Wirecard-Beschuldigter Marsalek in Moskau untergetaucht

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Es ist einer von vielen Skandalen, die nach und nach ans Licht kommen und wo die Ex-Kanzlerin involviert ist, aber offenbar keinerlei Konsequenzen zu befürchten hat. Jetzt geht es um den geflohenen Milliardenbetrüger Jan Marsalek, Ex-Vorstandsmitglied der Wirecard AG aus Aschheim bei München, der einen der größten Wirtschaftsskandale in Deutschland zu verantworten hat (Schadenssumme 1,9 Milliarden Euro). Er hatte mit seinem Partner Markus Braun die Aktiengesellschaft durch Untreue, Betrug und Bilanzfälschung in den Ruin gestürzt und etwa 50.000 Investoren mit in den finanziellen Abgrund gerissen. Angela Merkel wusste offenbar davon, wo sich der steckbrieflich gesuchte Verbrecher aufhält, denn seit seiner Flucht 2020 hat er Zuflucht bei Putin gefunden und wohnt irgendwo in Moskau und wird vom russischen Geheimdienst FSB geschützt. Zu Amtszeiten Merkels wusste der ihr unterstellte Bundesnachrichtendienst allerdings vom Verbleib Marsaleks, sah sich aber außerstande, den Milliardenbetrüger zurück nach Deutschland zu holen.

Nachdem gegen Konzernchef Braun im März von der Münchner Staatsanwaltschaft Anklage erhoben wurde, konnte Marsalek bis heute nicht seiner verdienten Strafe zugeführt werden. Denn er versteckt sich in Moskau und wird nicht ausgeliefert. Zu diesen skandalösen Vorfällen mussten Olaf Scholz und Angela Merkel in der Vergangenheit vor dem Untersuchungsausschuss im Bundestag aussagen, wurden aber mal wieder geschont und von einer Mitschuld am Wirecard-Untergang freigesprochen. Dabei wurden beide Skandal-Banker von der Regierung hofiert und umworben, schließlich ging es in hochtrabender Manier seinerzeit auch um Spekulationen um die Übernahme der Deutschen Bank AG. Eine Luftnummer, wie sich später herausstellte, aber eben wieder ein weiteres Fettnäpfchen, in das Merkel hereingetreten war. Die Aufsichts- und Kontrollgremien wie BaFin oder auch Wirtschaftsprüfungsgesellschaften wie Ernst&Young hatten gründlich versagt und die undurchsichtigen Geschäftspraktiken von Wirecard durchgewunken. Mangelnde Aufsicht und zu große Nähe zur Politik waren nur zwei der Kritikpunkte.

Wie jetzt herauskommt, hatte Putins Geheimdienst angeblich nach bestätigten Informationen einer großen Boulevard-Zeitung dem Bundesnachrichtendienst angeboten, ein Treffen und eine Befragung Marsaleks zu organisieren. Die Anfrage in Deutschland soll dann wohl fahrlässiger Weise unbeantwortet geblieben sein, denn wie es scheint, wurden Aussagen von Marsalek zur Kooperation mit der Bundesregierung als zu riskant betrachtet, schließlich ging es wohl auch darum, dass dort Dinge geduldet wurden, die den Betrugsskandal sogar befördert haben könnten. Unvorstellbar, aber möglich, weil man sich offensichtlich von den hochtrabenden Bankenplänen blenden ließ. Obwohl die bayerischen Ermittlungsbehörden die Suche nach Marsalek vorantrieben und den Betrüger unbedingt ausfindig machen wollten, wurden sie nicht über den Aufenthaltsort Marsaleks informiert. Diese Tatsache wird nun erneut im Bundestag untersucht, und es wird gefragt, ob zumindest Untersuchungsausschuss und Kontrollgremium ordnungsgemäß informiert waren. Jedenfalls wird sich Putin ins Fäustchen lachen, konnte er erneut der deutschen Regierung die Grenzen aufzeigen und über sie triumphieren. Genau wie jetzt im Ukraine-Konflikt, wo die Gasversorgung nach Deutschland von Putin bewusst manipuliert und als Druckmittel benutzt wird.

