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Deutsche Bahn mit vollmundigen Versprechungen

Jetzt will es jemand aber ganz genau wissen, und lehnt sich dabei mächtig weit aus dem Fenster: Richard Lutz, Chef der Deutschen Bahn AG, verspricht definitiv mehr Pünktlichkeit, mehr Sauberkeit in den Zügen und mehr Transparenz bei Informationen. Dazu sollen insgesamt 24.000 neue Jobs beim staatlichen Eisenbahn-Konzern geschaffen werden. Notwendig sind solche Maßnahmen und solche gewagten Prognosen, denn Richard Lutz steht das Wasser bis zum Hals, er hat in der Vergangenheit die ein oder andere Entscheidung getroffen, die vielen Entscheidern gegen den Strich gegangen ist. Und Lutz musste sich oftmals kritischen Bewertungen und bohrenden Fragen stellen, die seine Kompetenz und seine Personalentscheidungen betreffen. Allein der Skandal um die Beraterverträge für ehemalige Bahnvorstände, die er in alten Zeiten zu verantworten hatte, schwebt ebenso wie ein Damoklesschwert über ihm wie die Entscheidung, Finanzvorstand Alexander Doll zu entlassen. Der ein oder andere hatte sich zwischenzeitlich die Frage gestellt, ob Lutz der Richtige für den hoch dotierten Chefposten ist. Jetzt versucht Lutz gegenzulenken und klare Kante zu zeigen. Mit fundierten und zukunftsweisenden Entscheidungen, die vor allem den tausenden Nutzern der Züge, den Reisenden und Pendlern, einen Vorteil bringen sollen.

Es liegen äußerst ungemütliche Wochen hinter Bahnchef Lutz und seinen Kollegen. Die geplanten Gehaltserhöhungen für Teile des Vorstands wurden gestrichen, Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer ist nicht zufrieden mit der Ausrichtung der Bahn und die Kunden, die letztendlich die berühmte Karre am Laufen halten, sind sowieso stinksauer über Unpünktlichkeit und fehlende Sauberkeit in Zügen und Bahnanlagen. Da möchte man nicht in der Haut des Bahnchefs stecken, zumal dieser die Probleme einfach nicht richtig in den Griff bekommt und zur Zielscheibe für viel Kritik aus allen Richtungen geworden ist. Auf die Frage eines Journalisten, ob Lutz sich vorstellen kann, noch lange auf dem Chefsessel beim Großkonzern zu sitzen, gab dieser sich kämpferisch ob der vielen neuen Chancen, die die Zusammenarbeit mit Andreas Scheuer und der neuen Strategie der Bahn nun böten. Doch die Realität sieht etwas anders aus, denn im nächsten Jahr sinken beispielsweise die Preise im Fernverkehr um 10 Prozent und es gibt weniger statt mehr Geld für die Reformkonzepte der Bahn. Das ist sicherlich eine große Herausforderung, sollen doch in Kürze tausende neue Arbeitsplätze geschaffen werden, die eine Menge Geld verschlingen. Um Pünktlichkeit und Effizienz zu verbessern wurden in diesem Jahr bereits 2.000 neue Lokführer ausgebildet und eingestellt, das entspricht einem Plus von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nächstes Jahr kommen etwa 1.000 neue Mitarbeiter/innen im Fernverkehr dazu, die die Flotte zuverlässiger machen und den Service verbessern sollen. Schließlich müssen alle Züge sauberer und pünktlicher werden, so dass die Reisenden weniger zu schimpfen haben. Aber versprochen wurde viel in der Vergangenheit, was dann nicht gehalten wurde. Eine 100 Prozentquote kann es in dem Bereich Fahrplanpünktlichkeit nicht geben, aber 90% sollten es allemal sein. Schafft die Bahn aber nicht, sondern Lutz ist stolz auf 76 Prozent Pünktlichkeit im Fernverkehr. Die etwa 24.000 Personenzüge, die täglich durch die Bundesrepublik rollen, sollen bereits zu 94% pünktlich sein, wie Lutz kommentiert, allerdings nur, weil er seine Leute für diesen Bereich entsprechend sensibilisiert habe. Befragen sollte man dazu die vielen Tausend Pendler, bei denen es wirklich auf Minuten ankommt, die entscheidend sind, ob der Anschlusszug da oder bereits weg ist.

Angeblich ist das Interesse junger Menschen groß, bei der deutschen Bahn zu arbeiten, weil das Unternehmen im „grünen Umweltgedanken“ agiert, so Lutz. Nur so ist es nachvollziehbar, dass trotz Konjunkturflaute 24.000 neue Mitarbeiter eingestellt werden. Diese verfolgen angeblich einen ähnlichen Grundgedanken wie die Umwelt-Aktivistin Greta Thunberg, die Flugzeuge und Autos meidet, und umweltfreundliche Bahnen und Züge nutzt. Das soll mithelfen, die Infrastruktur zu vergrößern und die Verschuldung des Staatskonzerns Deutsche Bahn in Grenzen zu halten, obwohl weniger verdient werden wird. Ein gewagtes Manöver, zumal viele Pendler angedroht haben, den Zug zu meiden und stattdessen lieber mit dem Auto zu fahren. Den Verspätungen sei Dank.  Also heißt es für Lutz: Klotzen statt kleckern und die „Generationenaufgabe“, die Bahn fit für die Zukunft zu machen, gemeinsam mit seinem alten und neuen Personal zu meistern. Wenn das nicht funktioniert, kann Lutz seinen Hut nehmen.

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