Fußball-EM: So wird das nix mit deutschen Titelambitionen!

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Der EM-Auftakt der Deutschen war so, wie es viele Realisten befürchtet und die Oberschlauen gespottet hatten: Das war nix, und wird auch nicht für den Finaleinzug reichen. Alles andere wäre unverdient und entspricht nicht dem Leistungsniveau anderer, besserer Teams. Viele andere wie Italiener, Franzosen oder auch Belgier sind um Längen besser. Unsere deutschen Fußball-Millionäre machen eher den Eindruck, als würden sie lieber im Sommerurlaub weilen als auf dem Platz zu stehen. Und Bundestrainer Jogi Löw kann den Eindruck nicht verwischen, dass er mehr geduldet als gewollt ist.

Wer das Spiel gesehen hat am Dienstagabend und vom Fußball etwas versteht und neutral durch die objektive Brille geschaut hat, der konnte sehen, dass der deutsche Fußball statisch ist und eine Art Stillstand erreicht hat. Die Abwehr bemüht sich, dennoch fehlt der Drang nach vorne, wie man am Beispiel Rüdiger klar sehen konnte: Der Mann spielt lieber seit- und rückwärts als schnell in die Spitze. Quasi Dienst nach Vorschrift, was allerdings hier bei der EM völlig deplatziert ist. Dass so ein Spieler 500.000 British Pounds im Monat verdient, ist ein Witz! Unser Mittelfeld bemüht sich, spielt aber zu kompliziert durch die Mitte, mit einem hochgelobten Kai Havertz, der nicht die Klasse hat, die man ihm bescheinigt. Im Sturm den ollen Mann Thomas Müller aufzubringen war genauso lächerlich wie Serge Gnabry spielen zu lassen, der bei Bayern gute Spiele macht, aber international keine großen Ambitionen hat. Toni Kroos, unser Vorzeige-Kicker aus Madrid: 2014 war er wichtig und gut, 2021 ist er nur einer von vielen – ein Mitläufer und Ökonomie-Spieler: nur so viel laufen, wie es sein muss. Goosens auf links stand oft frei, wurde aber zu selten angespielt. Wenn er mal den Ball hatte, kam kein Alleingang, kein Doppelpass bis in den Strafraum. Das deutsche Spiel wirkt behäbig, berechenbar und teilweise wirr und unorganisiert.

Dabei wird so ein großes Theater um unsere National-Kicker gemacht, und dann kommt da so wenig bei raus. Beste Hotels, beste Verpflegung, Ärzte, Masseure, Trainerteam, Taktikspezialisten, unzählige Journalisten und viele Wichtigtuer, und, und, und. Dann aber so etwas abzuliefern bei einer EM, ist lachhaft. Es reicht im deutschen Fußball einfach zurzeit für nicht mehr als guter Durchschnitt. Alle die, die durch die rosarote Brille gucken, sollten die Augen öffnen und aufhören zu träumen. Die Ansprüche muss man herunterschrauben, auch wenn alle im Team so auftreten, als wären sie amtierender Weltmeister. Selbst gegen Portugal im nächsten Spiel wird Deutschland nicht gewinnen. Warum auch, wenn sich niemand empfehlen muss und alle in ihren Vereinen überbezahlt und gut aufgehoben sind. Der Stolz, das deutsche Nationaltrikot tragen zu können, ist scheinbar bei den meisten abhandengekommen. Der Marktwert steigt, wenn man Nationalspieler ist, und das ist wichtig für Ablösesummen oder Gehaltspoker, alles andere steht hintenan. Schotten, Kroaten, Ukraine oder die Dänen, die dürften den richtigen Ehrgeiz zeigen, unsere Jungs haben bereits viel erreicht und machen lieber „Dienst nach Vorschrift“. So wie die meisten unserer Beamten. Gut bezahlt und unkündbar.

Die BILD-Zeitung schreibt in der Mittwochs-Ausgabe: „Unsere Jungs haben bis zum Schluss gekämpft, wir hatten bis zum Schluss gehofft.“ Doch das ist nicht ganz richtig: Zum Ende des Spiels hat die deutsche ELF gekämpft, nicht während des gesamten Spiels und bis zum Schluss haben nur die gehofft, denen es nicht um Spielkultur und Qualität geht, sondern nur darum, irgendwie in die nächste Runde zu kommen. Die Ausstrahlung von Joachim Löw ist unscheinbar, er wirkt verzweifelt und frustriert, er reißt die Mannschaft nicht mehr mit und es nagt an ihm, dass sich die Zeiten in Brasilien bei der WM 2014 nicht wiederholen lassen. Das Gesamtpaket deutscher Fußball ist „schmale Kost“ und niemand sollte meinen, dass wir den Europameister-Titel verdient hätten. Im Orchester der Großen spielt die deutsche Mannschaft leider nur noch eine untergeordnete Rolle.

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