand in Hand — arbeiten.

Manuela Lenzen, Autorin des Buches „Künstliche Intelligenz — Was sie kann & was uns erwartet“ , blickt hingegen der massiven Umwälzung des Arbeitsmarktes und damit auch unserer gesamten Gesellschaft besorgter entgegen. „Die Angst vor Daten- und Maschinenmonopolen, die einer Heerschar von Menschen mit unsicheren Jobs gegenüberstehen ist angesichts der Entwicklungen nicht unbegründet“ sagt sie. „Die wichtigste und schwerste Aufgabe ist es, eine von KI durchdrungene Gesellschaft so zu gestalten, dass sie nicht in wenige Gewinner und viele Verlierer zerfällt. “ Wie das gelingen kann, darauf hat die Politik noch keine Antwort gefunden. Der Internet-Ethiker Luciano Floridi gibt aber eine Richtung vor: „Künstliche Intelligenz muss so gestaltet werden, dass wir als Mensch im Mittelpunkt stehen. “ Der Mensch dürfe niemals als Mittel oder Ressource behandelt werden, sondern müsse immer Zweck bleiben.

Dass die Bedürfnisse des einzelnen Arbeiters aber angesichts der KI-Revolution in den Hintergrund rücken könnten, zeigt sich schon daran, dass Arbeitnehmererrungenschaften wie unbefristete Arbeitsverträge, Kündigungsschutz, Urlaubsgeld und stabile Löhne bald der Vergangenheit angehören. Stattdessen müssten wir uns auf „individuell zugeschnittene Werks- und Zeitarbeitsverträge, Solo-Selbstständigkeit und multiple Jobs“ einrichten, glaubt der Wirt schaftsvhssenschaft1er Werner Eichhorst. Kurz: Die Festanstellung weicht immer mehr der selbstständigen Projektarbeit mit ständig wechselnden Auftraggebern.

Die Frage der Ethik   Massenarbeitslosigkeit ist allerdings nicht das einzige Schreckensszenario für eine Gesellschaft, in der lernende Maschinen mit Milliarden Daten jonglieren. Wahlster kennt Fälle von kriminellen Banden, die diese Systeme benutzen. „Ihre Software analysiert Urlaubsfotos und Statusmeldungen in sozialen Netzwerken und leitet aus den Daten ab, wann und wie lange Menschen im Fernurlaub sind“, erklärt er. „Die Erkenntnisse werden dann an Einbrecher verkauft. “ Der Informatikprofessor empfiehlt deshalb die technische Aufrüstung des Staatsapparates. „Die Regierungsinstitutionen, die Polizei und alle Verwaltungen müssen viel stärker aufgerüstet werden, um Kriminalität im digitalen Zeitalter mit der Hilfe von KI bekämpfen zu können. “

Dennoch stellt der Einsatz künstlicher Intelligenz den Gesetzgeber vor neue Herausforderungen: Wer haftet etwa für Schäden? Zum Beispiel dann, wenn, wie kürzlich in den USA, ein selbstfahrendes Auto eine Fußgängerin tödlich verletzt. „Eines muss klar sein: Künstliche Intelligenz kann keine Verantwortung übernehmen“ , sagt Jimmy Schulz (FDP), Vorsitzender des Ausschusses Digitale Agenda im Bundestag. Im Zweifel müsse laut Schulz auch bei selbstfahrenden Autos der Mensch die letzte Entscheidungsinstanz bleiben. Für den Liberalen steht fest, dass das Thema bislang zu negativ betrachtet wird. „Ich finde es bedenklich, dass in Deutschland zuallererst über die Risiken und kaum über die Chancen neuer Technologien gesprochen wird. “ Dabei zeichnet  sich längst ab, dass die Digital-Technik die Märkte von morgen befeuern wird. Laut Studien könnte der Einsatz von Robotern und lernenden Maschinen allein Deutschland bis 2030 ein zusätzliches Wirtschaftswachstum von vier  Prozent bringen. „Wir wissen, dass der Umgang mit KI entscheidend  für unsere künftige Wettbewerbsfähigkeit ist“ , betont Tankred Schipanski, Sprecher der Arbeitsgruppe Digitale Agenda der Unionsfraktion im Bundestag. Der CDU-Mann mahnt jedoch: „Wenn wir international bei der Forschung führend sein wollen, wie es unser Anspruch ist, dann müssen wir noch einen Gang höher schalten. “ Eigentlich ist Deutschland für den internationalen Wettlauf gut aufgestellt. Das DFKI ist weltweit anerkannt. Die starke Industrie bietet das perfekte Einsatzfeld für lernende Maschinen. Mit einem Testfeld für autonomes Fahren auf der A9 zwischen München und Nürnberg hat die Vorgänger-GroKo bereits Rahmenbedingungen für die KI-Entwicklung im Automobilsektor geschaffen. In Karlsruhe startete kürzlich ein Pilotprojekt im Stadtverkehr.

