Lieferando in der Kritik: Schattenwebseiten, Überwachung der Rider, Erhöhung der Preise

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Auch wenn die Pandemie der Wirtschaft im Allgemeinen sehr zu schaffen macht, gibt es auf jeden Fall einige klaren Gewinner. Dazu gehört der Lieferdienst Lieferando, der aber mittlerweile immer mehr kritisiert wird. Der Dienstleister verdoppelte zuletzt seine Liefergebühren und bedient sich sogenannter „Schattenwebseiten“, um den eigenen Umsatz zu steigern.

Statt 1,50€ pro Essens-Bestellung müssen die Kund*innen in einigen deutschen Städten jetzt 2,90€ zahlen. Diese Erhöhung gilt bis jetzt für Leipzig, Hannover, Mainz, Mönchengladbach, Essen und Düsseldorf. Wenn das jeweilige Restaurant allerdings eigene Fahrer*innen einsetzt und nicht die Rider von Lieferando, gilt diese Preissteigerung nicht. Ob der erhöhte Preis auf ganz Deutschland ausgeweitet wird ist bis jetzt noch unklar. Das Unternehmen begründet den neuen fast doppelten Betrag damit, dass sie für hohe Logistikkosten und Stundenlöhne aufkommen müssten. „Logistik und faire Beschäftigungsverhältnisse kosten Geld, ganz gleich, ob wir oder die Fahrer unserer Restaurantpartner ausliefern“, erklärte ein Sprecher von Lieferando.

Die steigenden Preise für die Kund*innen sind eine Sache, doch auch die Restaurants, die bei dem Unternehmen angemeldet sind, kritisieren die Firma. Allein im dritten Quartal des letzten Jahres konnte Lieferando einen Zuwachs von 38 Prozent an Bestellungen verzeichnen. Insgesamt sind rund 20.000 Restaurants bei der App und Webseite angemeldet, die pro Auslieferung 30 Prozent des Bestellwertes an Lieferando abgeben müssen. Nutzen die Geschäfte ihre eigenen Fahrer*innen sind es immer noch 13 Prozent. Die Restaurants müssen allerdings online die gleichen Preise für ihre Gerichte nehmen, wie Vorort selber.

Nach einigen Angaben vom Bayrischen Rundfunk hat der Lieferdienst außerdem sogenannte „Schattenwebseiten“ entwickelt, um seinen Profit noch weiter zu steigern. Das bedeutet, der Konzern Lieferando hat Webseiten von Restaurants kopiert. Insgesamt wurden „europaweit mehr als 120.000 solcher Domains“ registriert, etwa 50.000 davon hierzulande, so die Tagesschau. Sucht der Kunde oder die Kundin also nach dem ausgesuchten Restaurant auf Google, sind so die ersten Sucherergebnisse Seiten von Lieferando. Die URL sieht der echten Website des Restaurants zum Verwechseln ähnlich. Bestellungen von diesen Seiten werden ebenfalls über den Lieferdienst abgewickelt und nicht etwa über das Restaurant selber. Würde letzteres tatsächlich passieren, würde Lieferando nämlich ohne Profit ausgehen. Außerdem arbeitet der Bestellservice seit letztem Jahr mit Google zusammen, damit direkt auf den Seiten von Google das gewählte Essen ausgewählt und bestellt werden kann. Lieferando kümmert sich dann um die Bestellabwicklung. Der Lieferdienst selber sieht hier allerdings keine Problematik, denn die Erstellung dieser Webseiten wären „vertraglich geregelt“ und ermöglichen „unseren kleinen Restaurant-Partnern zusätzliche Umsätze“, so Lieferando. „Die meisten Gastronomen freuen sich über diesen inbegriffenen Zusatzservice, zumal er ihnen nicht nur entsprechende Mediabudgets spart“, erklärt der Konzernsprecher. Juristisch gesehen ist diese Problematik relevant, wie Rupprecht Podszun, Professor für Bürgerliches Recht von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, bestätigt: „Das ist ein Verlust des direkten Zugangs zum Kunden. Die Art und Weise, wie das gemacht wird, halte ich für unfair und sicherlich für rechtlich der Überprüfung wert.“

Doch nicht nur Kund*innen und teilnehmende Restaurants kritisieren Lieferando. Auch die sogenannten Rider, die rund 5.000 Fahrer*innen des Unternehmens selber, klagen über befristete Verträge, Überwachung durch die App und geringe Bezahlung. Die Rider können während sie Essen ausliefern von den Kund*innen getracked werden, wodurch die App viele Daten der Fahrer*innen speichert. Auch Lieferando hat auf diese Daten Zugriff, mit welchen sie präzise ausrechnen können, wann die Bestellung eingegangen ist, wann sie im entsprechenden Restaurant abgeholt wurde und wann sie schließlich an die Kundin oder den Kunden übergeben wurde. „Es führt dazu, dass die Beschäftigten sehr gläsern sind, dass man also jeden einzelnen Verhaltensschritt erfassen kann, den man für die Auftragsabwicklung eigentlich gar nicht bräuchte“, so Peter Wedde, ein Datenschutz- und Arbeitsrechtsexperte.

Um den Problematiken, die Lieferando mit sich bringt aus dem Weg zu gehen, ist es ratsam die Bestellung einfach direkt über das Restaurant abzuwickeln. Am besten über das Telefon, denn so wird auch die Funktion der Schattenwebseiten ausgehebelt.

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  1. Achim Heinerle sagt:

    Leute, haltet euch daran, und bestellt eine Zeit lang nicht mehr bei Lieferando, damit die merken, dass sie nicht diktieren und diffamieren können wie sie wollen!

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