Die Aufgabe des Untersuchungsausschusses des Bundestags ist es, festzustellen, warum der mutmaßliche Betrug nicht früher aufgefallen ist, warum Aufsichtsbehörden erst spät aktiv wurden und wer für diesen Finanzskandal in nie dagewesener Dimension verantwortlich ist. Vor allem der Finanzaufsichtsbehörde BaFin und dem damals SPD-geführten Finanzministerium werden in dem Fall weitgehendes Versagen vorgeworfen. Klar ist, dass der Fall Wirecard eine politische Dimension hat, die eine strafrechtliche Aufarbeitung dringend erforderlich macht. Besonders, weil namhafte Lobbyisten wie der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sich bei Kanzlerin Angela Merkel für Wirecard einsetzte. Ein früherer Geheimdienstkoordinator im Kanzleramt und ein ehemaliger Polizeipräsident in Bayern verwendeten sich ebenfalls für die Wirecard AG, so dass vielleicht deshalb die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht als eine rechtsfähige deutsche Anstalt des öffentlichen Rechts und mit Überwachungsaufgaben ausgestattet, das Augenmerk nicht so genau aufs operative Geschäft der Gesellschaft legte. Mindestens 50.000 Geschädigte haben Geld und teilweise Existenzen dadurch verloren, da der Aktienkurs des Unternehmens ins Bodenlose stürzte und die Menschen viel Geld verloren. Entschädigungsleistungen durch Sammelklagen und auch Klagen gegen Ernst&Young werden derzeit von Anwälten geprüft und vorbereitet.

Was ist nur mit unseren Banken los?

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Wie gefährlich ist die Bankenkrise, die neben Deutschland nun auch das europäische Ausland erfasst hat? Probleme bei der Deutschen Bank, der Commerzbank, Konkurs der Wirecard Bank, und nun meldet auch Griechenland wieder neue Finanzprobleme, französische, belgische und italienische Banken sind in Schieflage und das Misstrauen unter den Banken wächst. Niemand traut dem anderen mehr, die EZB hortet derzeit 218 Milliarden Euro und alle blicken nach Amerika, wo das Bankgeschäft hervorragende läuft und die Gewinne steigen. Dort sind die Quartalsgewinne höher als der Börsenwert deutscher Finanzinstitute wie Commerzbank oder Deutsche Bank.

Die Meldung, dass der Commerzbank-Chef Martin Zielke hingeworfen hat, erschreckt nicht nur die Aktionäre, sondern zeigt, dass eine neue Bankenkrise wie zuletzt 2008 in Verbindung mit der Corona-Krise das gesamte europäische Bankensystem in den Abgrund reißen könnte. Immer schon war es Experten ein Dorn im Auge, dass der Markt mit immer neuem Geld geflutet wird, ohne dass es ein Gegengewicht zum Geldwert der Devisen gegeben hätte. Materielle Werte, Sachwerte, sind jetzt die einzige Absicherung, die den Sparern und Anlegern noch Sicherheiten bieten, denn Papiergeld ist lediglich bedrucktes Papier, während Gold, Edelmetalle oder Immobilien verwertbaren Besitz darstellen. Die Kunden sind den Banken gegenüber viel negativer eingestellt als noch vor Jahren, sind u.a. die Negativzinsen einer der Gründe, warum die Menschen auf Distanz zu den Instituten gehen und nach Alternativen suchen. Online-Banking ersetzt mehr und mehr die Bankberater, die Aktien von Commerzbank, Deutsche Bank oder Wirecard sind eingebrochen und repräsentieren fehlendes Vertrauen. Das Lachen ist den Vorständen der großen Bankhäuser seit Langem vergangen, auch ein allseits bekanntes arrogantes Auftreten ist den Banken und deren Investmentsparten gänzlich verflogen – weil die Erfolge der Vergangenheit ausbleiben und Betrügereien, Manipulationen oder unerlaubte Absprachen zu gehörigen Milliardenstrafen geführt haben. Zudem warnt die europäische Bankenaufsicht vor einem massiven Anstieg fauler Kredite, die später nicht zurückgezahlt werden und die an Firmen gezahlt werden könnten, die in der Corona-Krise Probleme bekommen haben –  aber sich davon nicht mehr erholen werden.