USA und China machen Druck

Doch wie so oft im Digital-Business heißen die Konkurrenten für deutsche Mitbewerber Amazon, Apple oder Google. Die US-amerikanischen Tech-Riesen investierten 2016 27 Milliarden Dollar für die Erforschung und Entwicklung von künstlicher Intelligenz. Der Datenschatz der US-Konzerne dürfte sich als Wettbewerbsvorteil erweisen. Auch China erhöht die Schlagzahl. Bis 2025 will die Volksrepublik zum weltweiten KI-Spitzenreiter aufsteigen und scheut dafür keine Kosten: Für 1,8 Milliarden Euro ist in Peking ein Gewerbepark  zur Ansiedlung von datengetriebenen Unternehmen geplant. Die Politik in  Brüssel und Berlin reagiert. Die EU-Kommission strebt an, dass bis 2020 mindestens 20 Milliarden Euro in die Digital-Entwicklung investiert werden.  Im Aktionsplan der Bundesregierung sind 30 Millionen Euro bereitgestellt.

Der Opposition ist das nicht genug. „Die Bundesregierung versucht, ihre jahrelange Untätigkeit durch Aktionismus zu  kaschieren“ , kritisiert Konstantin  von Notz, Fraktionsvize der Grünen im Bundestag. Seine Fraktionskollegin Anna Christmann   fügt hinzu, dass sich die Entscheidung der Bundesregierung  gegen die zentrale Bündelung der  Digital-Politik nun räche. „Dabei ist gerade bei der Entwicklung dieser Schlüsseltechnologie gute Koordination gefragt. “ Während die politischen Debatten gerade erst beginnen, schreitet der Fortschritt der Technologie unaufhörlich voran. Dass Forscher Jürgen Schmidhuber bald ein Programm entwickelt, das schlauer ist als er selbst, ist jedoch höchst unwahrscheinlich. Keine Maschine könne bisher die Intelligenz des Menschen imitieren, versichert er: „Der Mensch kann Hunderttausende verschiedene Probleme lösen, eine einzelne KI noch nicht. “ Noch nicht.

Factoring-Markt wächst und wird neues Bank-Geschäftsmodell

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Thomas Brunzel herrscht über ein gewaltiges Arsenal: 7 000 Tonnen normal- und starkwandige Stahlrohre, Gegenwert gut 6 Mio. Euro, gelagert in einem Depot am Düsseldorfer Hafen. Von hier liefert Rohrhandel-Brunzel, so heißt der Familienbetrieb mit 25 Mitarbeitern und 50-jähriger Geschichte, seine Produkte an Abnehmer wie Salzgitter, Thyssen oder Klöckner. Klassisches Zwischenhändlergeschäft, mit dem der Mittelständler vergangenes Jahr 16 Mio. Euro umsetzte.

Und das Brunzel ein „typisches Problem“ einbringt, wie er sagt: „Ein so großes Lager vorzuhalten ist teuer. Die Finanzierung über die Hausbank zu vernünftigen Konditionen wird aber für kleine Unternehmen immer schwieriger.“ Hinzu kommt, dass im Stahlhandel besonders langfristige Zahlungsziele die Regel sind, üblich sind 60 Tage. Brunzels Lieferanten, Stahlwerke in Russland oder China zum Beispiel, wollen ihr Geld aber schnell sehen — teilweise muss er in Vorkasse gehen.

Um flüssig zu bleiben, nutzte Brunzel bis vergangenes Jahr den Kontokorrentkredit der Hausbank. Dann entdeckte er ein neues Finanzierungsinstrument für sich: Factoring. Dabei verkauft der Unternehmer seine Rechnungen an einen spezialisierten Finanzdienstleister, der ihm den fälligen Betrag sofort überweist. Dafür kassiert der Finanzier eine Gebühr, üblicherweise im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Viele Factoringanbieter sichern zudem das Risiko für Zahlungsausfälle ab, auf Wunsch kümmern sie sich auch um Mahnwesen und Inkasso.

