Preisturbulenzen: Eingriff in den Strommarkt

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Der rasante Anstieg bei den Strompreisen hängt mit den Rekordpreisen von Gas zusammen. Daneben spielen aber auch andere Faktoren eine Rolle. Besteht derzeit Handlungsbedarf am Strommarkt?

Im Januar wurde an der Europäischen Strombörse in Leipzig noch 114 Euro für eine Megawattstunde Strom fällig. Nun stieg dieser Preis zum Ende des Monats auf beinahe 1000 Euro je Megawattstunde – nur um einige Tage danach wieder auf 550 Euro zu fallen. Was sich derzeit an der Strombörse abspielt, hat zwar mit den gestiegenen Gaspreisen zu tun, aber nicht nur.

Stadtwerke und größere Unternehmen deckten sich bereits großteilig im Voraus mit Strom ein. Bei kurzfristigen Änderungen müssen sie an einem sogenannten „Spot-Markt“ einkaufen – und das für den nächsten oder sogar gleichen Tag. Dieser Preis wird nach dem sogenannten „Merit-Order-Prinzip“ gebildet. Hier spielt der teuerste Stromanbieter eine Rolle – der allerdings noch benötigt wird, um die Nachfrage zu decken – und den Börsenpreis für alle anderen bestimmt. „Es geht beim billigsten Anbieter los mit Solarenergie, Windenergie, dann kommt Kohle und irgendwann landen wir beim Gas, was jetzt momentan mit am teuersten ist in der Produktion“, erklärt Michael Blumenroth, Rohstoffanalyst der Deutschen Bank. Der eigentliche Strompreis ergibt sich dann aus dem Preis, den der teuerste Anbieter für den nächsten Tag anbieten könnte.

Gaskrise und der Strommarkt

Im ersten halben Jahr 2022 betrug der Anteil erneuerbaren Energien am Strommix in Deutschland ca. 49 Prozent. Doch es sind weiterhin mit Gas betriebene Kraftwerke notwendig, um den gesamten Strombedarf abzudecken. Dieser Preis ist seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine in die Höhe geschnellt, da die Gaslieferungen nach Europa massiv gedrosselt wurden. Laut Mirko Schlossarczyk vom Energieberatungshaus Enervis, sei der Gaspreis also ganz bestimmend für den Strompreis. Darüber hinaus betont er, dass der Strompreis in den vergangenen Wochen viel stärker als der Gaspreis gestiegen ist. Das heißt, dass sich die Preissteigerungen nicht nur mit dem Gaspreis erklären lassen. „Am Markt herrsche eine Nervosität und Hysterie. Das paare sich mit der Befürchtung einiger Marktteilnehmer, die offene Liefermengen haben.“

Zusätzlich stehen in Frankreich knapp die Hälfte aller Atomkraftwerke wegen Instandhaltungsmaßnahmen still. Damit verschärft sich die Mangellage am europäischen Strommarkt. Denn Frankreich zählt mitunter zu den wichtigsten Stromexporteuren Europas und musste aufgrund der derzeitigen Situation sogar Strom importieren.

Dann kommen Preissteigerungen bei den Haushalten an

„Diese enorme Preissteigerung kommt zwangsläufig beim Verbraucher an“, so Schlossarczyk. Das heißt nicht, dass Privatpersonen sofort damit zu kämpfen haben, doch im kommenden – allerspätestens im übernächsten Jahr treffen sie den Endverbraucher. Dabei werden die Preise aber nicht eins zu eins auf die Haushalte umgewälzt. Rund 40 Prozent des Preises bestehen für Endverbraucher aus Steuern, Abgaben und Umlagen. 22 Prozent werden für Netzentgelte abgezogen und 38 Prozent entfallen für Stromeinkauf, Service und Vertrieb. Bei der Debatte, ob die Turbulenzen am Strommarkt weitergehen, sind die Meinungen der Experten verschieden. Aktuell wird sogar in der Politik darüber diskutiert, wie der europäische Strommarkt reformiert oder reguliert werden könnte.

Energiepreisdeckel auch in Deutschland?

In anderen EU-Ländern sei man bereits einen Schritt weiter. Beispielsweise gilt in Spanien bis nächsten Mai ein Energiepreisdeckel bei der Verwendung von Gas in der Stromproduktion. Direkt nach Einführung dieser Maßnahme verbilligte sich der Strompreis. Könnte das auch ein mögliches Modell für Deutschland sein? Sozial- und gesellschaftspolitisch sei der gestiegene Strompreis natürlich ein Problem, doch Experten warnen, dass man nicht zu schnell in den Markt eingreifen solle. In Spanien habe das dazu geführt, dass günstig Strom aus Gaskraftwerken produziert werde. Der günstige Strom fließt dann nach Frankreich. Dort finden keine Einsparungseffekte statt und stattdessen wird sogar noch mehr Gas verstromt.

Eine andere Maßnahme könnte sein, dass die Profiteure der hohen Strompreise einen Ausgleich zahlen müssen. Darunter Wind- und Solarkraftbetreiber, die günstiger Strom erzeugen. Egal wie man sich entscheide: Die erneuerbaren Energien so schnell wie möglich auszubauen, sei das Thema der Stunde.

 

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