Betrug: Terraoil Swiss AG bleibt Nachweis über Ölförderungen in Albanien schuldig

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Bis heute gibt es keinen Nachweis darüber, dass die Schweizer Firma Terraoil Swiss AG tatsächlich eigene Ölfelder in Albanien exploriert, um dort Öl zu fördern. Die Frage ist, ob diese Ölfelder überhaupt existieren, wie Geschäftsführer Peter Krempin behauptet. Laut eigener Aussage, will das Unternehmen aus dem Gründungsjahr 2009, ein Jahr später in Albanien ein Ölfeld gekauft haben, wo aktiv Ölvorkommen gefördert werden. Auf Nachfrage verschiedener Presseagenturen hat die Unternehmensleitung bis heute nicht reagiert und ist eine Antwort schuldig geblieben. Grund genug, um das Geschäftsmodell des Schweizer Unternehmens, welches Unternehmensbeteiligungen an private Investoren verkauft, in Frage zu stellen.

Seit Längerem schrillen die Alarmglocken bei den investigativen Journalisten, wenn es darum geht, den Verbleib von Kundengeldern, die auf zwei verschiedenen Konten versickert sein sollen, zu hinterfragen. Denn bis heute sollen Anleger einen Betrag von etwa 70 Millionen Euro auf Konten der Credit Suisse und der Liechtensteiner Landesbank eingezahlt haben, um sich am Unternehmenserfolg der Terraoil Swiss Ag zu beteiligen. Ölförderung ist ein lukratives Geschäft und bringt hohe Erlöse, die nicht zuletzt aus dem derzeit stark ansteigenden Rohölpreis resultieren. Ein Journalist des Schweizer SRF-Magazins „Kassensturz“ und ein auf Wirtschaftsrecht spezialisierter Anwalt sprechen bereits von Betrug, da die Unternehmensbilanzen von 2019 Fehlbeträge in Millionenhöhe ausweisen. Etwa 34 Millionen Euro sollen schon vor 2 Jahren als Verlustvortrag ausgewiesen worden sein. Außerdem hat der Fachanwalt Hans Hofstetter bei der Sichtung von Kontoauszügen der Credit Suisse festgestellt, dass eingezahlte Kundengelder bereits 24 Stunden später wieder abgehoben wurden. Deren Verbleib ist unbekannt. „Was natürlich schon auffällig ist, ist die Regelmäßigkeit, mit der die Investoren-Beträge eigentlich in ihrer Gesamtheit am nächsten Tag schon wieder transferiert werden. Das   korreliert ja nicht unbedingt mit dem Kapitalbedarf einer operativ tätigen Gesellschaft. Das fällt hier schon ins Auge.“ Dazu gibt es ein passendes Beispiel aus den Kontobewegungen der Firma: Am 4. März 2020 bezahlte ein Investor 577.000 Franken (485.000 Euro) für den Erhalt von Unternehmensanteilen. Noch am selben Tag wurde das Geld zur Tochtergesellschaft nach Tirana überwiesen. Ob dieses Geld in die Ölförderung floss, oder in undurchsichtigen Firmengeflechten verschwand, lässt sich nicht feststellen.

Nach genauerer Prüfung der Kontobewegungen konnte vom Anwalt festgestellt werden, dass das Geschäftskonto der Terraoil Swiss für die Bezahlung unterschiedlichster privater Rechnungen missbraucht wurde. So bezahlte der Geschäftsführer neben privaten Bußgeldern auch privat angemietete Apartments und privat gebuchte Flüge, als auch ein regelmäßiges monatliches Gehalt an seine Gattin, die aber nie im Unternehmen gearbeitet hat. Auch Vergnügungsreisen nach Monaco zu Silvester oder unzählige private Restaurantrechnungen wurden aus der Firmenkasse beglichen. Dem Fachanwalt Hofstetter drängt sich wie er in einem Interview sagte, der Verdacht auf, dass Kundengelder systematisch zweckentfremdet werden: „Wenn die Investorengelder nicht für Ausbau und Erweiterung dieser Produktionsanlagen gebraucht werden, weil sie gar nicht funktionieren oder existieren, müsste man den Betrugstatbestand prüfen.“

Weitere Recherchen des SRF-Magazins haben zwischenzeitlich ergeben, dass Unternehmens-CEO Peter Krempin neue Investoren mit einer angeblich technischen Innovation bei der Ölförderung, dem sogenannten „Hertel-Motor“, anlockte. Hierbei geht es um ein Aggregat, welches man parallel zu den Bohrungen für das anfallende heiße Quellwasser nutzen und Strom erzeugen könne. Und zwar mit einer zwischengeschalteten „Mikrowelle“, dem Hertel-Motor, der eine organische Flüssigkeit zusammen mit dem heißen Wasser, also mit doppelter Kraft, erhitzen würde, um dann eine Turbine anzutreiben, die zusätzlich Strom erzeugt. Als Idee genial, allerdings gab es diesen Motor nur auf dem Papier und nie in praktischer Anwendung. Dennoch gelang es Krempin, Investoren von der Genialität und dem Nutzen dieser Erfindung zu überzeugen, so dass diese über Jahre Geld in sein Unternehmen pumpten. Geld, welches sie offenbar nie wiedersehen, weil der dringende Verdacht besteht, dass alle arglistig getäuscht und betrogen wurden. In diesem Zusammenhang sollen nach Aussage des SRF-Magazins die Liechtensteiner Landesbank als auch Wirtschaftsprüfer EY (ehemals Ernst&Young) ihre geschäftliche Zusammenarbeit mit dem Ölförderunternehmen Terraoil Swiss AG beendet haben.

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  1. Gernot Becker sagt:

    Den Betrügern wird es immer noch zu leicht gemacht!

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