„Factoring ist eine recht unkomplizierte Möglichkeit, schnell an Liquidität zu kommen“, bilanziert Brunzel. Er hat beobachtet, dass immer mehr Kunden und Lieferanten auf das Finanzierungsinstrument setzen. „Es wird zum zweiten Standbein neben der Hausbank.“ Der Markt für den Verkauf von Forderungen wächst. Zwar liegt die Factoringquote in Ländern wie Belgien oder Italien deutlich höher, aber auch in Deutschland hat sich das Volumen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt in den letzten zehn Jahren verdoppelt. „Es gibt zwar keinen Factoringboom, aber seit Längerem einen stetigen Wachstumstrend mit teilweise zweistelligen Zuwachsraten“, sagt Thomas Hartmann-Wendels, Professor für Bankbetriebslehre an der Universität Köln und einer der wenigen Factoringexperten in Deutschland. Nach seinen Berechnungen stieg das Volumen für Forderungsverkäufe 2016 auf 222 Mrd. Euro, ein Zuwachs um knapp fünf Prozent. Auch die jüngsten Zahlen deuten auf Wachstum: Für das erste Halbjahr 2017 vermeldete der Deutsche Factoring-Verband für seine Mitglieder ein Plus von acht Prozent, Gesamtumsatz: 113 Mrd. Euro.

Dennoch ist die Bedeutung des Finanzierungsinstruments noch bescheiden: Von den gut 3,5 Millionen Unternehmen in Deutschland nutzen gerade mal 30 000 Factoring. Im Mittelstand setzen nur 15 Prozent den Forderungsverkauf ein, hat eine Umfrage des Branchenverbands BFM ergeben. Einen Grund dafür liefert die Studie gleich mit: 75 Prozent der befragten Unternehmer wissen nach eigener Aussage selbst zu wenig über die Finanzierungsform, um sie für ihre Firma zu nutzen.

Eine zweite Erklärung: Das Modell hat in mehrfacher Hinsicht ein Imageproblem. „Dem Factoring haftet immer noch der Ruf des Inkassos an“, sagt Hartmann-Wendels. Und: „Damit wird verbunden, dass Unternehmen, die darauf setzen, quasi auf dem letzten Loch pfeifen. Factoring wird also als schlechtes Signal nach außen verstanden.“ Drittens sind die meisten Mittelständler mit ihrer Finanzierungssituation zufrieden. 81 Prozent der Befragten einer Studie der Beratungen Wolff & Häcker sowie Ebner Stolz sagten aus, keine Probleme bei der Mittelbeschaffung  zu erleben. Und 85 Prozent gaben an, zur Finanzierung auf Bank- oder Förderdarlehen zu setzen.

Auch ist es um die Zahlungsmoral derzeit eher gut bestellt. In einer Studie von Creditreform gaben 96 Prozent der befragten Mittelständler an, Rechnungen an private oder gewerbliche Kunden würden in der Regel innerhalb von 30 Tagen bezahlt (über Auftraggeber der öffentlichen Hand sagen das immerhin 87 Prozent). Bei 61 Prozent der befragten Unternehmer betrugen die Forderungsausfålle weniger als 0,1 Prozent des Umsatzes. Es gibt aber noch eine andere Erklärung für den schweren Stand des Factorings im Mittelstand: Das Geschäft mit kleinen und mittleren Unternehmen war für die Finanzierer bislang einfach nicht interessant. Die Großen im deutschen Factoringmarkt – vor allem die Targo Commercial Finance, ein Schwesterunternehmen der Targobank, die Postbank-Tochter PB Factoring sowie Coface Deutschland, ein Ableger des gleichnamigen französischen Kreditversicherers – konzentrieren sich auf die „Big Tickets“. Marktführer Targo erzielte 2016 mit einigen Hundert Kunden 45 Mrd. Euro Umsatz – große Fische also.

Fintechs bringen sich in Stellung

Beim Stahlhändler Brunzel geht es um kleinere Dimensionen, auf seinen Rechnungen stehen vier- oder fünfstellige Beträge. Für die großen Forderungskäufer sind das zu kleine Volumina bei gleichbleibend aufwendigen Antrags- und Prüfungsprozessen: Lohnt nicht. Unter gewissen Umsatzschwellen haben KMUs bei den Etablierten im Factoringmarkt keine Chance. „Bei kleineren Firmen ist noch viel Luft“, bestätigt Hartmann-Wendels.