Der Ruf der Banken in Deutschland ist spätestens seit der Wirecard-Affäre gänzlich ruiniert, und der Standort Deutschland hat an Reputation und Ansehen deutlich verloren. Skandal-Manager Jan Marsalek von der Wirecard AG wird per internationalem Haftbefehl gesucht und der Chef der Commerzbank, Martin Zielke, verlässt das sinkende Schiff, wo ihm das Wasser bis zum Halse steht. Der Aufsichtsratchef Stefan Schmittmann geht gleich mit – dicke Abfindungen und gute Altersbezüge sind ihnen allerdings sicher. Zielke und Kollegen haben lange die Zeichen der Zeit falsch interpretiert, den Abstieg aus dem DAX 2018 zu verantworten und die wirtschaftlichen Ziele nie erreicht. Das Filialnetz war mit über 1.000 Standorten viel zu groß. Auch bei der Deutschen Bank musste ein Umbruch her, der Aktienkurs fiel unter 10 Euro und Vorstand Sewing hat bis heute Probleme, die Vertragsstrafen und Gerichtskosten in Milliardenhöhe zu stemmen – u.a. wegen Kursmanipulation, verbotene Cum-Ex Geschäfte, verbotener Absprachen. Und über die Wirecard AG spricht mittlerweile die ganze Welt: Jan Marsalek hat einen der größten Bankskandale der letzten 10 Jahre zu verantworten. Er war für das Tagesgeschäft des Instituts verantwortlich und prellte bei seinem unrühmlichen Abgang tausende Aktionäre, die ihr Geld verloren haben. Das Unternehmen hat mittlerweile Konkurs angemeldet. Deutschlands Sparkassen und deren Verbände sind ebenfalls sehr unangenehm aufgefallen, weil man Sparverträge auflösen will, Guthaben falsch oder nachteilig für den Kunden abrechnet und Minuszinsen zum Standard machen will. Da läuft im ganzen Land einiges falsch!

Die Bankenaufsicht hat versagt, der Staat fokussiert sich bei den Kontrollen auf Bürger und kleine bis mittelständische Unternehmen, die Big Player lässt man gewähren – da darf sich der Finanzminister nun nicht mehr wegducken, er muss für komplette Aufklärung bei der Causa Wirecard AG sorgen.

Staatsanwalt: Was ist da los bei der Wirecard AG?

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Keine Schmach bleibt Kunden, Aktionären oder Mitarbeitern der Münchner Wirecard Bank erspart, wenn man nach vielen Imageproblemen der letzten Monate am 5. Juni erfahren musste, dass der gesamte Vorstand des Unternehmens der Marktmanipulation angeklagt wurde und offenbar tief in dubiose Geschäfte verstrickt ist. Der Kurs der Aktie ist innerhalb eines Jahres um 33 Prozent abgestürzt und hat den Anlegern manche Sorgenfalte auf die Stirn gezeichnet. Die im TecDAX gehandelte Aktie mit der WKN 747206 notiert derzeit bei 95 Euro und rangiert weit unter seinen Möglichkeiten. Seit längerer Zeit haben sich Unternehmens- und Anlegerschützer auf das Aschheimer Unternehmen eingeschossen und den Kurs mit Negativmeldungen systematisch nach unten getrieben.

