Zeitarbeit als Chance für corona-bedingt stagnierenden Arbeitsmarkt?

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So richtig zu spüren bekam man die Auswirkungen von Corona im Frühjahr 2020, als die deutsche Wirtschaft deutlich einbrach und das Brutto-Inlands-Produkt (BIP) um 9.7 Prozent einbrach. So stark wie in den letzten 50 Jahren nicht mehr. Dieses historisch schlechte wirtschaftliche Umfeld wirkte sich zuerst auch sehr deutlich auf die Zeitarbeitsbranche aus, denn Pandemie-bedingt sank die Nachfrage nach Zeitarbeitskräften – ebenso wie die der Vollzeitkräfte. Alleine im April 2020, auf dem Höhepunkt des Lockdowns, wurde etwa 42 % weniger neue offene Stellen bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) gemeldet als im Vormonat. Die Anzahl der sozialversicherten Beschäftigten, die bei Zeitarbeitsunternehmen angestellt waren, ging damals um 4,8 Prozent gegenüber dem Vormonat zurück. Im gesamten Arbeitsmarkt stiegen die Arbeitslosenzahlen deutlich an. Am stärksten betroffen war das Gastgewerbe, wo überdurchschnittlich viele Angestellte gekündigt wurden. Doch hier nahm der Wert in der Zeitarbeitsbranche etwas zu, da die Kurzarbeit dafür sorgte, dass die Arbeitsplatzsicherheit von Zeitarbeitern unterstützt wurde.

Die Branche schaffte es allerdings, sich nach und nach an die Krisensituation anzupassen und im Herbst desselben Jahres dann besser gewappnet zu sein. Das verarbeitende Gewerbe konnte sich durch die Zeitarbeitskräfte mit am besten aus der Krise befreien – anders als andere Wirtschaftszweige, die mehr leiden mussten – etwa das Transportwesen und die Unterhaltungsbranche. Die steigende Exportnachfrage und robuste internationale Lieferketten sorgten dann für einen weiteren Anstieg der Mitarbeiterzahlen im verarbeitenden Gewerbe. Diese positiven wirtschaftlichen Entwicklungen wirkten sich dann auch auf die Zeitarbeit aus. Ab Juni 2020 konnte bereits ein positiver Trend bei der Beschäftigungsentwicklung in der Zeitarbeit beobachtet werden. Mit Beginn des Herbstes besserte sich die Lage deutlich. Schon im November des vergangenen Jahres stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten um 3,7 Prozent und erreichte einen Jahreshöchstwert von fast 695.000 Personen. Denn die Zeitarbeitsbeschäftigten konnten ihre Jobs besser halten als die Vollzeitangestellten. Es wurden auch wieder mehr Zeitarbeitskräfte eingestellt, was einem Anstieg um 11,9 % entsprach – Arbeitslose, die durch Zeitarbeit einen neuen Job fanden. Alleine zwischen September und Dezember schafften gut 115.000 Personen den Weg in den Arbeitsmarkt zurück – wie gesagt, alles mit Hilfe der Zeitarbeit. Die oft als verpönt gilt, aber hier als Retter in der Not fungieren konnte. Die Arbeitslosenzahlen konnten mit Hilfe der Zeitarbeit im Dezember dann weiter reduziert werden, weil etwa 20,8 Prozent der Arbeitslosen neue Beschäftigungen aufnahmen. Hier kamen essenzielle Funktionen der Zeitarbeit zum Tragen: Einerseits bietet die Branche Arbeitslosen auch in Krisenzeiten die Chance, den Weg zurück in den Arbeitsmarkt zu finden und Berufserfahrung zu bekommen bzw. zu nutzen, anstatt in die Langzeitarbeitslosigkeit abzurutschen. Andererseits sagt die Branche von sich, dass sie der Wirtschaft dabei hilft, in Krisensituationen wieder auf die Beine zu kommen. Das gilt für alle Arten von Jobvermittlern, die ihren Beitrag zur Verbesserung der Arbeitsmarktsituation in Deutschland leisten. Melissa Weiss, von der DG Timework GmbH aus München beispielsweise, sagt bei „Business News“ (Businesstalk am Kudamm): „Moderne Personaldienstleister schaffen eine perfekte Win-Win-Situation: Unternehmer können Vakanzen schneller besetzen, Bewerber erhalten einen fairen und marktüblichen Lohn.“ Mit der im letzten Herbst neu aufkommenden Corona-Welle verschlechterte sich die Planungssicherheit der deutschen Wirtschaft wieder deutlich. Gleichzeitig kam es zu ansteigenden Auftragseingängen aus dem Ausland – besonders im verarbeitenden Gewerbe um solide 6,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Durch Zeitarbeit gelang es, die benötigten Arbeitskräfte, die temporär gesucht wurden, zur Verfügung zu stellen, so dass die Nachfrage trotz eines ausgeprägt unsicheren wirtschaftspolitischen Umfelds bewältigt werden konnte. Der gestiegene Beschäftigungsanstieg speziell im Sektor Zeitarbeit dokumentiert dies. Grund genug, um das oft angeknackste Image von Zeitarbeitsfirmen, die gerne als „Ausbeuter“ verschrieen werden, ein bisschen gerade zu rücken. So heißt es unter den Arbeitsvermittlern gerne: „Zeitarbeit dient der flexiblen Reaktion auf Auftragsschwankungen, ist aber kein Mittel zur Ersetzung von Stammbelegschaften oder für Lohndifferenzierung nach unten.“

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