Baubranche boomt – Materialmangel bremst Firmen aus

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Deutsche Baufirmen haben alle Hände voll zu tun. Insbesondere sollen die Rekordwerte durch die deutlich gestiegenen Preise für Wohngebäude ausgelöst worden sein. Das Geschäft boomt also trotz Preisanstieg. Lieferengpässe und Materialmangel machen den Unternehmen aber zunehmend Druck – das bekommen auch die Auftraggeber zu spüren.

Aus den Zahlen, die das Statistische Bundesamt vorlegte, geht hervor, dass kaum jemand, der Pläne für einen Umbau oder Neubau hat, sich von dem erheblichen Preisanstieg abschrecken lässt. Der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe im August kommt mit 7,8 Milliarden Euro auf den höchsten jemals in diesem Kalendermonat erreichten Wert. Im Vergleich zum August 2020 entspricht dies einem Sprung um 18,9 Prozent. Doch der Wandel hatte sich schon angedeutet: Bereits im Juli hatte der Auftragseingang ebenfalls einen Rekordstand verzeichnet.

„Über eine mangelnde Nachfrage nach Bauleistungen kann sich unsere Branche aktuell nicht beklagen“, so Hauptgeschäftsführer des Bauindustrie-Verbandes, Tim-Oliver Müller. Trotzdem stockt die Fertigstellung einiger Objekte an vielen Stellen.

Das Statistikamt betont aber, dass der hohe Anstieg hauptsächlich auf die stark gestiegenen Baupreise zurückzuführen sei.

Zahlreiche Aufträge können allerdings wegen des anhaltenden Materialmangels erst nach und nach bearbeitet werden. So kommt es zu einem paradoxen Phänomen, dass die Betriebe des Bauhauptgewerbes trotz der vielen Aufträge im August bei den realen Umsätzen 2,9 Prozent weniger Umsatz verzeichnen können. „Und das, obwohl ihnen ein Arbeitstag mehr zur Verfügung stand als im August des Vorjahres“, fügt Müller hinzu.

Zuwächse soll es in allen Sparten gegeben haben. Vor allem der Wohnungsbau stieg am stärksten mit plus neun Prozent. Im öffentlichen Bau und im Wirtschaftsbau sollen die Zuwächse nur knapp halb so hoch ausgefallen sein.

Materialengpässe stehen Bauunternehmen zunehmend im Weg

Die Erzeugerpreise für Bauholz liegen derzeit immer noch mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr. Für Kunststoffprodukte wie Rohre und Dämmstoffe wurde eine Preiserhöhung um 30 bis 40 Prozent verlangt und bezahlt. Bei Stahl betrage die Erhöhungsrate im Jahresvergleich sogar mehr als 80 Prozent.

Aus diesem Grund reklamiert die Branche weiteren Nachholbedarf bei ihren Rechnungen.

Eine Umfrage des Wirtschaftsforschungsinstituts ifo gibt an, dass sich im August 38 Prozent der Bauunternehmen über Behinderungen im Arbeitsablauf wegen ausbleibender Zulieferungen beklagten. Sogar im vergangenen Monat war noch jeder dritte Betrieb betroffen. Rechnerisch soll aber der August-Hochsprung bei den Auftragseingängen durch außergewöhnlich niedrige Basiswerte aus dem Vorjahr in Teilbereichen der Branche etwas überzeichnet gewesen sein. Auch Einschränkungen durch die Corona-Pandemie hatten die Auftragsvergabe im öffentlichen Bau in 2020 erheblich gebremst.

Darüber hinaus schwanken die Monatswerte stark. Die Auftragseingänge aus dem Zeitraum Januar bis Ende August im Vergleich zu demselben Zeitraum im Vorjahr ergeben gerade mal ein Plus von 1,5 Prozent.

Bauvorhaben erhalten weniger Genehmigungen

Felix Pakleppa, Chef der ZDB (Zentralverband des Deutschen Baugewerbes e.V.) forderte trotz des anhaltenden Wohnungsbau-Booms die gezielte Förderung zur Stützung der Nachfrage. „Seit Auslaufen der Förderungen durch das Baukindergeld im ersten Quartal sehen wir, dass die Beantragung von Genehmigung für Bauvorhaben nachlässt, insbesondere bei Einfamilien- und Mehrfamilienhäusern.“

Dem Problem müsse in den Koalitionsverhandlungen zur Bildung einer Bundesregierung mehr Beachtung geschenkt werden. Denn genau das wurde in den Wahlprogrammen versprochen. Hier wurde mit einer Fertigstellung von 400.000 Wohnungen jährlich geredet.

Nur knapp 369.000 Wohnungen waren in Deutschland im vergangenen Jahr zum Bau genehmigt worden. Vor allem hat das Zusammenspiel von einer steigenden Erwerbstätigkeit mit niedrigen Hypothekenzinsen, steigenden Mieten und wachsendem Bedarf durch Zuwanderung den Wohnungsbau nach und nach angekurbelt. Der Hauptverband der Bauindustrie stellte fest, dass die Corona-Krise 2020 diesen Trend bis heute nicht gebrochen hat.

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