Software-Gründer John McAfee: Einsamer Tod im Knast in Barcelona

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Wie kann das sein, dass so ein Computer-Genie, der Schöpfer der preisgekrönten Anti-Virus Software für PC, Android und IOS sich unter erbärmlichen Umständen im Gefängnis in Spanien das Leben nimmt? Der Mann, der ein riesiges Vermögen gemacht hatte als Internet-Pionier, der viele Freunde und Bekannte aus Politik und Gesellschaft hatte und der jahrelang auf der Flucht vor den Steuerbehörden war. Bevor man ihn nach Amerika ausliefern wollte, erhängte er sich jetzt mit 75 Jahren in seiner kleinen Gefängniszelle in Barcelona – aus Angst, in den USA im Knast lebendig begraben und bis zum Tode inhaftiert zu sein.

Jeder von uns kennt das bekannte Anti-Virus Programm namens McAfee, welches vom Internet Guru John McAfee entwickelt wurde. Eine Software gegen Viren und feindliche Programme, die in den 90er Jahren eigentlich jeder auf seinem PC installiert hatte, um sich vor fremden Ausspähen und „Würmern“ und Viren zu schützen. 1989 von McAfee in Californien programmiert, nachdem zwei Pakistanis den ersten Computer-Virus namens „Brain“ ins Internet einschleusten und die Computer-Freaks bedrohten. Das erste Anti-Virus-Programm zum downloaden wurde schnell berühmt und bescherte dem Entwickler McAfee nach 5 Jahren Anlaufzeit etwa 5 Millionen Dollar pro Jahr. Da war er 35 und stets vollgedröhnt mit Alkohol, Drogen, Schlafmitteln und auch Psycho-Drogen. Cocktails, die andere umgebracht hätten, ihn aber verschonten. Man nannte ihn ein verrücktes Genie, der seit 60 Jahren versuchte, den eigenen Tod zu provozieren, indem er maßlos lebte und konsumierte. Eben diese Drogen und gefährlichen Cocktails – auch Russisch Roulette mit geladenen Pistolen gehörte dazu. Ein bisschen abgehoben, ein bisschen crazy, aber eben genial im Erfindungsreichtum und mit dreistelligem Millionen-Vermögen ausgestattet. Sein Problem war, dass er dem Finanzamt ständig davonlief, weil er einfach keine Steuererklärung machte und alle Aufforderungen dazu ignorierte. Doch Steuerdelikte sind eben keine Kavaliersdelikte, sondern Straftaten, die mit Gefängnis geahndet werden, wenn es um große Summen geht.

Ausgangspunkt für den Knick im Leben von McAfee war das schlechte Verhältnis zum strengen, alkoholsüchtigen Vater, der sich erschoss als der Junge 15 Jahre alt war. Dieser Vater verfolgte ihn in den Träumen und auch bei Tage, wie der Software-Entwickler sagte, und das war sein Schicksal, um Alkohol, Drogen, Frauen und Lebensängsten zu verfallen. Aus dieser Angst heraus, die sein Vater bei ihm geschürt hatte, entwickelte sich die Angst vor Gefahren und Bedrohungen, auch vor Gefahren im Internet. Das Ergebnis war die von ihm entwickelte Software, die alle Menschen schützen sollte vor Angriffen aus dem „Netz“. 2008 zog sich die Schlinge von Justiz und Finanzbehörden immer enger zu, so dass McAfee die Flucht antrat, mit 100 Millionen Dollar, die ihm blieben, obwohl seine Company für 7 Milliarden Dollar seinerzeit verkauft wurde. Er fand sein kleines Paradies in der Karibik in Belize, wo er umgeben von Bodyguards mit mehreren jungen Frauen im Harem lebte. Angeblich soll er nach eigener Aussage 47 Kinder gezeugt haben, aber niemand weiß Genaueres. Im Nebel von Drogen und Alkohol ging manche Erinnerung bei ihm verloren.

2012 wurde er dann in Belize entdeckt und gejagt, so dass er zuerst nach Guatemala flüchtete, dann aber in die USA ausgeliefert wurde. Doch auch da gelang ihm die Flucht. Erst in die Dom Rep, dann auch nach Europa und Kuba. Mit den beiden Versuchen 2016 und 2020 in den USA zum Präsidenten gewählt zu werden, wollte er die Vergangenheit ungeschehen und reinen Tisch machen. Das gelang aber nicht, so dass er Richtung Spanien aufbrach, wo die Steuerbehörden ebenfalls wussten, dass man ihn suchte. Nichtsahnend aber auch ohne jegliche Skrupel dem Finanzamt seine Einkünfte zu verschweigen wurde er vor 2 Jahren inhaftiert. Damit waren seine Tage gezählt, denn das Ende der Freiheit mit 75 bedeutet für ihn den Tod. Unlängst veröffentlichte er eines seiner letzten Statements wo er sagte: „Sollte man mich einst erhängt auffinden, so wie Epstein, war es nicht meine Schuld.“

Der Kampf gegen Computerviren machte ihn einst reich, dann folgte der totale Absturz, nicht zuletzt wegen seiner Wahnvorstellungen, seinem Drogenmissbrauch und sogar einem Mordverdacht, der sich aber nie beweisen ließ. Er sagte zwar, dass er nichts bereue, dennoch dürfte er sich seine Gedanken gemacht haben zu dem was war und zu dem was sein würde. Ein trauriges Ende für einen Pionier, der mit Ruhm und Erfolg nicht umzugehen wusste, und dem die wenigen Freunden offenbar den Rücken gekehrt hatten.

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