Hessen: Der Mülltourismus wird endlich gestoppt

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Sie ist endlich da! Die Genehmigung für den Bau des Müllheizkraftwerks im Dyckerhoffbruch. Das zuständige Regierungspräsidium Darmstadt hat Anfang Juli die Genehmigung für den Bau der Anlage erteilt. Damit soll der politisch unerwünschte „Mülltourismus“ von Wiesbaden nach Darmstadt und Frankfurt spätestens 2024 ein Ende haben. Der neue Müllofen ist nicht nur modern, sondern auch umweltfreundlich.

Es ist offiziell: Die Landeshauptstadt bekommt einen neuen Müllofen. Auf 190 Seiten wurden vom Regierungspräsidium die genauen Bedingungen für den Bau und Betrieb der neuen Anlage festgelegt. Neben wichtigen Bestimmungen zur Luftreinhaltung, dem Lärm und Gerüchen wurden zudem auch Regelungen für die Abfallwirtschaft und der Brandschutz berücksichtigt, so das Regierungspräsidium Darmstadt. Eine Prüfung der Umweltverträglichkeit wurde durchgeführt.

Geschäftsführer Roland Mohr sei froh, dass die Genehmigung nun vorliege. Der Antrag wurde bereits 2019 beim Regierungspräsidium Darmstadt gestellt und war 2020 noch einmal ergänzt worden. Ursprünglichen war vorgesehen, dass das Werk 2021 den Betrieb aufnimmt. Doch dafür ist es inzwischen schon zu spät. Doch nun kann „mit dem Bau kann umgehend begonnen werden, spätestens 2024 geht das Werk in Betrieb“, teilte Mohr mit.

Der neue Müllofen sei nicht einfach nur eine Verbrennungsanlage. Vielmehr soll er die modernste Anlage ihrer Art im Rhein-Main-Neckar-Gebiet sein. Doch nicht nur das. Die Anlage zeichnet sich vor allem auch durch ihre Umweltfreundlichkeit aus, denn die gesetzlich vorgeschriebenen Emissionswerte werden sogar erheblich unterschritten. Damit war das Unternehmen Knettenbrech & Gurdulic (K&G) der Empfehlung des Öko-Instituts und der Bitte der Stadt Wiesbaden entgegengekommen. Und dies sei jetzt auch genehmigt worden, sagt Mohr.

Seit der Antragstellung sind zwei Jahre vergangen. In dieser Zeit wurden 67 Einwendungen vorgelegt. Doch am Ende überwog der Nutzen und die Erlaubnis liegt vor, sodass die Wiesbadener Bau- und Betriebsgesellschaft MHKW das Müllheizkraftwerk im Biebricher Dyckerhoffbruch bauen darf. Ende 2023 soll der Bau der Anlage fertiggestellt sein. Bis spätestens 2024 sollte der Mülltransport nach Darmstadt und Frankfurt und damit der politisch unerwünschte „Mülltourismus“ ein Ende haben. Ein wichtiger Schritt für den Schutz der Umwelt. Ein weiterer Vorteil ist, dass mit der Hitze aus dem Müllofen das wachsende Wiesbadener Fernwärmenetz betrieben werden kann.

Auch der Energieversorger Eswe bezeichnete die neue MVA in einer Pressemitteilung als „modernste Anlage im Rhein-Main-Neckar-Gebiet“. Die Emissionsgrenzwerte würden über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinaus auf freiwilliger Basis deutlich unterschritten. „Damit wird das Kraftwerk Ergebnisse erzielen, die zum derzeitigen Zeitpunkt keine andere Müllverbrennungsanlage in der Region erreicht“, sagte Eswe. Auch auf mögliche Gesetzesänderungen bereiten sich die Verantwortlichen bereits vor.

Da der hochmoderne Müllofen auch noch umweltfreundlich funktioniert, gab es vergleichsweise wenig Widerstand um das Projekt, was unter anderem daran lag, dass ein vielversprechendes Gutachten des Freiburger Ökoinstituts vorgelegt wurde, in dem es den Bau des Müllofens als einen ökologisch vernünftigen Weg der Abfallbeseitigung einstufte. Vor allem dann, wenn das lokale Fernwärmenetz ausgebaut und möglichst viel Wärme an möglichst viele Kunden verkauft wird – darunter auch die Stadtverwaltung. Ein Anstieg an Fernwärmekunden bedeutet zugleich auch mehr Umweltfreundlichkeit.

In der hochmodernen Verbrennungsanlage sollen pro Stunde 25 Tonnen nicht gefährlicher Abfälle verbrannt und damit eine Feuerungswärmeleistung von 87,5 Megawatt erzeugt werden, erklärte das Darmstädter Regierungspräsidiums in einer früheren Mitteilung. Laut Knettenbrech & Gurdulic sollen rund 190.000 Tonnen Abfall pro Jahr verbrannt werden können. In der Anlage, die am Rande der Deponie Dyckerhoffbruch in der Nähe eines bestehenden Biomasse-Heizkraftwerks erbaut wird, soll unter anderem der Wiesbadener Hausmüll verbrannt werden.

Allerdings war der hochmoderne Müllofen kein strategischer Beschluss der Stadtverordnetenversammlung, der das Vorhaben letztendlich in Bewegung gesetzt hatte. Vielmehr wurde die Politik vor vollendete Tatsachen gestellt. Ob sich dahinter eine Absicht zugunsten eines privaten Unternehmens verbirgt, bleibt ungeklärt. Doch klar ist, dass die Ausschreibung dem hiesigen Entsorger Knettenbrech & Gurdulic einen für die Konkurrenz kaum aufholbaren Standortvorteil einräumt.

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