Schwerfällige Platzhirsche und ein potenzieller Milliardenmarkt: Klingt nach einem klassischen Fintechszenario. Und so nehmen junge Angreifer sich auch diesen Markt vor. Sie setzen auf schlankere, digitale Abläufe und wollen so den Factoringmarkt für KMUs öffnen. Start-ups wie Pagido, Innolend oder Fundflow sind in den letzten Monaten an den Start gegangen. Wie attraktiv das Thema ist, zeigt auch, dass einige Veteranen der Szene eingestiegen sind: Kreditech-Gründer Sebastian Diemer zum Beispiel wendet sich mit Finiata an Kleinunternehmen und Selbstständige.

Und dann sind da Matthias Knecht und Christian Grobe, zwei ehemalige McKinsey-Berater, die 2014 für Rocket Internet die Onlinekreditplattform Zencap hochzogen und ein Jahr später an den britischen Konkurrenten Funding Circle verkauften. Vergangenes Jahr fingen die zwei noch einmal von vorn an: Ihr Start-up heißt Billie, hat inzwischen 3,5 Mio. Euro von Investoren eingesammelt und belegt mit 17 Mitarbeitern die 14. Etage des Rocket-Towers in Berlin-Kreuzberg.

„Das Thema ist total reif für den Mittelstand“, verkündet Grobe. „Der deutsche Factoringmarkt ist im KMU-Bereich unterentwickelt.“ Billie will Unternehmen erreichen, die weniger als 10 Mio. Euro Umsatz maChen, den kleinen, inhabergeführten Logistiker oder Maschinenschlosser, aber auch die hippe Werbeagentur in Berlin. Die meisten Rechnungen, die Billie vorfinanziert, liegen zwischen 10 000 und 15 000 Euro. Auch Brunzel, der Stahlhändler, setzt inzwischen auf die Berliner. Was macht Billie anders? Der wichtigste Unterschied, sagt Grobe, ist der Prozess. Bei einem großen Anbieter kann das Antragsverfahren schon einmal mehrere Wochen verschlingen. Billie verspricht: Bei uns dauert es maximal sieben Minuten. Natürlich läuft alles online, so kann das Portal im Hintergrund über Datenbanken checken, wie es mit Umsatz und Bonität aussieht, und in kürzester Zeit signalisieren: Mit diesem Kandidaten lohnt sich Factoring – und mit diesem lohnt es sich nicht. Denn das gehört auch zum Modell: 70 bis 80 Prozent der Antragsteller lehnt Billie derzeit ab.

Das liegt auch an der Factoringvariante, die das Start-up im Moment anbietet: Bei Billie können Unternehmer einzelne Rechnungen vorfinanzieren lassen – das erlauben die großen Anbieter normalerweise nicht. Sie bestehen darauf, dass innerhalb bestimmter vereinbarter Grenzen jede Rechnung „gefactort“ wird, um zu verhindern, dass ein Unternehmen nur die Rechnungen von Kunden mit potenziell schlechter Zahlungsmoral beim Factor ablädt und die „guten“ Forderungen behält.

Eine weitere Besonderheit bei Billie: Das Start-up übernimmt bislang nicht das Risiko des Forderungsausfalls. Ist eine Rechnung zwei Wochen nach Zahlungsziel nicht beglichen, muss der Unternehmer Billie das Geld zurückzahlen. Das soll sich aber ändern: In Zukunft will Billie sein Angebot um die Absicherung des Ausfallrisikos und auch um die Übernahme von Mahnwesen und Inkasso für den Kunden erweitern. In guter Start-up-Manier geht es aber Schritt für Schritt.

Gestartet ist Billie Anfang Juni. Mit der ersten Bilanz — 100 Kunden nach drei Monaten — ist Grobe hochzufrieden. Den größten Coup landeten die Gründer im Juli. Als Refinanzierungspartner holten sie einen der Etablierten ins Boot: Marktführer Targo Commercial Finance stellt Billie einen Großteil des „angenehmen zweistelligen Millionenbetrags“ zur Verfügung, mit dem das Start-up Rechnungen aufkauft.

Die Kooperation von Angreifer und Etabliertem mag widersinnig erscheinen, ergibt für Targo aber Sinn. „Bis jetzt hat niemand das Segment geknackt“, erklärt Grobe. „Viele haben das versucht, aber Factoring ist immer in der Nische geblieben.“ Vielleicht wird es das Fintech Billie sein, das das Thema richtig groß macht Marktführer Targo hat dann trotzdem etwas davon.