Fleischfabrik Tönnies: Corona-Ausbruch gefährdet unsere Gesundheit!

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Ein Fleischgigant taumelt und droht zu stürzen, weil bei Tönnies Fleisch in Rheda-Wiedenbrück 750 Arbeiter mit Corona infiziert sind und möglicherweise viel zu lange trotz Infektion weitergearbeitet haben und damit das Fleisch für den Handel kontaminiert haben. Das ist ein handfester Skandal und gefährdet die Gesundheit tausender Konsumenten.

Der Konzern von Clemens Tönnies, seines Zeichens Präsident vom Fußball-Bundesligaclub Schalke 04, gehört zu den größten Schlachtfirmen Deutschlands. Damit steigt die Verantwortung für Mitarbeiter und die Qualität der Fleisch- und Wurstwaren, werden hier doch täglich etwa 16.000 Schweine!! verarbeitet und deren Fleisch in Supermärkte des In- und Auslands geliefert. Die Japaner beispielsweise lieben Schweinebäuche, die sie von Tönnies bekommen, die Chinesen werden mit Schweineohren beliefert. Produkte, die der deutsche Konsument nicht unbedingt bevorzugt. Das restliche Fleisch geht in deutsche Supermärkte, in Kantinen, Schulen und öffentliche Einrichtungen. Wenn dabei aber die Fleischqualität nicht stimmt, dann ist Gefahr in Verzug. Der Neffe von Clemens Tönnies, dem Chef des Unternehmens, spricht derweil von Gefährdung der Bevölkerung und der Hygiene-Experte Professor Zastrow warnt sogar davor, das rohe Fleisch nicht ohne Handschuhe anzufassen. Er konkretisiert seine Aussagen sogar soweit, dass er behauptet: „Das Fleisch aus der Fleischfabrik Tönnies ist brandgefährlich.“ Somit gibt es keine Alternative als den Betrieb vorerst stillzulegen und die Produktion zu stoppen. Hunderte Arbeiter haben keine Arbeit mehr, tausende lebende Tiere aus dem In- und Ausland, die auf dem Weg zum Schlachthof sind, müssen umverteilt oder zurückgefahren werden. Eine riesige Tortur für das Vieh, welches stunden- bzw. tagelang auf engem Raum im Transporter zusammengepfercht ist.

Trotz aller Warnungen hat das Unternehmen offenbar die behördliche Genehmigung, dass das angelieferte Vieh und vorbereitete Fleisch weiter bzw. zu Ende verarbeitet werden darf. Dafür muss nach Meinung von Professor Zastrow das Fleisch aber stark erhitzt werden, um Keime abzutöten. Geschieht das nicht, wird es für die Konsumenten hochgefährlich. Man kann wirklich nur hoffen, dass die Verantwortlichen im Unternehmen größte Sorgfalt walten lassen, um das zu kontrollieren. Wichtig ist für alle Verbraucher, dass die Herkunft des Tönnies-Fleisches gekennzeichnet wird, damit man gegebenenfalls das Fleisch nicht in den Einkaufswagen packt, sondern liegen lässt. Allerdings ergänzt der Professor auch, dass durchgebratenes Fleisch nicht mehr gefährlich ist, allerdings bei der Zubereitung sollte man größte Sorgfalt mit der Hygiene walten lassen. Insgesamt geht allerdings der Tenor dahin, dass generell gewarnt wird, aktuelle Fleischproduktionen aus Rheda-Wiedenbrück in Deutschland in den Handel zu bringen, um eine Infizierung mit dem Corona-Virus zu vermeiden. Schlimm in dieser Situation ist, dass der Tönnies-Chef sich selbst nicht zur Situation äußern wollte. Offenbar hat Clemens Tönnies aus jüngster Vergangenheit gelernt, wo er mit lockeren Sprüchen auf der Hauptversammlung von Schalke 04 sich an den Rand eines Rassismus-Skandals geredet hatte. Unbedachte Äußerungen will er offensichtlich vermeiden – verstehen kann man es in einer derartig schwierigen Lage. Mittlerweile sind Rücktrittsforderungen laut geworden, dass man den Firmenboss nicht mehr im Amt sehen will, weil er seine Fleischproduktion offenbar vor das Wohl der Mitarbeiter und Konsumenten gestellt hatte, und erst einmal weiterarbeiten ließ. Das werden ihm die Menschen nicht verzeihen, und diese Schmach wird er nicht so einfach vom Tisch wischen können. Ein finanzielles Problem wäre es für den Milliardär Tönnies nicht, wenn er sich ins Privatleben zurückziehen würde.

Wie die FAZ einst titelte: „Vom einfachen Metzgers-Sohn zu Deutschlands Schweine-König.“ Die Tönnies Holding mit Fabriken rund um den Globus verarbeitet im Jahr 20 Millionen Schweine und erzielt dabei einen Umsatz von 7 Milliarden Euro. So liefert das Unternehmen in 80 Länder seine Fleischwaren aus und berät dabei noch Metropolen wie Peking und Moskau. So bringt er diesen Ländern beispielsweise die Massentierhaltung im großen Stil bei und vermittelt seine Erfahrungen. Das Tönnies-Imperium umfasst 9.000 Mitarbeiter und ist weltweit eines der führenden. Jahrelang gab es kaum etwas zu Meckern, doch nun brechen schwere Zeiten für den Mammutkonzern an. Agrar-Ministerin Julia Klöckner (CDU) meldet sich jetzt auch zu Wort und kritisiert das Vorgehen: „Diese Zustände sind nicht haltbar!“ Sie verlange Qualität vom Stall bis an die Theke. Dass dies lediglich ein frommer Wunsch sein kann weiß jeder, der Deutschlands Probleme mit der Fleisch- und Aufzuchtqualität der Schlachttiere kennt. Wir haben so viele „Baustellen“ im Kreislauf von Aufzucht, Haltung, Fütterung und Schlachtung von Vieh und Federvieh, dass Julia Klöckner längst vor der eigenen Tür hätte kehren müssen, bevor sie jetzt die Nase rümpft.

Neffe Robert Tönnies jedenfalls, der lange schon im Streit mit Clemens Tönnies lebt, und dem die Hälfte der Holding gehört, verlangt den Rücktritt aller Geschäftsführer und Verantwortlichen einschließlich den von Clemens, um den Konzern komplett umzustrukturieren und um die völlig zerstörte Reputation des Weltkonzerns wieder herzustellen. Dabei müssen er und sein Onkel sich außerdem für die miserablen Lebensbedingungen der meist ausländischen Leiharbeiter verantworten, die mit Billiglöhnen abgespeist werden sollen und in miserablen Massenunterkünften hausen. Dies alles in Zusammenhang mit der Corona-Infektion wirft ein so schlechtes Licht auf die Holding, dass es an der Zeit ist, neue Regeln für die Lebensmittel- und Fleischproduktion zu erlassen. Und zwar von Grund auf. Sonst wird das desaströse System der Fleisch- Vieh- und Hühnerbarone in Deutschland nie ausgemistet und reformiert werden können.

Ein Kommentar auch kommentieren

  1. Toni Burgstaller sagt:

    man kann sich vorstellen, dass die Arbeiter wenn sie so schlecht bezahlt werden und in beschissenen Unterkünften wohnen müssen, entsprechend schlecht arbeiten und womöglich die Fleischqualität enorm leidet. Vorstellen kann man sich das gut, denke ich. Da wird es mit der Sorgfalt garantiert nicht so genau genommen. Ein unzufriedener Arbeiter wird einen Schei… um die Anordnungen u.Hygienevorschriften geben.

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