Die Wirecard AG ist ein 1999 gegründetes börsennotiertes Zahlungsdienstleistungsunternehmen mit Sitz in Aschheim bei München. Das Unternehmen, mit vielen Lorbeeren und Auszeichnungen in der Vergangenheit honoriert, bietet Lösungen für den elektronischen Zahlungsverkehr, das Risikomanagement, sowie die Herausgabe und Akzeptanz von Kreditkarten an. So weit so gut. In der Zwischenzeit hat sich die BaFin, die deutsche Finanzaufsicht allerdings etwas genauer mit dem Unternehmen beschäftigt und Strafanzeige wegen Markt- bzw. Kursmanipulation bei der Staatsanwaltschaft München gestellt. Prompt wurden die Geschäftsräume der Aktiengesellschaft durchsucht und Beweismaterial sichergestellt. Im Fokus der Ermittlungen steht der gesamte Vorstand der AG. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft lässt sich dazu folgendermaßen zitieren: „Wir können Ihnen bestätigen, dass vor wenigen Tagen eine Strafanzeige der Bafin gegen Verantwortliche der Wirecard wegen des Verdachtes der Marktmanipulation bei der Staatsanwaltschaft München I einging. Der Verdacht beruht darauf, dass die Verantwortlichen der Wirecard durch die Ad-hoc-Mitteilungen vom 12.03.20 und vom 22.04.20 irreführende Signale für den Börsenpreis der Aktien der Wirecard AG gegeben haben könnten.“ Im weiteren Wortlaut heißt es: „Die Staatsanwaltschaft München I hat daraufhin ein Verfahren gegen den gesamten Vorstand, vier Beschuldigte, eingeleitet und seit heute früh (5.6.20) den Firmensitz in Aschheim durchsucht.“ Festzustellen bleibt, dass die Ermittlungen sich nicht explizit gegen die Gesellschaft wenden, sondern nur gegen die verantwortlichen Unternehmenslenker. Die Ermittlungen richten sich demnach gegen Firmenchef und Großaktionär Dr. Markus Braun, Finanzchef Alexander von Knoop, den für das operative Geschäft zuständige Jan Marsalek und gegen den Produktvorstand in Person von Frau Susanne Steidl. Alle samt Manager, die in ihrer Rolle als Verantwortliche für tausende Aktionäre und ein gewinnbringendes operatives Geschäft eigentlich in anderer Position zu sehen sind als in der, dass man ihnen vorwerfen muss, durch Beeinflussung des Marktgeschehens unberechtigte monetäre Vorteile aus ihrem Handeln gezogen zu haben.

Es steht der Vorwurf im Raum, dass im Zusammenhang mit zwei Ad-hoc-Mitteilungen zum Sonderbericht der Wirtschaftsprüfer KPMG irreführende Signale an den Kapitalmarkt gegeben wurden, um den Kurs zu beeinflussen. Wie es heißt, steht die jüngste Zuspitzung allerdings nicht im Zusammenhang mit möglichen Inhalten oder möglichen Problemen, die der KPMG-Bericht aufgedeckt hat oder noch aufdecken könnte. Bisher konnten Wirecard keine Unregelmäßigkeiten nachgewiesen werden – dennoch gibt es Handlungs-Gründe für eine externe Untersuchungskomission, die schwerwiegend sind. Zusätzlich wird im Gutachten auch festgestellt, dass sich viele Transaktionen nicht nachvollziehen ließen, weil die Unterlagen dazu nicht vorhanden waren. Auch beschweren sich die Prüfer, dass sie keinen Zugang zu entscheidenden Unterlagen bekommen haben. Das alles wirft kein gutes Bild auf die weitere Entwicklung des Unternehmens, zumal die Verantwortlichen offenbar einiges verheimlichen wollen. Es geht um ihren Kopf und um die Reputation eines Unternehmens, welches einen steilen Aufstieg hinter sich hat, und jetzt zu kippen droht – das wissen sie.

Wer ist die Wirecard AG?

Im digitalen Bank- und Kreditkartengeschäft spielt die Wirecard AG eine tragende Rolle und das Unternehmen spielt wie nur wenige deutsche Unternehmen in der Welt der Digitalwirtschaft auf Augenhöhe mit Unternehmen aus dem amerikanischen Silicon Valley oder aus China. Das Unternehmen gibt Kreditkarten aus, hält eine deutsche Banklizenz und wickelt einen weltweiten bargeldlosen Zahlungsverkehr ab. Entscheidend bei solchen Transaktionen ist das Risiko-Management, also die Prüfung der Kreditwürdigkeit von Kunden. Die Wirecard-Software ist dabei so erfolgreich und treffsicher in seiner Beurteilung von Kunden, dass das Unternehmen innerhalb weniger Jahre den Sprung in den TecDAX der dreißig wichtigsten börsennotierten deutschen Unternehmen geschafft hat. Jetzt ist Wirecard fast so viel wert wie die Deutsche Bank, dennoch ist der Werdegang und der Aufstieg der Firma von kleineren oder größeren Skandalen geprägt. Als 2006 der Aufstieg in den TecDAX sicher war, begann die Erfolgsgeschichte mit einem Aktienkurs jenseits der 175 Euro pro Anteilsschein. Mit Tricks und kleinen Manövern wie Bilanzmanipulation, Problemen im Management oder Falschaussagen geriet der Kurs immer wieder ins Wanken, so dass man nun den negativen Höhepunkt einer ehemaligen Erfolgsgeschichte erreicht hat.